"Schwerer Terroranschlag" verhindert: Festgenommener Syrer muss in Untersuchungshaft

01. November 2017 - 15:31 Uhr

Terrorverdächtiger Syrer radikalisierte sich in Deutschland

Der in Schwerin unter Terrorverdacht festgenommene Syrer muss vorerst in Untersuchungshaft. Der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe erließ Haftbefehl gegen den 19-Jährigen. Der junge Mann ist nach RTL-Informationen 2015 als Flüchtling nach Deutschland eingereist. Anfang 2016 stellte er einen Asylantrag und bekam eine befristete Aufenthaltserlaubnis. Nach bisherigem Stand der Erkenntnisse radikalisierte er sich aber erst, als er schon in Deutschland lebte.

In Schwerin festgenommener Syrer hatte Kontakt zu "Soldat des Kalifats"

Der Verdächtige hatte nach Angaben der Bundesanwaltschaft über das Internet Kontakt zu einer Person, die sich selbst als "Soldat des Kalifats", bezeichnete - also als Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat. Dem 19-Jährigen wird vorgeworfen, einen Sprengstoffanschlag in Deutschland geplant und bereits konkret vorbereitet zu haben. 

Die Festnahme des mutmaßlichen Islamisten ist offenbar langfristig vorbereitet worden. Bei dem Anti-Terror-Einsatz seien zeitgleich drei Wohnungen in einer Plattenbau-Siedlung im Schweriner Stadtteil Neu Zippendorf durchsucht worden, wie ein Polizeisprecher sagte. Demnach befanden sich die Wohnungen in unmittelbarer Nähe zueinander. In den drei Wohnungen hielten sich nach Angaben des Polizeisprechers mehrere Personen auf. Auch in Hamburg wurden Wohnungen durchsucht. Weitere Menschen seien aber nicht festgenommen worden.

Yamen A. wollte möglichst viele Menschen in Deutschland töten

Ein Polizist sichert im Plattenbauviertel Neu Zippendorf in Schwerin auf dem Balkon der Wohnung eines Tatverdächtigen einen Stapel mit Papieren
Ein Polizist sichert im Plattenbauviertel Neu Zippendorf in Schwerin auf dem Balkon der Wohnung eines Tatverdächtigen einen Stapel mit Papieren.
© dpa, Jens Büttner, jbu sab

Bei dem Festgenommenen handelt es sich um den 19-jährigen Yamen A. Nach bisherigen Erkenntnissen fasste er spätestens im Juli 2017 den Entschluss, in Deutschland einen Sprengsatz zu zünden, um eine möglichst große Anzahl von Personen zu töten und zu verletzen. Er hatte sich bereits elektronische Bauteile und Chemikalien beschafft - darunter über einen Internetversandhändler Schwefelsäure- und Wasserstoffperoxid enthaltende Oxidatorlösungen. Beide Chemikalien sind neben Aceton Bestandteile des hochexplosiven Sprengstoffs TATP. Dieser sollte offenbar als Initialsprengstoff für eine größere Sprengladung dienen. Es seien auch Bauteile für eine Fernzündung gefunden worden.

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Verdacht der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) gibt am 31.10.2017 in Lutherstadt Wittenberg (Sachsen-Anhalt) am Rande des Festakts des 500. Jahrestag des Beginns der Reformation ein Statement zur Festnahme eines Syrers in Schwerin. Ein Syrer ist in Sch
Alle Beteiligten hätten "hervorragende Arbeit" geleistet, lobte der Innenminister Thomas de Maiziere..
© dpa, Hendrik Schmidt, hsc sab

Gegen Yamen A. werde zunächst nicht wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung ermittelt, sondern wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat, hieß es von der Bundesanwaltschaft. Denn es ist noch nicht bekannt, um wen genau es sich bei dem Internetkontakt handelt. "Wir wissen aber nicht, wer diese Person ist, und wir wissen nicht, ob er ihn (den Festgenommenen) in seinen Plänen bestärkt hat". Derzeit gebe es keine belastbaren Anhaltspunkte dafür, dass weitere Personen an der Anschlagsvorbereitung beteiligt waren.

Ob der Beschuldigte bereits ein konkretes Ziel für seinen Sprengstoffanschlag ins Auge gefasst hatte, ist derzeit noch unklar. Bundesinnenminister Thomas de Maizière lobte die Arbeit der Sicherheitsbehörden: "Nach allem was wir wissen, erfolgte der Zugriff zum richtigen Zeitpunkt: spät genug, um Beweise zu sichern und gleichzeitig früh genug, um die Gefahr zuverlässig zu bannen", so de Maizière.

Terrorziel Deutschland: Gefährdungslage unverändert hoch

ARCHIV - Ein Polizist arbeitet am 25.07.2016 in Ansbach (Bayern) am Tatort an dem zuvor ein 27-Jähriger einen Sprengsatz zur Explosion gebracht hatte. Bei einem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag sind am 24.07.2016 bei einer Explosion insge
Ein Polizist arbeitet am 25.07.2016 in Ansbach am Tatort, an dem zuvor ein 27-Jähriger einen Sprengsatz zur Explosion gebracht hatte.
© dpa, Daniel Karmann, dka fpt

De Maiziere stellte aber auch klar, dass die Gefährdungslage in Deutschland unverändert hoch sei. Angesichts der anhaltenden Bedrohung Europas durch islamistischen Terrorismus arbeiteten die Sicherheitsbehörden in Bund und Ländern, national und international eng und gut zusammen und handelten "wenn nötig entschlossen und konsequent", so der Minister. 

In Deutschland hat es bereits wiederholt Festnahmen von Verdächtigen gegeben, die aus islamistischen Motiven einen Anschlag vorbereitet haben sollen. Den schwersten islamistischen Anschlag in Deutschland gab es am 19. Dezember 2016 in Berlin. Der Tunesier Anis Amri raste mit einem Lastwagen in einen Weihnachtsmarkt und tötete insgesamt zwölf Menschen. Sprengstoff kam zum Einsatz, als sich im Juli 2016 im bayerischen Ansbach ein 27-jähriger syrischer Flüchtling auf einem Platz vor einem Musikfestival in die Luft sprengte. Der Attentäter starb, 15 Menschen wurden verletzt.