Krimirezension

„Schwarzer Sand“ von Cristina Cassar Scalia im Check

Schwarzer Sand von Cristina Cassar Scalia
Schwarzer Sand von Cristina Cassar Scalia
© (c) Verlagsgruppe Random House GmbH, Muenchen

02. Dezember 2021 - 9:16 Uhr

Neue Reihe um Ermittlerin auf Sizilien

von Tobias Elsaesser

Mit "Schwarzer Sand"* eröffnet die sizilianische Autorin Cristina Cassar Scalia eine Reihe jener Kriminalromane, in der neben den handelnden Personen auch der Ort des Geschehens eine große Rolle spielt. Sie entführt den Leser in ihre Heimat Sizilien, nach Catania am Fuße des Ätnas, wo Giovanna "Vanina" Guarasi ihrer Arbeit bei der Mordkommission nachgeht.

In ihrer Heimat Palermo erlebte sie einst als Kind mit, wie ihr Vater von der Mafia hingerichtet wurde. Ihrer großen Liebe, einem Richter, der gegen die Mafia ermittelt und ständig unter Personenschutz steht, rettete sie einst im Dienst das Leben. Sie verließ ihn aus Angst, einen weiteren geliebten Menschen an die Mafia zu verlieren, kehrte Palermo den Rücken und ist nun nach einigen Jahren in Mailand zurück auf Sizilien. Allerdings in Catania bei der Mordkommission, in halbwegs sicherer Distanz zu Palermo und zur Mafia.

Worum geht es

Während ein kleines Dorf am Fuße des Ätna von einem Aschenebel eingehüllt wird, macht Alfio Burrano in einer altehrwürdigen Villa einen grausigen Fund: In einem Speiseaufzug krümmt sich der mumifizierte Körper einer Frau, an deren Schädel noch die Reste eines Seidentuchs hängen. Ihr Kopf ist im Neunzig-Grad-Winkel verrenkt und ruht auf einem Pelzmantel. Ihr teures Kostüm, die Perlenketten und das Schminkköfferchen sehen aus, als stammten sie aus einem längst vergangenen Jahrzehnt. Die Polizei steht vor einem Rätsel. Giovanna Guarrasi, 39 Jahre alt, tough, gefahrenerprobt und gerade aus Palermo zum mobilen Einsatzkommando versetzt, wird mit dem Fall betraut. Da es sich als unerwartet schwierig erweist, die Identität der Leiche zu ermitteln, ruft sie einen Kommissar im Ruhestand zu Hilfe. Ihre Nachforschungen enthüllen den beiden eine Geschichte voller Abgründe, Neid und Habsucht, die sie immer tiefer in eine verschworene Gemeinschaft hineinführt. (Klappentext)

Bewährte Zutaten

Cristina Cassar Scalia setzt auf bewährte Zutaten. Mit "Vanina" Guarasi hat sie eine Ermittlerin geschaffen, die ihren Weg geht und sich nicht verbiegen lässt. Sie schleppt ein Trauma mit sich herum, das sie für ihre Umgebung nur schwer nahbar macht. Sie macht Sachen lieber mit sich selbst aus, findet Trost in alten italienischen Filmen, sizilianischem Essen und letztlich auch der Insel, die ihr so viel Leid beschert hat. Auf die sie zurückgekehrt ist, um mit sich ins Reine zu kommen.

Mit ihr arbeitet ein Ermittlerteam, deren unterschiedliche Stärken Vanina effizient einzusetzen weiß. Da ist zum Beispiel der einheimische Inspektor Spano, der sich in der Geschichte der Stadt bestens auskennt und über seine Mutter immer Zugang zu Klatsch und Tratsch hat. In seiner Familie scheint es immer jemanden zu geben, der jemanden kennt, der wiederum jemanden kannte, der…

Und so ist Spano in der Lage, Informationen zu liefern, die etwas Licht in dieses Rätsel der Vergangenheit bringen. Zusammen mit Polizeimeister Fragapane, der sich als geduldiger Rechercheur in staubigen Archiven und aufmerksamer Leser ebenso staubiger Akten erweist, bildet er die "alte Garde" des Teams. Und das besonnene Gegengewicht zu Vanina, die oftmals mit dem Kopf durch die Wand will.

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Stimmungsvollen Schilderungen aus den Gassen Catanias

Das alles ist nicht unbedingt neu oder ausgefallen, es ist aber auch nicht der Anspruch, den dieses Buch erhebt. Cristina Cassar Scalia will den Leser in die Schönheit Siziliens entführen, und das gelingt ihr, zum einen durch die stimmungsvollen Schilderungen aus den Gassen der Stadt Catania, durch die immer mal wieder die Asche des Ätnas fegt. Zum anderen ist es die Inszenierung des Falles, der mit sizilianischer Tradition und den damit verbundenen Wertvorstellungen zu tun hat, die für einige lange überholt, für andere aber umso wichtiger sind. Man darf auf die nächsten Teile der Reihe gespannt sein.

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