Das sagt die Telekom zur Lage in Deutschland

Netze wegen Corona-Krise überlastet: Müssen die Schweizer bald Netflix & Co. abschalten?

Ein Mauszeiger ist auf einem Computerbildschirm neben dem Logo von "Netflix" zu sehen. Foto: Nicolas Armer/dpa/Archivbild
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19. März 2020 - 11:04 Uhr

Swisscom könnte Notbremse ziehen

Wegen der Corona-Krise sind die Telefon-, Mobil- und Datennetze in der Schweiz offenbar bereits so überlastet, dass der größte Anbieter Swisscom die Notbremse ziehen will: Es droht eine Abschaltung des beliebten Streamingdienstes Netflix. Gerade jetzt für viele Menschen ein Schock. Denn auch in der Schweiz wird über eine Ausgangssperre diskutiert, die Bevölkerung soll weitestgehend zu Hause bleiben, um die Verbreitung des Coronavirus zu verhindern. Ist bei uns in Deutschland das Internet sicher?

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Schweizer Netze bereits jetzt überlastet

Und was machen die Schweizer? Sie nehmen die Situation erstmal mit Humor: "Datenverbindung wird auch eingestellt, bis sicher ist dass die Viren nicht durch die Leitung kommen", schreibt etwa Rudolfo C. auf der Facebookseite von Swisscom.

Wie die "Neue Zürcher Zeitung" berichtet, kam es im Swisscom-Netz bei Anrufen über das Mobil- und Festnetz immer wieder zu Unterbrechungen. Der Grund dafür war laut Swisscom die extrem erhöhte Belastung der Infrastruktur. Es wurden dreimal mehr Anrufe über das Mobilfunknetz verzeichnet als an normalen Tagen. Auch im Festnetz sei das Volumen massiv gestiegen.

Zur Auslastung des Datennetzes sagte eine Sprecherin der Swisscom gegenüber der "Neuen Zürcher Zeitung": "Das Nutzungsverhalten der Kunden sei kaum vorhersehbar; eine punktuelle Überlast könne grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden." Und das bedeutet für die Kunden: "Sollten gravierende Engpässe entstehen, hat der Bund die Möglichkeit, nicht versorgungsrelevante Dienste einzuschränken oder zu blockieren." Im Klartext: Besonders datenintensive Dienste wie die Streamingplattform Netflix werden für das Land regelrecht abgeschaltet.

Telekom sieht keine Probleme im eigenen Netz

Die Telekommunikationsprovider in Deutschland sehen sich dagegen für eine deutlich höhere Auslastung der Kommunikations- und Datennetze in der Coronavirus-Krise gut gerüstet. "Aus jetziger Sicht wird die Zunahme von Homeoffice und Streamingdiensten zu keiner Situation führen, in der die Netzkapazitäten an ihre Grenzen geraten", sagte ein Sprecher der Deutschen Telekom. Bei der Auslagerung der Arbeit in ein Homeoffice bleibe die Datenmenge in etwa erhalten, sie werde nur verlagert. Allerdings könnten mehr Streaming und Online-Gaming das Datenvolumen in die Höhe treiben.

Ähnlich wie die Telekom registrierte auch Vodafone Deutschland "keine deutliche Steigerung des Datenverkehrs in den Netzen". "Wir gehen aber von einer erhöhten Nutzung in nächster Zeit aus", sagte Vodafone-Sprecher Volker Petendorf. Mehr Homeoffice und Schüler, die zu Hause bleiben, würden vor allem zu einer stärkeren Festnetznutzung führen. "Hier sehen wir uns gut gerüstet, insbesondere für die klassischen Anwendungen." Allerdings zeigen Nachbarländer, wie eine massive Gaming- und Streaming-Nutzung zusätzliche Last auf Netze bringen kann. "Spezielle Teams beobachten daher die Situation Tag und Nacht sehr genau und können zeitnah Maßnahmen auf den Weg bringen, um bei Bedarf gegenzusteuern."

Entwarnung also für deutsche Netflix-Fans. Dank der Google-Chrome-Erweiterung "Netflix Party" können sich Freunde in Corona-Zeiten sogar virtuell zusammenfinden und gemeinsam ihre Lieblingsserie ansehen. Wie das funktioniert, zeigen wir in dem Artikel zu "Netflix Party".

O2 hebt Mindest-Surf-Geschwindigkeit nach Datenverbrauch deutlich an

Telefónica Deutschland kündigte an, in den kommenden Wochen die kommunikative Grundversorgung aller O2-Privat- und -Geschäftskunden durch eine Lockerung der Drosselung sicherzustellen. Dafür werde die Surf-Geschwindigkeit nach Verbrauch des inkludierten Datenvolumens auf 384 Kbit/s angehoben. Die Aktion gilt zunächst bis Ende April - auch für die Kunden der Zweitmarke Blau.

Europäischen Provider appellieren wegen Corona-Krise an die Kunden

Zuvor hatte die spanische Konzernmutter Telefónica zusammen mit anderen europäischen Providern wie Movistar, Orange und Vodafone die Anwender vor einer Überlastung der Netze gewarnt und zu einem verantwortungsvollen Umgang mit den Netzkapazitäten aufgefordert. "Sowohl das Fest- als auch das Mobilfunknetz erlebten in den vergangenen Tagen eine Explosion des Netzverkehrs, die auf die Verbreitung der Viruserkrankung Covid-19 und den daraus abgeleiteten Maßnahmen und Empfehlungen zurückzuführen ist", heißt es in der Stellungnahme der Provider.

So habe der Verkehr über IP-Netze um fast 40 Prozent zugenommen, während die Mobilfunknutzung bei den Sprachdiensten um etwa 50 Prozent sowie rund 25 Prozent bei den Daten zugenommen hat. Auch der Verkehr von Instant-Messaging-Tools wie WhatsApp habe sich in den vergangenen Tagen verfünffacht.

Die europäischen Provider appellierten an die Kunden, sich bei der Netznutzung zurückzunehmen. "Laden Sie nur die Dokumente oder Dateien herunter, die Sie wirklich brauchen, und wenn sie warten können, tun Sie dies nachts oder in den 'Nebenverkehrszeiten' mit weniger Verkehr (zwischen 14 und 16 Uhr nachmittags und zwischen 20 Uhr abends und acht Uhr morgens)." Die Anwender sollten auch darauf verzichten, E-Mails mit großen Anhängen zu verschicken. Kollaborationswerkzeuge wie Microsoft Teams und Slack sollten ohne ständige Videoverbindung genutzt werden.

RTL.de-Doku: Stunde Null - Wettlauf mit dem Corona-Virus

Das Corona-Virus hält Deutschland und den Rest der Welt in Atem. Wie konnte es zur rasanten Verbreitung kommen und was bedeutet der Ausbruch für unseren Alltag? Warum Wissenschaftler schon lange vor dem Ausbruch vor dem Virus gewarnt haben, erfahren Sie in der RTL.de-Doku "Stunde Null - Wettlauf mit dem Corona-Virus".

Quelle: DPA / RTL.de