Schumachers 2. Karriere bleibt wohl ungekrönt

© dpa, Jens Büttner

28. Juni 2011 - 12:59 Uhr

Dass er als 17. das schlechteste Resultat seiner großen Karriere hinnehmen musste, hakte Michael Schumacher schnell ab. Eine andere Einsicht dürfte den Rekordchampion mehr beschäftigen: Seine zweite Karriere wird der größte Formel-1-Fahrer aller Zeit mit ziemlicher Sicherheit ohne den achten WM-Titel beenden.

Denn: Sein Silberpfeil wird in diesem Jahr nicht mehr siegfähig werden und im nächsten, dem dann wohl letzten von Michael Schumacher in der Königsklasse, ziemlich sicher auch nicht titelfähig. So jedenfalls muss man die Aussagen von Mercedes-Sportchef Norbert Haug nach einem erneut ernüchternden Wochenende in Valencia interpretieren.

"Fakt ist, dass es in dem Geschäft drei Top-Teams gibt, wir haben uns als Viertes festgesetzt", sagte Haug zur gegenwärtigen Situation und ergänzt mit Blick auf 2012: "Ich glaube nicht, dass man so ohne Weiteres von vier auf eins springen kann. Von sechs auf vier ist auch schwierig, aber von vier auf drei, auf zwei und eins, das sind die schwierigsten Schritte."

Daran sind, da ist man sich bei Mercedes sicher, nicht die Piloten Nico Rosberg und Schumacher schuld. Und Haug lässt auch das kleinere Budget im Vergleich zum Weltmeister-Team Red Bull um Sebastian Vettel nicht als Ausrede gelten. "Wir dürfen uns nicht hinter dem Budget verstecken, denn ich glaube nicht, dass das der limitierende Faktor ist", sagte er: "Wir haben sicher nicht das höchste Budget, aber ein sehr ordentliches. Damit müssten wir weiter sein."

Schumachers 2. Karriere bleibt wohl ungekrönt
© Getty Images, Bongarts

Doch das Team fährt seit Saisonbeginn einem riesigen Rückstand hinterher. Schumacher zeigte sich schon vor dem Europa-GP, den er durch eine Karambolage mit Vitali Petrov frühzeitig zerstörte, ernüchtert. "Wir haben im Grunde dasselbe Auto, das wir schon seit längerem haben. Deshalb sehe ich keinen Grund, warum der Rückstand weniger werden sollte", hatte er gesagt - und das nach dem bisherigen Saisonhöhepunkt als Vierter und zwischenzeitlicher Zweiter in Kanada.

"Seine aktuelle Welt liegt zwischen Maldonado und Kobayashi - wo keine Sonne strahlt", lästerte der italienische 'Corriere dello Sport'. Das Schlimmste: Auch im kommenden Jahr wird Schumacher kaum glänzen können. Eigentlich wollte Mercedes schon kräftig am Auto für die kommende Saison basteln, "aber wenn wir Nacharbeiten machen müssen an Dingen, die eigentlich erledigt sein müssten, haben wir nicht die Kapazitäten, andere Dinge voranzubringen", erläuterte Haug.

Ein Neuaufbau wie nach der Team-Übernahme 2010 Zeit benötigt eben Zeit, betont der Mercedes-Sportchef immer wieder. Doch die läuft dem 42-jährigen Schumacher davon. Und es erscheint unwahrscheinlich, dass Mercedes dem siebenmaligen Weltmeister im kommenden Jahr ein titelfähiges Auto anbieten kann. Dass die Änderungen zur neuen Saison "eher eine Evolution sind als eine Revolution wie in den vergangenen beiden Jahren", ist für Mercedes sicher ein Nachteil. Denn so muss Mercedes den Rückstand wirklich aufholen, dabei würde man am liebsten bei Null starten.

"Wir haben eine gute Strategie und gute Boxenstopps. Wie wir das Auto einsetzen, das ist Top-Niveau", beteuert Haug: "Aber das Rüstzeug des Fahrzeugs muss besser werden." Ob dies rechtzeitig klappt, um Schumacher den achten Titel zu ermöglichen, ist mehr als fraglich.