Schwarzarbeit in Deutschland: Flüchtlinge arbeiten für 80 Cent Stundenlohn

31. August 2016 - 17:10 Uhr

"Ich will eigentlich nicht schwarz arbeiten, aber anders finde ich keinen Job"

Die Flüchtlingsdebatte in Deutschland wird immer wieder von neuem befeuert. Neuste Erkenntnisse geben Aufschluss über ihre Beschäftigung. Demnach sollen aktuell 100.000 Flüchtlinge in Deutschland illegal beschäftigt sein. Das berichtet der Radiosender 'NDR-Info', der dazu in Hamburg, Niedersachsen, Berlin und Sachsen-Anhalt recherchiert hat. Viele der Asylbewerber sollen schwarz – für teils 80 Cent Stundenlohn und unter schlechten Arbeitsbedingungen – arbeiten.

Flüchtlinge in der Schwarzarbeit arbeiten zu Dumpinglöhnen
Schwarzarbeit ist weit verbreitet, da viele Flüchtlinge legal nicht arbeiten dürfen. (Symbolbild)
© dpa, Ralf Hirschberger

Vielen Flüchtlingen, die ihre Familien im Ausland unterstützen müssen, bleibt ohne Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung nichts anderes übrig. "Ich will eigentlich nicht schwarz arbeiten, aber anders finde ich keinen Job", berichtet ein Mann aus Burkina Faso, der laut 'NDR-Info' bereits seit zwei Jahren auf seinen Asylentscheid wartet. Den Kampf um einen Job verschärft die Frage nach der Entlohnung. Nima K. von der Berliner Willkommensinitiative berichtet gegenüber 'NDR-Info' von nur 80 Cent Stundenlohn und von angemeldeten 400-Euro-Jobs, die sich in der Realität als illegale Vollzeitbeschäftigung entpuppen.

Ein Phänomen, das sich weit verbreitet, erklärt Holger Schäfer, Arbeitsmarkt-Experte am Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln: "Das ist vor dem Hintergrund, dass viele Flüchtlinge auf Grund der rechtlichen Situation gar nicht legal arbeiten dürfen, nicht überraschend."

"Wir können nicht jeden kontrollieren, aber natürlich müssen wir Schwarzarbeit aufdecken"

Häufiger Grund für die hohe Anzahl an Schwarzarbeitern unter den Flüchtlingen: Besucher oder Mitarbeiter von Flüchtlingsunterkünften sollen Asylbewerber in die Schwarzarbeit vermitteln, berichtet der 'NDR' weiter. Im Gegenzug müssten sie einen Großteil ihres Lohnes als "Provision" abgeben und zurückzahlen. Eine Studie der Universitäten Tübingen und Linz geht sogar noch weiter: Jeder dritte Flüchtling in Deutschland soll schwarzarbeiten – das wären rund 300.000 insgesamt. Dabei sollen nach Angaben des Zolls bundesweit rund zehn Fälle im Monat aufgedeckt werden.

"Wir können nicht jeden kontrollieren und sinnvoll ist es auch nicht, aber natürlich müssen wir Schwarzarbeit aufdecken", betont Schäfer. Weil sich die Tätigkeiten in den Sozialstatistiken vermutlich nicht bemerkbar gemacht hätten, seien die Folgen für den Arbeitsmarkt jedoch überschaubar.

"Sie sind meistens in Segmenten tätig, die ohnehin in irgendeiner Weise in der Schattenwirtschaft liegen, die vermutlich gar nicht ans Licht der legalen Beschäftigung gekommen wären. Es ist vielleicht auch nicht so schlecht, wenn Flüchtlinge auch in einem Einstieg in den Arbeitsmarkt, ein bisschen Berufserfahrung sammeln", sagt der Arbeitsmarkt-Experte.