2018 M08 10 - 17:56 Uhr

Frühstück mit unerwünschten Nebenwirkungen

"Es war traumatisch", sagt Elizabeth Eden aus dem US-Bundesstaat Maryland über die Zeit, die eigentlich die schönste in ihrem Leben hätte sein sollen. Nach der Geburt durfte die junge Mutter ihr Baby fünf Tage lang nicht mit nach Hause nehmen! Ein schlimmer Vorwurf stand im Raum: Drogen.

Behörden informiert, Baby musste in Klinik bleiben

Mohnbrötchen
Mohnhaltige Produkte können Drogentests beeinflussen.
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"Ich lag in den Wehen, als der Arzt herein kam und sagte, dass ich positiv auf Opiate getestet worden sei", berichtete Elizabeth dem amerikanischen Radiosender "WBAL". Sie erinnerte sich daran, was sie vor längere Zeit einmal gehört hatte: nämlich, dass das Verzehren von Mohnsamen zu einem positiven Drogentestergebnis führen kann. "Ich sagte dem Arzt, dass ich am Morgen ein Mohnbrötchen gegessen hatte und bat ihn um einen zweiten Test."

Doch der Arzt lehnte ab, sagte ihr, dass das Krankenhaus bereits die Behörden über das positive Testergebnis informiert habe. Elisabeths Baby musste fünf Tage lang zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben, ihr selbst wurde ein Sozialarbeiter zur Seite gestellt. Glücklicherweise gab der ziemlich schnell Entwarnung, erkannte, dass die junge Frau keineswegs drogensüchtig ist.

Backmohn kann für Säuglinge gefährlich sein

Mohnsamen enthalten tatsächlich geringe Mengen sogenannter Opium-Alkaloide, also die Substanzen, die in Heroin den Rausch oder in starken Schmerzmitteln die Betäubung verursachen. Allerdings ist die Menge in den Mohnsamen, die wir auf Brötchen oder im Mohnkuchen finden, zu gering, als dass sie eine berauschende Wirkung haben könnten.

Zumindest nicht bei Erwachsenen: vor einigen Jahre warnte das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) vor gesundheitlichen Schäden von Backmohn bei Säuglingen. Eine Mutter hatte ein altes Hausmittel angewandt und ihrem sechs Wochen alten Säugling gegen seine Schlafstörungen die abgeseihte Milch von Backmohn, also gemahlenem Mohn, gegeben. Es wurde mit Atem- und Bewusstseinsstörungen in eine Klinik eingeliefert. Ein Urintest ergab hohe Mengen der Alkaloide Morphin und Codein.

Mohnsamen: In Gefängnissen verboten

Sensible Drogentests können nach dem Biss in ein herzhaftes Mohnbrötchen also durchaus anschlagen. Deswegen wird ist in deutschen Gefängnissen auch der Verzehr von mohnsamenhaltigen untersagt. Der Grund: Es kann nicht unterschieden werden, ob die Alkaloide durch Rauschgiftkonsum oder den Verzehr eines harmlosen Mohnbrötchens oder -kuchens aufgenommen wurden.

Auf Mohnbrötchen oder -kuchen nur aus Sorge vor einem möglichen falschen Verdacht des Drogenkonsums zu verzichten, wäre allerdings schade: denn in Mohnsamen stecken wertvolle Inhaltsstoffe, wie zum Beispiel Eisen, Kalzium, Kalium und Magnesium sowie gesunde Fettsäuren. Die tragen zur Gesundheit von Herz, Hirn und Muskeln beitragen. Und lecker schmeckt so ein Stück Mohnkuchen ja auch.