Noch acht Jahre bleibt alles wie jetzt

Kastenstand: Bundesrat stimmt neuen Regeln für die Schweinehaltung zu

Brandenburger Bauern werden Schweine nicht los
© dpa, Patrick Pleul, ppl jat

06. Juli 2020 - 11:06 Uhr

Noch weitere acht Jahre Kastenstand

Der Bundesrat hat nach jahrelangen Diskussionen neuen Regeln für die Schweinehaltung zugestimmt. Die umstrittene Fixierung von Sauen in engen "Kastenständen" soll damit deutlich beschränkt werden, wie ein am Freitag in der Länderkammer angenommener Kompromiss vorsieht. So sollen Kastenstände im Deckbereich der Ställe nach einer Übergangszeit von acht Jahren nicht mehr zulässig sein - Sauen sollen nur noch direkt bei der Besamung fixiert werden dürfen. Generell soll eine Gruppenhaltung mehr Platz im Stall gewährleisten.

Reaktionen auf neue Regeln zur Schweinehaltung sind gemischt

Über eine Neuregelung gibt es seit langem Streit. Hintergrund ist auch ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Magdeburg von 2016, das zu enge Kastenstände beanstandet hatte - dies sind Metallrahmen, in dem Sauen auf engem Raum gehalten werden. Eine Bundesrats-Abstimmung über eine Verordnung des Bundes war mehrfach verschoben worden. Dann hatten mehrere Länder einen Kompromiss initiiert, was auch Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) unterstützte.

"Die Zeche zahlen die Tiere"

Tierschützer feiern die Entscheidung nicht so wie die Politik das erwartet hat. Dazu erklärte Matthias Wolfschmidt, Veterinärmediziner und internationaler Strategiedirektor von foodwatch: "Der vom Bundesrat verabschiedete Beschluss hat mit Tierschutz rein gar nichts zu tun. Entgegen den glasklaren Forderungen des deutschen Ethikrates und trotz des Protests von hunderttausendenden Verbraucherinnen und Verbrauchern werden Muttersauen für weitere acht, im Abferkelbereich sogar fünfzehn Jahre, in enge Metallkorsetts gezwängt - dabei gibt es für den Kastenstand keine gesellschaftliche Akzeptanz. Die politischen Parteien, inklusive den Grünen, unterstützen die Fleischkonzerne - von Tönnies bis Westfleisch - dabei, weiterhin Billigfleisch für den Weltmarkt zu produzieren. Die Zeche zahlen die Tiere, die mit massiven körperlichen und psychischen Qualen bezahlen müssen. Der Kastenstand rettet auch die Sauenhalter nicht, in den letzten fünf Jahren hat jeder Vierte aufgegeben. Die Sauenkäfige gehören verboten - nicht in acht oder fünfzehn Jahren, sondern jetzt!

"Fauler Kompromiss" - mitgetragen von den Grünen

Mahi Klosterhalfen, Präsident der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt gab folgendes Statement: "Der Öffentlichkeit erzählen, man werde Tierschutzstandards verbessern und gleichzeitig illegale Zustände in der Massentierhaltung legalisieren. Das ist an Scheinheiligkeit nicht mehr zu überbieten. Von Bundesministerin Klöckner und der CDU war kaum Anderes zu erwarten, aber dass die Grünen einen solch faulen Kompromiss aushandeln und mittragen, ist sehr enttäuschend. Sauen werden weiterhin einen beträchtlichen Teil ihres Lebens in Käfigen verbringen - man muss sich schon sehr verbiegen, um darin einen Wendepunkt für die Tiere zu sehen."

Grüne freuen sich