Wegen Corona-Krise

Schwieriger Start ins Ausbildungsjahr 2020

03. August 2020 - 8:24 Uhr

Berufsorientierung ohne Kompass

Es ist ein holpriger Start in ein ganz besonderes Ausbildungsjahr. Die Corona-Krise hat bei Azubis und Betrieben für viele Probleme gesorgt. Es ist nicht nur die wirtschaftliche Lage in Deutschland, auch die Berufsorientierung ist deutlich schwieriger geworden: Ausbildungsmessen und andere Veranstaltungen fielen aus, Bewerbungen finden per Videochat statt.

Weniger Austausch zwischen Betrieben und Auszubildenden

"Der Ausbildungsmarkt ist in schwerem Fahrwasser und das macht uns im Moment schon Sorgen", sagt Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer. Das Handwerk sei in der Vermittlung sechs bis acht Wochen hinterher. Von Januar bis Juni seien 16,6 Prozent seien weniger neue Ausbildungsverträge abgeschlossen worden als im Vorjahreszeitraum.

Das Problem in den vergangenen Wochen und Monaten sei gewesen, dass es keinen Austausch zwischen Betrieben und Jugendlichen gegeben und auf den üblichen Wegen keine Berufsorientierung stattgefunden habe. "Weil jeder von den Problemen der Betriebe spricht, sind die potenziellen Ausbildungsbewerber sehr zurückhaltend und verunsichert und fragen sich natürlich: Gibt es die Betriebe in drei Jahren noch?", so Wollseifer

Die Folgen der Corona-Krise belasten viele Betriebe, Umsätze und Gewinne sind eingebrochen. Die DGB-Bundesjugendsekretärin Manuela Conte warnte aber: "Auf die Corona-Krise darf keine Fachkräftekrise folgen. Wird jetzt an der Ausbildung gespart, hören wir spätestens nach Corona die Klagen über den Fachkräftemangel. Die Unternehmen müssen alles tun, um bestehende Ausbildungen fortzuführen und neue Ausbildungsplätze zu schaffen."

Im Juli waren nach aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit noch 201.000 Ausbildungsstellen unbesetzt. 495.000 betriebliche Ausbildungsstellen waren gemeldet - 43.000 weniger als vor einem Jahr. Auffällig zurückgegangen seien im Vergleich zum Vorjahr vor allem gemeldete betriebliche Ausbildungsstellen in Metall- und Elektroberufen, im Friseurhandwerk, in Gastronomie- und Hotellerieberufen sowie in Informatik- und kaufmännischen Berufen.

Prämie vom Staat für Ausbildungsbetriebe

Die Bundesregierung hat finanzielle Anreize gesetzt. Betriebe, die in der Krise weiter ausbilden oder die Zahl der Lehrstellen sogar erhöhen, bekommen eine Prämie. Es solle verhindert werden, dass es einen "Corona-Jahrgang" am Ausbildungsmarkt gibt, sagte Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD). "Das Signal an die kleinen und mittelständischen Unternehmen ist: Bildet aus - trotz Corona!"

Betriebe, die - obwohl sie die Corona-Krise stark getroffen hat - ihr Ausbildungsniveau halten bzw. erhöhen, erhalten eine Ausbildungsprämien in Höhe von 2.000 bzw. 3.000 Euro. Außerdem erhalten Ausbildungsbetriebe Zuschüsse zur Ausbildungsvergütung, wenn sie Auszubildende und Ausbilder nicht mit in Kurzarbeit schicken. Betriebe, die Auszubildende von insolventen Betrieben übernehmen, erhalten zudem eine Übernahmeprämien.

Auch wenn das neue Ausbildungsjahr in den meisten Ländern offiziell am 1. August gestartet ist, sei damit der Zug für eine Ausbildung noch nicht abgefahren, sagt Handwerkspräsident Wollseifer. "Ein Einstieg ist auch später noch möglich: Eine Ausbildung kann auch am 1. September, 1. Oktober oder sogar noch am 1. November gestartet werden."


Quelle: DPA / RTL.de