Schweiz: Asylverfahren in 48 Stunden

11. November 2015 - 11:50 Uhr

48-Stunden-Verfahren zeigt Wirkung

Wissen Sie, wie viele Menschen in Deutschland darüber entscheiden, ob Flüchtlinge Asyl bekommen oder nicht? 660 sind es derzeit beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Behördenchef Manfred Schmidt sagt, eigentlich bräuchte er 9.000, um den Ansturm zu bewältigen. Bis Ende 2016 sollen es 7.500 werden. Das ist langsam. Dabei müsste es doch jetzt schnell gehen – so wie in der Schweiz.

Asylantrag
In der Schweiz werden Asylanträge viel schneller bearbeitet als bei uns.
© dpa, Arne Dedert

Dort werden nämlich bestimmte Asylanträge in 48 Stunden abgewickelt. Der Clou bei dem Schnellverfahren ist, dass alle Ansprechpartner in einem Gebäude untergebracht sind. So schafft man es dermaßen schnell Entscheidungen zu fällen.

Neben geringeren Kosten, so argumentiert die Schweiz, habe man so auch mehr Kapazitäten frei für die wirklich schutzbedürftigen Flüchtlinge, die in ihrem Heimatland bedroht sind.

Das 48-Stunden-Verfahren zeigt Wirkung: Die Zahl der Asylbewerber vom Westbalkan ist seitdem drastisch gesunken. Es hat sich dort anscheinend herumgesprochen, dass die Chance, in der Schweiz Asyl zu bekommen, gering ist. Bei der Schweizer Bevölkerung kommt das Konzept überwiegend gut an.

Könnte das alles ein Modell für Deutschland sein? Bei ihrem jüngsten Besuch in Bern hat Angela Merkel die Schweizer Asylverfahren als Vorbild für eine europäische Asylpolitik gewürdigt. Man könne vom Schweizer Vorgehen durchaus etwas lernen, gab die Bundeskanzlerin zu Protokoll.