Kritik von Parteikollegen und Koalitionspartner

Schwuler Bundeskanzler in Deutschland? Friedrich Merz irritiert mit Aussage zur Sexualität

Friedrich Merz, CDU, Kandidat fuer das Amt des CDU Parteivorsitzes. Berlin 16.09.2020 Berlin Deutschland *** Friedrich
© imago images/photothek, Thomas Imo/photothek.net via www.imago-images.de, www.imago-images.de

21. September 2020 - 18:36 Uhr

Friedrich Merz gerät mit Aussage über Homosexualität in die Kritik

In einem Interview mit BILD wird Friedrich Merz nach seiner Haltung zu einem schwulen Bundeskanzler befragt. Der Kandidat für den CDU-Parteivorsitz sagt zwar, er habe damit kein Problem. Trotzdem hagelt es Kritik für seine Aussage.

Kritik an Merz von Spahn und Kühnert

Ein schwuler Bundeskanzler? Für Friedrich Merz sei das "überhaupt kein Thema". Und trotzdem sorgt der Anwärter auf den CDU-Spitzenposten mit seiner Aussage für Kritik. Denn Merz erklärt in einem Interview mit BILD dazu vorher: "Das geht die Öffentlichkeit nichts an. So lange sich das im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft" - an der Stelle sei für Merz eine absolute Grenze erreicht.

SPD-Vize Kevin Kühnert, der sich in der Vergangenheit über seine eigene Homosexualität geäußert hatte, kritisiert die Aussage von Merz: "So laviert jemand, der nicht kaschieren kann, dass er mit der Normalisierung des Umgangs mit Homosexualität eigentlich nichts anfangen kann." Für Kühnert sei es kein Zufall, wenn das Stichwort Pädophilie in Zusammenhang mit Homosexualität fallen würde. Ähnliches kritisiert auch Merz' Parteikollege und Gesundheitsminister Jens Spahn, der in einer Pressekonferenz auf die Antwort von Merz angesprochen wurde. Wenn die erste Assoziation bei Homosexualität Gesetzesfragen oder Pädophilie seien, müssten sich die Fragen eher an Friedrich Merz richten.

Merz' Sprecher Armin Peter sprang dem 64-Jährigen zur Seite. Er trat einem Twitter-Kommentar entgegen, der in den Äußerungen eine Gleichsetzung von schwul und pädophil sah. "Diese Behauptung ist bösartig und schlicht falsch", schrieb Peter auf Twitter. "Friedrich Merz hat gesagt: 'Die sexuelle Orientierung geht die Öffentlichkeit nichts an, solange sie sich im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft'. Das gilt also für Heteros, Homos und alle anderen." Auch Merz hat sich mit einem Tweet noch einmal dazu geäußert: "Ich bewerte weder in meinem Arbeitsumfeld noch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis irgendjemanden anhand seiner sexuellen Orientierung. Das ist Privatangelegenheit. In einer liberalen Gesellschaft gibt es unterschiedliche Lebensentwürfe."

Auch in der Vergangenheit irritierte Merz

Aus Sicht von Kevin Kühnert offenbare Merz mit dieser Antwort einmal mehr eine rückständige Sicht auf Homosexualität: "Auch seine "Rechtfertigung" bestätigt nochmal: Merz hält Homosexualität für einen Lebensentwurf. Wir haben unsere Sexualität aber nicht entworfen. Punk kann man werden. Schwul ist man.", antwortet SPD-Vize Kühnert auf Twitter.

Bereits in der Vergangenheit hatte eine ähnliche Äußerung von Merz für Unmut gesorgt. Angesprochen auf das Coming-out des SPD-Politikers Klaus Wowereit im Wahlkampf für das Berliner Bürgermeisteramt 2001 sagte Merz in einem Interview. "Solange der Wowereit sich mir nicht nähert, ist mir das egal." Im selben Jahr hatte Merz kritisiert, dass Wowereit sein Outing "mit zu großer Aggressivität" betrieben hätte. Dies schade dem im Grundgesetz verankerten Familienbild. Im vergangenen Juli hat sich Merz von seinen früheren Aussagen über Wowereit distanziert. "Das war damals eine humorvoll gemeinte Bemerkung, die ich heute nicht mehr machen würde", sagte Merz damals dem Magazin Focus.