Studie aus ethischen Gründen abgebrochen

6 Babys bei Schwangerschaftsstudie in Schweden gestorben

6 Babys sind bei einer schwedischen Studie gestorben (Symbolbild).
© dpa, Arno Burgi, wie sab kde rho wst

22. November 2019 - 10:04 Uhr

Schwedische Schwangerschaftsstudie mit fatalen Folgen

Dauert eine Schwangerschaft zu lange – also über 40 Wochen – wird in der Regel die Geburt nach ein paar Tagen eingeleitet. Im Rahmen einer schwedischen Studie wurden nun aber Geburten erst nach der 42. Woche eingeleitet. Leider mit fatalen Folgen: Mehrere Babys starben. Die Untersuchung wurde umgehend abgebrochen. Allerdings muss keine Mutter nun Angst vor einer Einleitung haben, wie uns Dr. Christoph Specht erklärt.

Wissenschaftliche Untersuchung aus ethischen Gründen abgebrochen

Im Rahmen der Swepis-Studie der Universität in Göteborg wurden von 2016 bis 2018 insgesamt 2760 gesunde schwangere Frauen untersucht, deren Schwangerschaft bereits 41 Wochen dauerte. Die werdenden Mütter wurden in zwei Gruppen eingeteilt: Bei der einen wurden die Wehen innerhalb der nächsten 24 Stunden, bei der anderen erst am Ende der 42. oder am Anfang der 43. Schwangerschaftswoche eingeleitet. Die sechs Frauen, deren Kinder gestorben sind, waren alle in der zweiten Gruppe.

Die sechs Babys, bei deren Müttern der Geburtsvorgang nach der 42. Schwangerschaftswoche eingeleitet wurde, starben vor oder unmittelbar nach der Geburt, wie aus der im Fachmagazin "British Medical Journal" veröffentlichten Forschungsarbeit hervorgeht. Die Studie sei deshalb aus ethischen Gründen abgebrochen worden, sagte Ulla-Britt Wennerholm von der Universität Göteborg.

Babys starben vor oder direkt nach der Geburt

Was vielleicht im ersten Moment so klingt, als wären Babys bewusst einer höheren Gefahr ausgesetzt wurden, ist nicht der Fall, erklärt Dr. Specht. Es sei nicht so, dass länger mit der Einleitung gewartet wurde. "Es ist eigentlich eher umgekehrt, Anfang der 42. Woche war der Standard. Die Daten, ob die 41. Woche besser wäre, hatte man nicht", so Specht gegenüber RTL. Oftmals werde bei übertragenen Babys gewartet, ob nicht in der 41. Woche doch noch eine spontane Geburt ausgelöst wird.

Die Forschungsergebnisse müssten mit Vorsicht interpretiert werden, erklärten auch die Wissenschaftler der Studie. Wegen der drohenden Komplikationen empfahlen sie schwedischen Kliniken jedoch, werdenden Müttern eine Einleitung der Wehen spätestens nach 41 Wochen anzubieten.

WHO rät dazu, die Geburt bei Vollendung der 41. SSW einzuleiten

Die Weltgesundheitsorganisation rät bei Vollendung der 41. Schwangerschaftswoche dazu, die Geburt einzuleiten. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfiehlt eine Einleitung am Ende der 41. Schwangerschaftswoche, spätestens zu Beginn der 42. Schwangerschaftswoche. Eine Überschreitung dieser Zeitspanne sollte vermieden werden. Studien ergaben, dass nach der vollendeten 42. Schwangerschaftswoche eine erhöhte Gefahr für das ungeborene Kind aufkommt, das absolute Risiko einer Schädigung ist jedoch sehr gering.

Angst vor einer Einleitung müssten werdende Mütter nun aber nicht haben, erklärt Dr. Specht. "Eine Einleitung macht man ja gerade, um das medizinische Risiko zu minimieren."

In Deutschland wird mehr als jede 5. Geburt eingeleitet

Der häufigste Grund für eine Geburtseinleitung in Deutschland ist die Überschreitung des errechneten Geburtstermins. Andere Gründe können eine Erkrankung der Mutter oder ein vorzeitiger Blasensprung sein. Hierzulande wird mehr als jede fünfte Geburt eingeleitet - Tendenz steigend. Während 2005 noch 165 von 1000 Geburten eingeleitet wurden, waren es 2014 schon 217 von 1000.