Schweiz: Angestellter bekommt Kündigung per Whatsapp-Nachricht

28. Januar 2015 - 12:42 Uhr

Chef: Wegen Weihnachtsstress kein persönliches Gespräch möglich

In der Schweiz wurde ein Mann zwei Tage vor Weihnachten von seinem Chef gekündigt. Ein schwerer Schlag so kurz vor den Feiertagen. Doch in dem Fall schockierte den 24-Jährigen weniger die Entlassung an sich, sondern vor allem die Form der Kündigung.

"Du, wir müssen dir leider kündigen auf Ende Jahr", zitiert die Schweizer Zeitschrift '20 Minuten' eine Whatsapp-Nachricht, die der junge Mann kurz vor seinem Urlaub von seinem Chef erhielt. "Wir haben einfach durch den Winter nun doch zu wenig Arbeit und zudem haben unsere gemeinsamen Gespräche einfach keine echte Besserung gebracht", heißt es weiter.

Der Inhaber eines Unternehmens für Haustechnik in Bern rechtfertigt die moralisch fragwürdige Entlassung seines Angestellten mit Weihnachtsstress: "Es war sehr hektisch über Weihnachten. Er wollte an diesem Tag in die Ferien, deshalb war ein Gespräch vor den Feiertagen nicht mehr möglich", heißt es in '20 Minuten'. Außerdem handelte es sich nur um eine kurze Ankündigung. Die Kündigung sei zu einem späteren Zeitpunkt "auf korrektem, schriftlichem Weg" erfolgt.

Für den Entlassenen ist die Begründung seines ehemaligen Chefs keine Entschuldigung für solch ein Verhalten: "Mich stört, dass mein Chef mich nicht angerufen oder einen Termin vereinbart hat. Ich war zu diesem Zeitpunkt nur eine halbe Stunde vom Geschäft entfernt, da hätte ich kurz vorbeigehen können", sagt er in der Zeitung.

In Deutschland gilt Wirksamkeit der Schriftform

In der Schweiz ist eine Kündigung per Whatsapp rechtlich durchführbar. "Sofern im Arbeitsvertrag nicht anders angegeben, gilt keine Formvorschrift. Eine Kündigung ist in diesem Fall durchaus möglich", erklärt der Rechtsanwalt Konrad Moor laut '20 Minuten'. Ist eine Schriftlichkeit vereinbart, gelte eine Whatsapp-Nachricht allerdings nicht, denn sie falle nicht in den Gültigkeitsbereich der Schriftlichkeit, räumt der Experte für Arbeitsrecht ein.

Bei uns in Deutschland müssen sich Arbeitnehmer jedoch keine Gedanken über eine derartige Kündigung machen. Hier gilt laut Paragraph 623 im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) die schriftliche Kündigung, worunter Whatsapp-Nachrichten, SMS und sogar E-Mails nicht fallen. So heißt es: "Die Beendigung von Arbeitsverhältnissen durch Kündigung oder Auflösungsvertrag bedürfen zu ihrer Wirksamkeit der Schriftform; die elektronische Form ist ausgeschlossen."