Besitzer wollte Abschied nehmen und bekam seinen toten Hund zu sehen

Schwere Vorwürfe gegen Kölner Tierklinik: Hätte Baccios Leben gerettet werden können?

Der Labrador-Bordeaux-Doggen-Mix namens Baccio verstarb zwei Tage nach seinem ersten Schwächeanfall.
© RTL

18. März 2020 - 17:05 Uhr

Von Gizem Schumann

Von einem Tag auf den anderen bekommt der Labrador-Bordeaux-Doggen-Mix namens Baccio einen Schwächeanfall und kommt in die Tierklinik Kellerwessel in Köln. Dort muss der elfjährige Rüde über Nacht bleiben. Am nächsten Tag heißt es: Baccio muss eingeschläfert werden. Denn er habe eine stark inhomogene Milz, eine Operation würde sein Kreislauf nicht mitmachen. Doch bevor der Besitzer Abschied von seinem besten Freund nehmen kann, verstirbt er, weil der Besitzer von Baccio glaubt, die Mitarbeiter haben zu lange gebraucht, um herauszufinden, was der Vierbeiner hat. Jetzt erhebt sein Besitzer schwere Vorwürfe gegen die Klinik.

„Der Hund hat einen dicken Bauch und eine Milz, die inhomogen ist“

Taoufik N. will sich nicht mal vorstellen, was Baccio in seinen letzten Minuten gefühlt haben muss, während er in irgendeinem Raum des Kölner Tierklinikums lag – ganz allein und weit weg von seinem Besitzer und besten Freund. "Ich bin mir sicher, dass mein Hund sehr darunter gelitten hat, dass ich nicht bei ihm war!" Taoufik und seine Familie wollten ihren geliebten Hund sehen, um dann zu entscheiden, ob Baccio nun eingeschläfert werden soll oder nicht. Denn die Ärztin soll im Vorgespräch gesagt haben, dass der Rüde weder geh- noch stehfähig sei. Eine Anästhesie hätte er nicht verkraftet. "Der Hund quält sich, er hat keine Lebensqualität, der hat Schmerzen, hat einen dicken Bauch und eine Milz, die inhomogen ist", sagte die Chefärztin am Telefon, weil sie nicht vor Ort war, "Ich würde ihn in den Himmel schicken. Der Hund lag da so lange rum und das hat er nicht verdient!"

So lange lag Baccio dort rum, weil man dem Besitzer zuvor gesagt hatte, er solle nicht anrufen und nicht vorbeikommen, die Klinik würde sich bei ihm melden. "Die Mitarbeiter sagten zu mir: 'Wenn wir uns bis morgen um 17 Uhr nicht melden, dann können Sie davon ausgehen, dass es ihm wieder besser geht'", erzählt Taoufik. Die Klinik ließ sich anderthalb Tage Zeit, in der offenbar keine vernünftige Untersuchung an Baccio durchgeführt wurde. Die Ärzte hatten in dieser Zeit nicht alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen, um herauszufinden, was der Hund für ein Problem hat – obwohl er stationär aufgenommen wurde und der Besitzer darauf bestand, dass alles Nötige getan werden soll. Melden konnte sich die Klinik bei dem Hundebesitzer auch nicht, weil der Mitarbeiter laut Besitzer eine falsche Nummer notiert haben soll.

Baccio hatte innerhalb von kurzer Zeit radikal abgebaut

Seit der stationären Aufnahme hatte sich der Zustand des Hundes verschlechtert. Der Labrador-Bordeaux-Doggen-Mix bekam eine Infusion, die seinen Kreislauf fördern sollte, alle acht Stunden gab es ein Schmerzmittel und auch ein Antibiotikum. Ihm ging es nicht besser. "Das Einzige, was mir noch Kraft gibt, ist die Tatsache, dass ich meinen Hund sechs Stunden vor seinem Tod noch gesehen hatte." Anderthalb Tage nach der Aufnahme machte ein Arzt einen Ultraschall und bemerkte die Veränderung in der Milz. "Worum es bei den Veränderungen geht, kann man durch den Ultraschall nicht konkret bestimmen. Bei der Zubildung in der Milz könnte es sich um ein Abszess, ein bösartiger Tumor, Metastasen eines Tumors oder einfach um einen gutartigen Knoten handeln", erklärt Prof. Dr. Johannes Hirschberger von der Medizinischen Kleintierklinik in München, "Wenn dieser Tumor in die Bauchhöhle reingeblutet hat, dann kann es durchaus sein, dass er eben ganz schwach ist, dass er vielleicht auch mal einen Anfall bekommt, dann hätte er auch ganz weiße Schleimhäute", so der Onkologe. Baccios Schleimhäute waren tatsächlich ganz weiß, sein Bauch komplett aufgedunsen – der Hund hatte innerhalb kurzer Zeit radikal abgebaut.

Der elfjährige Rüde „Baccio“ war immer fit, bis er Mitte Februar plötzlich einen Schwächeanfall bekam.
Der elfjährige Rüde „Baccio“ war immer fit, bis er Mitte Februar plötzlich einen Schwächeanfall bekam.
© Gizem Schumann

Natürlich will kein Besitzer sein eigenes geliebtes Tier leiden sehen – so ist es auch bei Taoufik gewesen. Abschied zu nehmen ist schwer, aber es war wichtig für Taoufik: "Ich hätte ihm gerne gesagt, dass ich für ihn mehr getan hätte, dass ich für ihn da gewesen wäre und, dass ich ihm gerne ein besseres Ende gewünscht hätte."

„Ich habe sofort gesehen, dass mein Hund tot ist“

Wenige Stunden nach dem Ultraschall soll die Chefärztin am Telefon mitgeteilt haben, dass Baccio eingeschläfert werden müsse. Die Familie wollte sich daraufhin kurz beraten und dann Baccio sehen. Sie musste erneut über eine Stunde warten. Mittlerweile war Schichtwechsel. Der Arzt und die Helferin waren mit einem anderen Patienten beschäftigt. Taoufik und seine Familie machten Druck und warteten schon im Flur der Klinik. Der Arzt schwirrte hin und her und bat die Familie ständig um Geduld. Schließlich brachte er Baccio auf einem Schiebebett nach draußen. "Ich habe sofort gesehen, dass mein Hund tot ist. Ich habe diesen Glanz in seinen Augen nicht mehr gesehen!", erzählt der Hundebesitzer. Der Arzt tat in dem Moment überrascht und als würde er mit einem Stethoskop seine Lunge abhorchen wollen.

Baccio verstarb am 17. Februar 2020. Möge er in Frieden Ruhen.
Baccio verstarb am 17. Februar 2020. Möge er in Frieden Ruhen.
© Gizem Schumann

Keine Vorwarnung und keine vernünftige Erklärung für den Tod von Baccio: Zunächst hieß es, der Hund habe einen Anfall bekommen und sei in dem Moment verstorben. Dann habe Baccio den Anfall bekommen, als der Arzt ihm einen Venenkatheter für die Einschläferung anlegen wollte. Und das, obwohl Taoufik noch nicht gesagt hatte, dass er seinen treuen Freund einschläfern lassen will. Zuerst wollte er Baccio sehen. Doch dazu kam es nicht, denn sein geliebtes Tier war wenige Minuten zuvor nach elf gemeinsamen Jahren gestorben. "Wenn die früher bemerkt hätten, was er hat, dann hätten sie ihm auch viel früher helfen können", so der Vorwurf des verzweifelten Hundebesitzers.

Wie konnte es zu so einer Misere kommen?

Die Art, wie die Ärzte versuchten, sich rauszureden, ist nicht schön und nicht fair gewesen. Es hieß, der Hund hätte auch am Morgen oder schon in der Nacht sterben können. Das war aber nicht der Fall - im Gegenteil: Der Vierbeiner kämpfte um sein Leben. Wie er zum Schluss starb, ist weiter unklar. Fakt ist: Die Tierklinik nahm dem Besitzer die letzte Möglichkeit, sich von seinem Hund zu verabschieden. Während seiner letzten Atemzüge wartete Taoufik draußen, am selben Ort – nur wenige Meter entfernt.

Das Personal soll klar überfordert gewesen sein. Vielleicht kann der Arzt in dem Moment auch eine falsche Entscheidung getroffen haben und daraufhin offensichtlich falsch reagiert haben. Es ist selbstverständlich, dass eine Klinik, die rund um die Uhr geöffnet hat, nicht immer optimal besetzt ist. Dennoch sei nicht nur das Verhalten und die Art gegenüber dem Besitzer unmöglich gewesen, auch die Kommunikation intern und nach außen sei in der Tierklinik Kellerwessel mehrmals schiefgegangen. Auf RTL-Nachfrage mit sämtlichen Vorwürfen wollte sich die Klinik nicht äußern.

Wie erkenne ich eine gute Tierklinik?

Jeder Tierbesitzer sollte einen Tierarzt oder eine Tierärztin seines Vertrauens haben. Wenn das Haustier aber plötzlich erkrankt und man nicht die Öffnungszeiten einer Tierarztpraxis abwarten kann, muss man zu einer Tierklinik, die in der Regel jeden Tag 24 Stunden geöffnet hat. "Man sollte schon vorab mit dem Tierarzt oder der Tierärztin seines Vertrauens verabreden, was passiert denn, wenn ich einen Notfall habe mit meinem Tier, wo kann ich hingehen, wo glauben Sie, bin ich gut aufgehoben", sagt Prof. Dr. Martin Kramer, Präsident der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft. Das ist wichtig, da jederzeit ein Notfall entstehen könnte.

Vor Ort entsteht dann ein gutes Gefühl, wenn man freundlich empfangen wird und der Arzt genau zuhört, was wirklich los ist. Außerdem erkenne man einen guten Tierarzt daran, der sieht, wenn etwas sehr schwierig ist und den Patienten an einen Spezialisten weiterschickt. Ein guter Tierarzt stellt fest, was der Tierbesitzer möchte und handelt dementsprechend. Bei einem wirklich ernsten Fall, bei dem der Besitzer mit der Empfehlung nicht ganz zufrieden ist, kann er sich eine weitere Meinung einholen. "Nur eine zweite Meinung einzuholen, die wirklich fundiert ist, macht ja nur Sinn, wenn der zweite gefragte Tierarzt spezialisiert auf dem Gebiet ist und wenn er alle Unterlagen hat", so Prof. Dr. Kramer weiter.

Was passiert, wenn das geliebte Haustier stirbt?

Nur wenige machen sich darüber Gedanken, was mit dem geliebten Haustier passiert, wenn es stirbt. So weit wollen viele Besitzer verständlicherweise nicht denken. Dennoch ist es wichtig, die Optionen zu kennen. Wie Sie Ihren Hund, Ihre Katze oder ein anderes Haustier bestatten können, erfahren Sie hier.