Schweres Erdbeben in Grenzregion zwischen Iran und Irak: Rund 450 Tote und 7.000 Verletzte

12. November 2017 - 21:34 Uhr

Das Erdeben im Kurdengebiet hatte eine Stärke von 7,3

Furchtbare Katastrophe in der kurdischen Grenzregion zwischen dem Iran und dem Irak, und die Opferzahlen steigen immer noch weiter. Bei dem schweren Erdbeben sind iranischen Medien zufolge über 445 bis 450 Menschen ums Leben gekommen, über 7.000 wurden verletzt. Allerdings werden noch weitere Opfer befürchtet. Im Irak wurden bisher acht Todesopfer gezählt. Das Erdbeben der Stärke 7,3 hatte die südlichen Kurdengebiete erschüttert.

"Es fühlte sich an wie das Ende der Zeit"

Eine kurdische Großfamilie aus Sare Pole Sahab traf es besonders hart. In der westiranische Grenzstadt feierte die Familie gerade eine Kinderparty als die Erde plötzlich bebte. 34 Menschen wurden innerhalb von Sekunden unter den Trümmern des einstürzenden Hauses begraben und tot. "Es fühlte sich an wie das Ende der Zeit und wollte nicht aufhören", sagt einer der wenigen Gäste, die nur leicht verletzt wurden.

In der Stadt herrschte nach dem Beben vor allem Wut auf die Regierung von Ex-Präsident Mahmud Ahmadinedschad. Er hatte in Sare Pole Sahab mehrere Fünfstöckige Wohnkomplexe unter dem Namen 'Haus der Nächstenliebe' bauen lassen. Auch die hielten dem Beben nicht stand. "Ahmadinedschads Haus der Nächstenliebe wurde zum Massengrab", sagt ein kurdischer Landwirt wütend.

Türkei bietet den Nachbarn Hilfe an

HANDOUT - Dieses von der Tasnim News Agency zur Verfügung gestellte Foto zeigt am 13.11.2017 in Sarpol-E-Zahab (Iran) Familienangehörige, die vor der Leiche eines Opfers des Erdbebens trauern. Nach dem schweren Erdbeben in den südlichen Kurdengebiete
Trauer und Entsetzen im Katastrophengebiet.
© dpa, Farzad Menati, VS wal pat

Laut dem Geoforschungszentrum Potsdam lag das Zentrum des Bebens in etwa 34 Kilometern Tiefe in der westiranischen Provinz Kermanschah. Rettungskräfte konnten erst acht Stunden nach dem Beben ihre Bergungsarbeiten richtig beginnen. Sie mussten warten, bis es in den Erdbebengebieten wieder hell wurde. Danach stiegen die Opferzahlen fast im Minutentakt. Bis Montagmittag gab es zudem 135 Nachbeben. Nach Angaben der größten türkischen Hilfsorganisation 'Türkischer Roter Halbmond' waren besonders die drei Grenzstädte Sare Pole Sahab, Ghassre Schirin und Asgal von dem Beben betroffen. Die meisten Toten wurden in diesen drei Städten gezählt. In der Provinzhauptstadt Kermanschah gab es weniger Tote und Schäden, aber trotzdem verbrachten zahlreiche Menschen die Nacht aus Angst vor weiteren Beben außerhalb im Freien.

Die Krankenhäuser in Kermanschah, wo die meisten Verletzten behandelt werden, sind laut Augenzeugen total überfordert. Das Gesundheitsministerium in Teheran hat daher mehrere Ärzte in die Region entsandt, um in mobilen Kliniken in den Grenzstädten den Menschen zu helfen. Die Schwerverletzten werden nach Teheran geschickt.

In der gesamten Kermanschah-Provinz wurden die Schulen und Universitäten geschlossen. Alle Behörden sollen in erster Linie den Bebenopfern helfen. Präsident Hassan Ruhani versprach den von dem Beben betroffenen Menschen jede mögliche Hilfe. Auf irakischer Seite hielt sich die Opferzahl nach dem Erdbeben vergleichsweise in Grenzen.

Region ist bei Kurden beliebtes Urlaubsgebiet

HANDOUT - Dieses von der Tasnim News Agency zur Verfügung gestellte Foto zeigt am 13.11.2017 in Sarpol-E-Zahab (Iran) Bewohner, die ihre Habseligkeiten tragen. Nach dem schweren Erdbeben in den südlichen Kurdengebieten in der Grenzregion zwischen dem
Bewohner bergen nach dem schweren Erdbeben ihre Habseligkeiten tragen.
© dpa, Farzad Menati, VS wal pat

Aus der Türkei startete der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge eine Militärmaschine mit Hilfsgütern und einem Rettungsteam in Richtung der irakischen Kurdengebiete. Es würden auch 5.000 Zelte und 7.000 Decken geliefert. In der betroffenen Region kann es in der Nacht zu Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt kommen. 

Die bergige Region um Sulaimanija im Südosten der Region Kurdistan ist bei der vornehmlich kurdischen Bevölkerung ein beliebtes Urlaubsgebiet. Sulaimanija gilt mit seiner mehr als halben Million Einwohner als kulturelles Zentrum und ist nach Erbil die wichtigste Stadt in der kurdischen Autonomieregion im Nordirak. Auch hat sich der Ort als vergleichsweise liberale Universitätsstadt einen Namen gemacht.

Die Grenzstadt Halabdscha nur wenige Kilometer vom Epizentrum entfernt wurde dem gegenüber zum Symbol der kurdischen Unterdrückung unter Diktator Saddam Hussein: Der Giftgasangriff auf die Stadt 1988 hat sich in das kollektive Gedächtnis der Kurden eingebrannt.