Schwere Pannenserie des FBI: Todesstrafen durch falsche Analysen

32 Todesurteile verhängt

Jahrzehntelang sollen den amerikanischen Justizbehörden schwere Pannen unterlaufen sein. Falsche forensische Analysen führten seit den Siebzigern zur Verurteilung von möglicherweise Hunderten unschuldigen Angeklagten. Mindestens 32 Mal wurde infolge dessen die Todesstrafe verhängt.

FBI: Todesstrafen durch falsche Analysen
14 zum Tode Verurteilte starben nach der Urteilsverkündung - teils durch Vollstreckung der Strafe, teils eines natürlichen Todes im Gefängnis.
dpa bildfunk (Symbolbild)

Meist habe es sich um Mord- oder Vergewaltigungsfälle gehandelt, berichtet die 'Washington Post'. Die Zeitung spricht von einem der "größten forensischen Skandale" in den USA. Dem Bericht zufolge, der sich auf neuste Untersuchungen unter anderem von Anwälten bezieht, hätten mehr als 95 Prozent der bisher untersuchten 268 Fälle ergeben, dass Haaranalysen fehlerhaft gewesen seien. Die falschen Analysen hätten jeweils die Argumente der Anklage begünstigt, heißt es weiter.

Bei den betroffenen Verfahren habe es auch 32 Todesurteile gegeben, 14 Verurteilte seien seitdem entweder hingerichtet worden oder im Gefängnis gestorben. Unklar ist bislang, ob und gegebenenfalls wie viele Prozesse nun neu aufgerollt werden müssen.

Mögliche Berufungsverfahren werden geprüft

Die Zeitung weist darauf hin, dass es bei den betroffenen Verfahren neben den fehlerhaften forensischen Analysen möglicherweise auch andere Beweise zur Verurteilung beigetragen hätten. Angeklagte und Staatsanwaltschaft in zahlreichen Bundesstaaten seien aufgerufen worden, mögliche Berufungsverfahren zu prüfen. Vier Angeklagte seien bereits zuvor aus der Haft entlassen worden.

Der Verdacht fehlerhafter kriminaltechnischer Analysen besteht bereits seit Jahren. Im Jahr 2012 hatte die 'Washington Post' bereits mit einem entsprechenden Bericht Aufsehen erregt. Aber erst nach neuesten Untersuchungen hätten das Justizministerium und das FBI jetzt Fehler eingeräumt, so die Zeitung. Man habe jedoch nicht bewusst getäuscht, sondern auf die damals gängige Mikroskop-Technik vertraut, betont das FBI.

In den betroffenen Fällen hätten die kriminaltechnischen Experten des FBI an Tatorten gefundene Haaranalysen nach fehlerhaften Methoden den Angeklagten zugeordnet. Nach diesen Methoden könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass das Haar von verschiedenen Personen wie das Haar eines einzigen Menschen erscheine. Erst die Kombination mit genaueren DNA-Tests könne Gewissheit bringen.