Spricht jetzt doch viel für Ferrari?

Schwerer Crash versaut Hamilton das Training - Ferrari plötzlich obenauf

8. Juni 2019 - 0:18 Uhr

Hamilton zerstört seinen Mercedes

Wendet sich das Blatt zugunsten von Ferrari? Nach einer Klatsche im ersten Freien Training zum Grand Prix von Kanada haben sich Charles Leclerc und Sebastian Vettel in Durchgang zwei an die Spitze gesetzt. Und nicht nur das: Früh in der Session auf der Ile Notre-Dame in Montreal krachte Lewis Hamilton mit der rechten Hinterpartie seines Wunderautos in die Betonmauer von Kurve neun. Der Unfehlbare macht doch Fehler.

Hamilton zerlegt sein Auto

Als Hamilton und Valtteri Bottas im ersten Training alles in Grund und Boden fuhren, war die Hoffnung auf einen spannenden siebten WM-Lauf bei manch einem schon dahin. Doch in dem Maße wie Tagessieger Leclerc und sein Verfolger Vettel (Platz 2/+0,074) zulegten, zeigte Mercedes in der zweiten Übungseinheit erste Schwächen.

Erst 27 Minuten waren absolviert, als Hamilton in der schnellen Kurve neun zu schnell fuhr, auf die Curbs geriet und hinten rechts mit seinem Mercedes in die unbarmherzige Streckenbegrenzung aus Beton krachte. Beim Einschlag brach die Hinterradaufhängung, das rechte Hinterrad wurde zum Teil zerfetzt.

Mercedes muss komplette Heckpartie wechseln

Mit viel Glück schleppte der unverletzte WM-Titelverteidiger den in diesem Jahr so unzerstörbar wirkenden W10 in die Box. Dort stellte seine Crew fest: Unterboden und Heckpartie sind hin! Die restliche Trainingseinheit verbrachten die silbernen Mechaniker damit, das Hinterteil des Hamilton-Mercedes komplett auszutauschen, "sicherheitshalber inklusive Getriebe", wie das Über-Team der Formel 1 schrieb.

Den Crash bezeichnete Mercedes in den sozialen Medien als einen für Hamilton "uncharakteristischen Fahrfehler". Und der könnte den WM-Leader teuer zu stehen kommen.

Vettel: "Meine Reifen schmelzen"

Hamilton verpasste es nicht nur, wertvolle Testkilometer mit den Softreifen zu sammeln (schlecht fürs Qualifying), sondern kam auch überhaupt nicht dazu, sein Auto unter Longrun-, sprich Rennbedingungen (schlecht fürs Rennen) zu testen.

Letzteres erweist sich auf der Ile Notre-Dame als besonders tückisch, denn nahezu alle Fahrer klagten über überhitzte Reifen. So funkte Vettel nach acht Runden auf den Softpneus, dass "meine Reifen schmelzen", Leclercs Mediumreifen hielten zwar länger, verhalfen aber kaum zu schnellen Rundenzeiten.

Hat sich Ferrari bei der Reifenwahl verzockt?

Mercedes könnte in dieser Hinsicht dann doch wieder die Trümpfe in der Hand halten, denn der drittplatzierte Bottas (+0,134) bewies, dass auf den Longruns der harte Reifen der Beste ist. Ferraris Problem: Von den weißen Reifen hat die Scuderia anders als Mercedes nur einen einzigen Reifensatz dabei.

So spricht nach Tag eins in Montreal einiges dafür, dass Ferrari konkurrenzfähig sein könnte – aber doch nicht alles.

Und Max Verstappen?

Der fliegende Holländer küsste in seiner auffälligsten Szene gegen Mitte der Session die mit Plastik abgesicherte 'Wall of Champions'. Auf den Longruns blieb der Red-Bull-Pilot einige Zehntel hinter Ferrari zurück, auf einer schnellen Runde fehlte mehr: Verstappen wurde mit 1,2 Sekunden Rückstand nur 13., Teamkollege Pierre Gasly lag knapp davor auf Platz 12.

Ganz weit vorne fanden sich deshalb ungewohnte Namen wie der des Spaniers Carlos Sainz (4./+0,376) im McLaren oder der des Dänen Kevin Magnussen (5./+0,758) im Haas. Hinter Hamilton (6./+0,761) komplettierten Sergio Perez im Racing Point (+0,826), die Renault-Piloten Daniel Ricciardo (+0,839) und Nico Hülkenberg (+0,991) sowie Lance Stroll im zweiten Racing Point (+0,994) die Top Ten.

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Die Ergebnisse vom Kanada-GP in Montreal

Der Stand im WM-Klassement​