Schwere Gefechte in Aleppo: Zehntausende harren an türkisch-syrischer Grenze aus

11. Februar 2016 - 11:13 Uhr

Die Flüchtlinge wurden mit Hilfsgütern versorgt

Zehntausende Flüchtlinge aus den umkämpften Gebieten nahe der nordsyrischen Stadt Aleppo warten noch immer auf Einlass an der geschlossenen türkischen Grenze. Berichten zufolge harrten bis zu 20.000 Menschen am Übergang Bab al Salam aus. In der grenznahen Stadt Asas hatten sich UN-Angaben zufolge bis zu 10.000 Syrer versammelt. Die Türkei hat mit 2,5 Millionen Menschen die meisten Menschen aus dem Bürgerkriegsland aufgenommen.

Syrische Flüchtlinge an der türkischen Grenze
Tausende syrische Flüchtlinge warten an der türkischen Grenze darauf, ins Land gelassen zu werden.
© dpa, Sedat Suna

Die humanitäre Lage schien jedoch zunächst unter Kontrolle: Lokalen Medien zufolge waren Hilfsgüter und auch Zelte an die Vertriebenen ausgegeben worden. Wann und ob die Flüchtlinge in die Türkei einreisen dürfen, blieb weiter unklar. Die Bewohner der Region um Aleppo hatten ihre Heimat wegen heftiger Gefechte beim Vormarsch von Regimetruppen verlassen.

Die Assad-Truppen hatten zuletzt mit Hilfe russischer Luftschläge die wichtigste Nachschubroute der Rebellen aus der Türkei gekappt und auch den von Rebellen gelegten Belagerungsring um zwei Dörfer der Regimeanhänger nach drei Jahren durchbrochen. Mit der Offensive der Regierungseinheiten läuft der von Rebellen gehaltene Teil Aleppos Gefahr, eingekesselt zu werden.

US-Außenminister John Kerry machte Syriens Machthaber Baschar al-Assad und Russland schwere Vorwürfe. Mit ihren Bombardements töteten sie Zivilisten "in großer Zahl", sagte Kerry in Washington. "Das muss aufhören", forderte er. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, die Regierungen, die für die Angriffe auf Aleppo verantwortlich seien, "scheinen ein Scheitern der Bemühungen um eine politische Lösung in Kauf zu nehmen". Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg warf Russland vor, den Konflikt mit seinen Bombardements gegen Rebellen anzuheizen. Frankreichs UN-Botschafter François Delattre verurteilte die Offensive des syrischen Regimes. "Man kann von der Opposition nicht erwarten, dass sie mit einer Pistole an der Schläfe verhandelt", sagte Delattre in New York.