„Es scheiterte dann aber auch am Bundesinnenminister“

Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete greift Horst Seehofer an

Seenotrettung im Mittelmeer - Carola Rackete
© dpa, Till M. Egen, jai

05. Juli 2019 - 23:17 Uhr

Kritik für Hängepartie um Gerettete an Bord der Sea-Watch 3

Mit 40 geretteten Migranten an Bord, zwei Wochen im Mittelmeer voller blockierter Häfen. Erstmals nach ihrer Freilassung aus dem Hausarrest, mit dem sie für das Einlaufen im Hafen von Lampedusa bestraft worden war, hat sich die Kapitänin der Sea-Watch 3, Carola Rackete, öffentlich geäußert. Im Interview mit dem Magazin "Der Spiegel" kritisierte sie dabei die Bundesregierung scharf.

Carola Rackete: Es scheiterte an Horst Seehofer

Sie habe den Eindruck gehabt, dass auf nationaler und internationaler Ebene niemand richtig helfen wollte, während die Sea-Watch 3 auf eine Anlegeerlaubnis wartete. "Die haben die heiße Kartoffel immer weitergereicht, während wir zuletzt noch immer 40 Gerettete bei uns an Bord hatten", sagte sie dem Nachrichtenmagazin.

Deutsche Kommunen hätten zwar angeboten, Migranten von der Sea-Watch 3 aufzunehmen. "Es scheiterte dann aber auch an Bundesinnenminister Horst Seehofer, der keine Lust hatte, die Angebote der Städte anzunehmen.

Innenministerium: Städte-Angebote sollten berücksichtigt werden

Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums erklärte am Freitag, zunächst müsse der Bund seine Zustimmung zur Aufnahme geben. Nach dem üblichen Verfahren würden die Menschen dann auf die Länder und von dort auf die Kommunen verteilt. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) sei gebeten, die Angebote der Städte zu berücksichtigen.

Hartes Wortgefecht: Matteo Salvini versus Carola Rackete

05.07.2019, Italien, Triest: Matteo Salvini (M), italienischer Innenminister, redet mit Journalisten.Nach dem Drama um die Sea-Watch-Kapitänin Rackete droht zwischen Deutschland und Italien der nächste Streit um eine deutsche Hilfsorganisation. Das S
Italiens Innenminister Matteo Salvini vor der Presse in Triest
© dpa, Stefano Cavicchi, zeus frd

Rackete kritisierte auch Seehofers italienischen Amtskollegen Matteo Salvini. "Seine Art, sich auszudrücken, ist respektlos, für einen Spitzenpolitiker ist das nicht angemessen." Am Freitag nannte Salvini Rackete auf Facebook eine "reiche und verwöhnte deutsche Kommunistin". Mehr dazu im Video.

Racketes Anwalt kündigte eine Verleumdungsklage gegen den Minister an. "Er ist es, der die Wellen des Hasses bewegt", sagte Alessandro Gamberini Radio Cusano Campus mit Blick auf Salvini. Es sei zwar schwer, mit einer Verleumdungsklage diesem Hass entgegenzutreten, aber es gehe darum, ein Zeichen zu setzen. Rackete muss sich in Italien dem Vorwurf der Beihilfe zur illegalen Migration stellen. Am Dienstag steht eine Vernehmung an.