Schwere Vorwürfe: Polizei half indischem Vergewaltigungsopfer lange nicht

Proteste gegen Gruppenvergewaltigung in Indien.
© dpa, Divyakant Solanki

06. Januar 2013 - 19:58 Uhr

Zeuge erhebt schwere Vorwürfe

Nach der Gruppenvergewaltigung einer indischen Studentin werden schwere Vorwürfe gegen die Polizei laut. Der ebenfalls attackierte Freund sagte, der schwer verletzten, nackten 23-Jährigen sei fast eine Stunde lang niemand zu Hilfe gekommen.

Die Frau habe stark geblutet. "Autos, Autorikschas und Motorräder bremsten, aber rasten dann davon. Ich winkte um Hilfe. Diejenigen, die anhielten, starrten uns an und diskutierten, was passiert sein könnte. Aber niemand unternahm etwas, wir warteten 20 bis 25 Minuten auf Hilfe", sagte er.

Dann habe zwar jemand die Polizei alarmiert, nach Eintreffen der Beamten sei aber zu weiteren Verzögerungen gekommen, sagte der Mann. "Statt zu helfen, diskutierten sie über Zuständigkeitsbereiche. Wir baten die ganze Zeit um einen Krankenwagen und Kleider. Einer von ihnen zerriss ein Laken und gab es mir, um meine Freundin zu bedecken. Ich musste sie selber hochheben und in den Wagen tragen."

Die Polizisten seien wegen des Blutes wahrscheinlich um ihre Kleidung besorgt gewesen, sagte der 28-Jährige. Sie hätten ihn und seine Begleiterin dann nicht in eine nahe gelegene Klinik, sondern in ein weiter entferntes Regierungskrankenhaus im Stadtteil Safdarjung gebracht. Die Polizei teilte mit, das Krankenhaus in Safdarjung sei das nächste für gerichtsmedizinische Fälle gewesen.

Polizei weist Vorwürfe zurück

Die Polizei wies Vorwürfe verschleppter Hilfeleistung zurück. Der erste Streifenwagen habe die beiden Opfer sechs Minuten nach Eingang des Notrufs erreicht, teilte die Polizei. 34 Minuten nach dem Notruf hätten Polizisten mit den Opfern das Krankenhaus erreicht. Das belegten die GPS-Systeme der Streifenwagen. Es habe "keine Versäumnisse" der Polizei gegeben.

Die Physiotherapie-Studentin war Mitte Dezember in einem privaten Kleinbus in der Hauptstadt Neu-Delhi von mehreren Männern vergewaltigt, mit einer Eisenstange misshandelt und aus dem fahrenden Fahrzeug geworfen worden.

Polizeiangaben zufolge versuchte der Fahrer des Busses anschließend, die Frau zu überfahren. Zwei Wochen nach der Tat war die Frau ihren Verletzungen erlegen. Die Brutalität des Falles hat international für Entsetzen gesorgt und in Indien eine Debatte über schärfere Gesetze für Vergewaltiger ausgelöst. Fünf der sechs Beschuldigten sind des Mordes und der Gruppenvergewaltigung angeklagt.