Schweres Erdbeben erschüttert Taiwan

07. Februar 2016 - 11:56 Uhr

Die Menschen wurden im Schlaf von dem Unglück überrascht

Im Süden von Taiwan hat es ein schweres Erdbeben gegeben. Dabei kamen mindestens 26 Menschen ums Leben, rund 500 Verletze wurden bislang geborgen. 100 von ihnen liegen immer noch in Krankenhäusern. Zahlreiche Opfer könnten aber noch unter den Trümmern eingestürzter Häuser verschüttet liegen. Rettungskräfte suchen weiter nach Toten und Verletzten. Etwa 120 Personen gelten noch als vermisst. Die Zahl der Toten stieg fast stündlich

Eingestürztes Wohnhaus in Tainan
In Tainan stürzte durch das Erdbeben ein 16-stöckiges Wohngebäude ein.
© REUTERS, XINHUA

Die Erdstöße erreichten die Stärke 6,4 und überraschten die Menschen am frühen Morgen um kurz vor vier Uhr Ortszeit im Schlaf. In der Zwei-Millionen-Metropole Tainan blieben die meist kleineren Häuser unbeschädigt, doch wurden mehrere höhere Häuser schwer beschädigt oder stürzten ein. Ein 16-stöckiges Wohngebäude kippte komplett auf die Seite. Die Behörden wollen untersuchen, ob es Probleme in der Baustruktur gab.

Innenminister Chen Wei-zen kündigte umgehend eine Untersuchung an, um die Verantwortung für den Einsturz zu klären. Bewohner fanden in den Trümmern von Stützpfeilern auch Dosen für Speiseöl, die offenbar beim Bau in den Beton gemischt worden waren, wie die taiwanesische Nachrichtenagentur 'CNA' berichtete. Das warf erst recht Sicherheitsfragen auf. Die Baufirmen existieren aber nicht mehr, so dass zuerst über den Architekten ermittelt werden muss. Erstaunlich schien trotz allem, dass so viele Bewohner in dem hohen Gebäude überlebten, obwohl es seitlich umstürzte.

In dem Hochhaus waren 256 Menschen behördlich gemeldet. Bisher wurden 22 Tote in dem Gebäude gefunden. Unter ihnen ist ein Säugling, eine 40-jährige Frau und ein gleichaltriger Mann. Über 120 Menschen waren bis zum Morgen lebend aus dem Haus geborgen worden. Viele hatten das Glück, dass es trotz des Einsturzes und der Zerstörung doch noch Hohlräume gab, wo sie ausharren konnten. Die meisten Verschütteten werden aber in den zerstörten unteren Stockwerken vermutet, zu denen sich die Rettungskräfte nur schwer Zugang verschaffen konnten. Die Helfer mussten teils schweres Gerät einsetzen und Wände mit Trägern stützen.

"Es war schrecklich", sagt die 46-jährige Carol Chen über das Erdbeben. "Ich hatte solche Angst, dass ich sofort aus dem Bett gesprungen bin." Sie lief aus dem Haus auf die Straße, wo sich auch verängstigte Nachbarn sammelten. Frau Chen lebt nicht weit von dem umgekippten Haus.

Mit Einbruch der Dunkelheit gestalteten sich die Bergungsarbeiten schwieriger. Auch wurde es empfindlich kalt für Taiwan, das sonst eher wärmere Temperaturen gewohnt ist. 1.200 Feuerwehrleute und Rettungskräfte waren mit Baggern, 23 Suchhunden und Spürgeräten im Einsatz, um Verschüttete zu finden und zu bergen. Die Suche werde auch in der Nacht fortgesetzt, versicherte der Bürgermeister von Tainan, Lai Ching-te. Das Militär baute an vier Orten der Stadt Lager mit 1.200 Betten für Obdachlose auf.

An einem anderen Ort in Tainan wurde eine 56-jährige Frau von einem herabfallenden Wassertank erschlagen, wie ein Mitarbeiter des Notfallzentrums berichtete. Eine großangelegte Bergungsaktion ist angelaufen. Feuerwehr und Rettungskräfte waren zum Teil mit schwerem Gerät im Einsatz, um Verschütteten zu helfen. Es gab auch Unterbrechungen der Strom- und Wasserversorgung in der dicht besiedelten Gegend. Allein in der südlich von Tainan gelegenen Stadt Kaohsiung leben 2,8 Millionen Menschen. Das Epizentrum des Erdbebens lag in Meinong nahe der Hafenstadt Kaohsiung. Das Beben war auf der ganzen Insel zu spüren.

Die Erdstöße geschahen nur einen Tag vor dem traditionellen chinesischen Neujahrsfest. Sie weckten schlimme Erinnerungen an das Beben von 1999, als 2.400 Menschen ums Leben kamen. Damals wurde eine Stärke von 7,3 erreicht. Die Hochgeschwindigkeitsbahn wurde im Süden streckenweise gestoppt, um die Schienen auf Schäden zu untersuchen. Die Betreiber der Bahn rieten vorerst von Fahrten in den Süden ab, was die Reisewelle über die Ferientage zum größten chinesischen Familienfest behindern dürfte. Die normale Eisenbahn lief aber weiter, wenn auch mit verlangsamter Fahrt.