Schwachpunkt Samstag: Sebastian Vettel will mehr Ferrari-Leistung im Qualifying

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12. Juli 2017 - 10:24 Uhr

Sebastian Vettel fordert im Formel-1-Titelkampf gegen Mercedes einen Leistungsschub von Ferrari bei der Jagd nach der Pole Position. "Ich glaube, wir können im Qualifying noch ein bisschen zulegen", sagte der WM-Spitzenreiter vor dem Großen Preis von Großbritannien am Wochenende (Sonntag, ab 13 Uhr live bei RTL): "Da scheint Mercedes in der Lage zu sein, mehr Leistung abzurufen."

Vettel in dieser Saison erst einmal auf Pole

Ein Blick auf den Saisonverlauf unterstreicht die Aussage des Ferrari-Stars. Bei sieben der neun bisherigen Rennen startete ein Silberpfeil von der Pole Position, Vettel schaffte es einzig beim Großen Preis von Russland in Sotschi Ende April auf Startplatz 1. Die zweite Ferrari-Pole fuhr Kimi Räikkönen beim Monaco-GP ein. Meist fehlten Vettel bei der Zeitenjagd am Samstag zwischen ein und drei Zehntel auf seinen schärfsten WM-Rivalen Lewis Hamilton.

Man muss also kein Formel-1-Gelehrter sein, um die Intention hinter Vettels sanfter Forderung an die Scuderia zu verstehen. Steht der 30-Jährige auf Pole, steigen seine Chancen erheblich, auch als Führender aus der ersten Kurve zu kommen und das Rennen von der Spitze zu diktieren. Denn in puncto Renntempo ist Vettels Ferrari in diesem Jahr nicht nur auf Augenhöhe mit der silbernen Konkurrenz. Bisweilen sind die Roten am Rennsonntag schneller und konstanter als Mercedes.

Einer der letzten Klassiker: Der Großbritannien-GP in Silverstone im Birdview

Qualifying schuld an verpasstem Österreich-Sieg

Der Grand Prix von Österreich offenbarte Vettels Samstags-Dilemma: Der viermalige Weltmeister hatte nach der knapp verlorenen Quali beim Start gegen Mercedes-Mann Valtteri Bottas keine Chance und fuhr in der ersten Rennhälfte hinterher. Nach dem Boxenstopp kam die reifenschonende Fahrweise des SF70H dann aber voll zum Tragen, der Ferrarista holte in Riesenschritten gegen Bottas auf, den "fiese Blasen" (so der Finne) am Hinterreifen des Silberpfeils plagten. Am Ende reichte es aber nicht mehr zu einem Angriff, lächerliche 0,5 Sekunden betrug Vettels Rückstand im Ziel. Wäre er von der Pole Position ins Rennen gestartet – seine Siegchance wäre ungleich höher gewesen.

Silverstone ist Hamilton-Territorium

Mit einem 20-Punkte-Polster auf Hamilton reist Vettel gleichwohl voller Zuversicht zum Heimspiel seines Kontrahenten ins 'Home of British Motor-Racing' nach Silverstone. "Es sollte eine gute Strecke sein für uns. Silverstone ist voll mit schnellen Kurven", so der Scuderia-Pilot. Allerdings war die Traditionspiste zuletzt eindeutig Hamilton-Territorium.

Der Brite gewann die vergangenen drei Grands Prix in seiner Heimat, zudem triumphierte er 2008 in einem spektakulären Regenrennen. Und: Kein Formel-1-Fahrer hat mehr Pole Positions in Silverstone eingefahren als Hamilton, der viermal von Platz 1 in das prestigeträchtige Rennen startete (2007, 2013, 2015, 2016).

Vettel und Ferrari warten dagegen seit einiger Zeit auf einen Triumph in England: Der Deutsche gewann 2009 im Red Bull zum bisher einzigen Mal in Silverstone, die Scuderia grüßte mit Fernando Alonso 2011 letztmals vom obersten Treppchen des Siegerpodests.