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Schwarzarbeit auf Baustellen: Wie dem Staat Milliarden durch mafiöse Strukturen entgehen

Wie dem Staat Milliarden durch mafiöse Strukturen entgehen
Wie dem Staat Milliarden durch mafiöse Strukturen entgehen Schwarzarbeit auf Baustellen 01:53

Menschenhandel mit vor allem osteuropäischen Arbeitern

Jährlich entgehen dem Staat durch Schwarzarbeit auf Baustellen gut 28 Milliarden Euro. Das schätzt der renommierte Schwarzarbeitsforscher Friedrich Schneider von der Universität Linz. Geld, das für Bildung, Schwimmbäder oder Ähnliches fehlt. Bis zu einem Drittel der Aufträge im Bau sind mittlerweile betroffen, ergaben Recherchen der 'Welt am Sonntag'. Davon profitiert die organisierte Kriminalität. Ausgetragen wird das auf dem Rücken vor allem osteuropäischer Bauarbeiter. Ein Vorgehen, das fast schon an Menschenhandel grenzt, wie unser Video zeigt.

Schlag gegen Schleuserring in Hamburg

Vergangene Woche haben Bundespolizei und Zoll in Hamburg eine Razzia durchgeführt, zeitgleich weitere 20 Baustellen und Unterkünfte in Norddeutschland durchsucht. Es ging um eingeschleuste und illegal beschäftigte Arbeiter im Baugewerbe.

Im Zentrum der Ermittlungen steht Bauunternehmer Oleg D. – ein Deutsch-Kasache. Über Scheinfirmen soll er Arbeiter aus Osteuropa auf deutschen Baustellen schwarz beschäftigt und ausgebeutet haben. "Die Arbeiter selber bekommen oft nur Hungerlöhne. Sie leben in Baracken unter zum Teil menschenunwürdigen Bedingungen", sagt Helgo Martens von der Bundespolizei Hamburg. 

Zollamt fehlen Ermittler im Kampf gegen Schwarzarbeit auf Baustellen

Der ukrainische Schwarzarbeiter Jaroslaw erklärt das kriminelle System
Der ukrainische Schwarzarbeiter Jaroslaw (l.) erklärt das kriminelle System. (Foto: Spiegel TV)

Schwarzarbeiter Jaroslaw aus der Ukraine erklärt das kriminelle System. "Zuerst muss man für die Vermittlung des Jobs bezahlen. Dann dafür, dass dich jemand hierherfährt. Da die Ukraine nicht zur EU gehört, dürfen wir hier eigentlich nicht arbeiten", sagt der junge Mann. Also müsse man einen gefälschten rumänischen Pass kaufen. Der koste nochmal rund 700 Euro.

Die Bekämpfung der kriminell organisierten Schwarzarbeit ist aufwendig. 6.400 Ermittler arbeiten laut Gewerkschaft zurzeit bei den Zollämtern, notwendig wären allerdings 10.000.

Der Schlag gegen den Schleuserring ist einer der größeren Erfolge der Fahnder. Beim Hauptverdächtigen wurden 170.000 Euro Bargeld und mehrere gefälschte Ausweise sichergestellt. Gegen den 36-Jährigen wurde Haftbefehl erlassen.

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