Schwangere Asylbewerberin aus Iran nach Abschiebeversuch krank am Bahnhof in Hannover zurückgelassen

Am Bahnhof in Hannover soll die schwangere Frau mit ihrem Sohn zurückgelassen worden sein. (Symbolbild)
Am Bahnhof in Hannover soll die schwangere Frau mit ihrem Sohn zurückgelassen worden sein. (Symbolbild)
© deutsche presse agentur

05. November 2018 - 16:44 Uhr

In Hausschuhen wurde sie vor dem Bahnhof stehen gelassen

Die Bundespolizei holte sie aus ihrem Krankenbett in einer Mainzer Klinik, zerrte sie zum Flughafen und ließ sie schließlich allein mit ihrem einjährigen Sohn am Bahnhof stehen. Schwanger und in ihren Hausschuhen. Die 29-jährige Iranerin sollte nach Kroatien abgeschoben werden, sie und ihr Mann weigerten sich jedoch - die Abschiebung musste abgebrochen werden. Aber ist das ein Grund, eine Schwangere alleine an einem Bahnhof auszusetzen?

Dank eines freundlichen Bahnmitarbeiters konnte die Frau zurück nach Mainz fahren

Nachdem sie einfach stehen gelassen wurde, wollte die junge Frau der Auflage folgen, sich wieder in ihrer Landesunterkunft in Ingelheim (Kreis Mainz-Bingen) zu melden und fuhr mit ihrem einjährigen Sohn im Zug dorthin zurück. Für die Zugfahrt hatte sie aber eigentlich nicht genug Geld - dass sie trotzdem nach Hause fahren konnte, hat sie einem freundlichen Bahn-Mitarbeiter zu verdanken. 

Die junge Mutter habe nach der fehlgeschlagenen Abschiebung das vorgesehene Handgeld von 100 Euro erhalten, sagte der Leiter der Ausländerbehörde des Kreises. Die spontane Fahrt von Hannover nach Mainz sollte allerdings 105 Euro kosten. Nach einem Bericht der "Allgemeinen Zeitung" erließ ihr ein Bahnmitarbeiter den für die Fahrkarte noch fehlenden Betrag von fünf Euro und gab ihr Geld, um sich etwas zu essen zu kaufen.

Familie sollte nach Kroatien abgeschoben werden und weigerte sich

Die Frau und ihr Mann hatten sich nach Angaben des Leiters der Ausländerbehörde zuvor geweigert, ein Flugzeug nach Zagreb zu betreten. Grund für die angeordnete Abschiebung ist, dass die junge Mutter bereits in Kroatien einen Asylantrag gestellt hatte, ehe sie nach Deutschland kam. Der hier gestellte Antrag wurde Ende Juli abgelehnt. Entsprechend der Dublin-Regelung sollte sie daher nach Kroatien abgeschoben werden. Die Familie wehrte sich dagegen, auch der Pilot der Maschine lehnte es ab, die Familie zu befördern. Die 29-Jährige wurde dann von der Polizei zum Bahnhof gebracht - und stehen gelassen. 

"Über dieses Vorgehen muss man sich unterhalten", sagte Landrätin Dorothea Schäfer (CDU), "Natürlich lässt einen das nicht kalt". Sie kündigte an, über den Vorgang im Kreistag zu beraten.

Quelle: DPA/RTL.de