Frust, Unverständnis und viel Kritik

Schulstart sorgt für Ärger: Eltern und Lehrer kritisieren Vorgaben

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10. August 2020 - 14:27 Uhr

Glatte Sechs für die Politik

Es dauerte nicht mal eine Woche, da machten die ersten Schulen in Mecklenburg-Vorpommern nach dem Start des neuen Schuljahres schon wieder dicht. Seit Freitag müssen zwei Schulen wegen bestätigter Corona-Fälle den Unterricht für zwei Wochen aussetzen. In dieser Woche läuft unter anderem in NRW die Schule wieder an. Doch Eltern- und Lehrerverbände stellen der Politik deutschlandweit ein miserables Zeugnis im Hinblick auf den Schulstart nach den Ferien aus.

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Die Sommerferien wurden verschlafen

Zu große Klassen, keine praxisnahen Vorschriften und ein Geschacher um Verantwortung: Das attestieren Eltern- und Lehrervertreter der Politik. Sie kritisieren vor allem, dass die Schulministerien die Sommerferien verschlafen hätten, um die Schulen ausreichend und sorgfältig auf den Schulstart vorzubereiten. Vor allem der zwanghafte Versuch, die alten Klassengrößen wiederherzustellen, empört die Verbände.

Kleinere Klassen, weniger Durchmischung

Dass in den meisten Bundesländern die Klassen wieder in voller Größe zum Unterricht zusammenkommen, sei im Hinblick auf das Infektionsgeschehen verantwortungslos, stellen die Eltern- und Lehrervertreter fest. Unterstützung kommt von den Virologen Christian Drosten, Jonas Schmidt-Chanasit und Melanie Brinkmann: "Wir warnen vor der Vorstellung, dass Kinder keine Rolle in der Pandemie und in der Übertragung spielen", sagten sie am Freitag der Deutschen Presse Agentur. Auch sie kritisieren die Rückkehr von ganzen Schulklassen im Unterricht und schlagen kleinere Klassen, feste Lerngruppen und wenig Durchmischung der Kinder vor. Nur so könne man auch in den Schulen die Übertragungsrisiken minimieren.

„In vielen Schulen gehen nicht mal mehr die Fenster auf“

Schulstart sorgt für Ärger: Eltern und Lehrer kritisieren Vorgaben
Mundschutz, Desinfektionsmittel, Abstand: Der Schulalltag hat sich verändert.
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Es sind vor allem die konkreten Vorgaben der Politik, die auf Unverständnis der Schulvertreter stoßen, wie der Verband Bildung und Erziehung an einem einfachen Beispiel zeigt: "Schulen sind angehalten, regelmäßig zu Lüften um Luftaustausch im Raum zu gewährleisten." Doch das sei in vielerlei Hinsicht in sehr vielen Schulen nicht möglich. Zum einen seien einige Schulen so marode, dass sich Fenster nicht mehr öffnen lassen, zum anderen seien in vielen Gebäuden die Fenster aus Sicherheitsgründen verriegelt.  Auch andere Maßnahmen wie die Maskenpflicht oder die Abstandsregeln im Unterricht seien alles andere als praxisnah und im Schulalltag kaum zu kontrollieren, mahnt auch die Berliner Lehrergewerkschaft GEW. Da werde die Verantwortung einfach auf ohnehin schon überforderte Schulleiter, Pädagogen und zuletzt auch auf Eltern abgewälzt.

Corona zeigt Probleme in Schulen gnadenlos auf

Wie sehr die Schulen unter falschen Entscheidungen der Vergangenheit leiden, hat die Corona-Krise sehr deutlich gezeigt. Nicht nur die Digitalisierung gehe viel zu langsam voran, auch Probleme wie der Lehrermangel wurden über Jahre nicht gelöst. Corona zeige da ganz klar die Schwachstellen auf, sagen die Verbände. Doch nicht nur die Bildungspolitik erschwere das Lernen von Morgen, auch ganz simple Dinge wurden in den letzten Monaten deutlich: Gerade im ländlichen Raum, sei "Homeschooling" eine kaum zu bewältigende Aufgabe. Hier fehlt es einfach an schnellen Internetverbindungen: "Kinder hätten manchmal fast eine halbe Stunde gebraucht, um ein PDF zu öffnen", heißt es vom Elternrat in Brandenburg. Auch hier beobachte man die Situation mit Argusaugen. Doch um die Kinder in Brandenburg vernünftig beschulen zu können, sei man hier fast schon auf die Schulöffnungen angewiesen.

Die richtige Maske im Unterricht

In vielen Schulgebäuden ist Maske tragen Pflicht, in NRW sogar im Unterricht. Welche Maske am besten geeignet ist, um den Schulalltag durchzustehen, sehen Sie hier im Video.