Schwesig: Auch Unverheiratete sollen Geld für künstliche Befruchtung bekommen

© dpa, Soeren Stache

22. Juni 2015 - 17:47 Uhr

"Total an der Lebenswirklichkeit vorbei"

Die Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig will die staatliche Förderung für künstliche Befruchtung ausweiten. Auch Paare, die ohne Trauschein zusammenleben, sollen nach dem Willen der Ministerin bald finanziell entlastet werden, wenn sie ungewollt kinderlos bleiben, sagte Schwesig der 'Bild am Sonntag'. Sie habe vor, "die finanzielle Unterstützung für Kinderwunschbehandlungen auf nicht verheiratete Paare auszudehnen, die schon länger zusammenleben".

Eine künstliche Befruchtung ist teuer - bisher erstatten Krankenkassen nur Ehepaaren, die eine künstliche Befruchtung durchführen lassen, einen Teil der des Geldes. Wer nicht verheiratet ist, muss für die kostspielige Behandlung selbst aufkommen. Diese Praxis ginge "total an der Lebenswirklichkeit vorbei", sagte die SPD-Politikerin der Zeitung, auch Unverheiratete wollten Kinder bekommen. Sie erklärte, dass sie nicht verstehen könne, "warum wir es Paaren so schwer machen, die sich nichts sehnlicher als ein Kind wünschen".

Markus Weinberg, der familienpolitische Sprecher der Unionsfraktion, äußerte sich kritisch zu dem Vorstoß Schwesigs. Der CDU-Politiker betrachte eine möglichst stabile Beziehung als Voraussetzung für die Bezuschussung einer künstlichen Befruchtung, schrieb die 'Süddeutsche Zeitung'. Seiner Meinung nach regele nur die Eheschließung in ausreichendem Maße gesetzliche Unterhaltsansprüche, Sicherheit und Verantwortungsübernahme. Davon profitiere auch ein Kind.

Jeder Vierte ohne Kinder zwischen 20 und 50 hätte gern welche

In Deutschland sind nach Angaben der 'Zeit' über sechs Millionen Menschen ungewollt kinderlos. Auch die 'Bild am Sonntag' zitierte eine bisher noch unveröffentlichte Studie, die das 'Delta-Institut für Sozial- und Ökonomieforschung' im Auftrag des Bundesfamilienministeriums durchgeführt haben soll. Demnach seien ein Viertel der Deutschen zwischen 20 und 50 Jahren ohne Kinder nicht freiwillig kinderlos. Nur 13 Prozent der Altersgruppe wolle prinzipiell keine Kinder bekommen.

Besonders unverheiratete Paare können sich offenbar ihren Wunsch nach Nachwuchs häufig nicht erfüllen. 38 Prozent der unverheiratet zusammenlebenden wünsche sich ein Kind, bei den kinderlosen Ehepaaren sind das gerade mal 19 Prozent. Zudem würden viele die Familienplanung immer weiter hinauszögern und immer später Eltern werden. Zwischen 20 und 29 Jahren sind nur 20 Prozent der Deutschen Eltern.

Schwesig mahnte nicht nur die Gleichberechtigung unverheirateter Paare an, sie machte auch die Beschäftigungsverhältnisse vieler Unternehmen für die niedrigen Geburtenraten in Deutschland mitverantwortlich. Grundlos befristete Verträge und unsichere Stellen sind laut der Ministerin nicht familienfreundlich. "Befristete Arbeitsverträge wirken stärker auf die Geburtenrate als die Pille", erklärte sie. Auch hier sieht Schwesig Handlungsbedarf und regte an, dass Unternehmen sich für "Familienzeiten" stark machen sollten.