Wozu Experten raten

Schulranzen-Trends 2021: Diese Tornister und Rucksäcke sind gefragt

Das Wichtigste für Erstklässler: Schulranzen und Schultüte
Das Wichtigste für Erstklässler: Schulranzen und Schultüte
© iStockphoto

02. Juli 2021 - 9:09 Uhr

Tipps zum Ranzenkauf von Fachhändlern und vom Orthopäden


von Mireilla Zirpins

Noch wenige Wochen bis zu den Sommerferien. Weil "normales" Shoppen im Laden Pandemie-bedingt bislang nur schwer möglich war, sind viele Vorschulkinder noch ohne Ranzen. Wir haben Experten gefragt, welche Schultaschen angesagt sind und worauf Sie beim Kauf achten müssen.

Aufgrund der Pandemie haben vielen den Schulranzenkauf verschoben

Für rund 750.000 Vorschulkinder der Jahrgänge 2014 und 2015 beginnt zwischen Anfang August und Mitte September 2021 das erste Schuljahr. Doch weil viele Geschäfte im Lockdown seit Monaten immer wieder geschlossen waren, haben zahlreiche Eltern den Kauf des Ranzens nach hinten verlegt. Wir haben bei Fachhändlern in Köln nachgefragt, wo sich Eltern mit negativem Test wieder im Laden beraten lassen können. Für Vorschulkinder gilt die Testpflicht nicht, sagt Martin Voegels, Geschäftsführer von Lederwaren Voegels.

Ein Trend: Kletties oder Magnete geben Ranzen eine persönliche Note

"Angesagt sind individualisierbare Ranzen, die mit Kletties oder Magneten angepasst werden können", beobachtet er. "Wenn im ersten Schuljahr noch Feen gefragt sind, können im zweiten Schuljahr stattdessen Tiere draufgepappt werden."

Die Modelle sind heutzutage eher schlicht gehalten, die Kinder legen sich nur bei der Grundfarbe fest, berichtet auch Daniel Dickob-Berten, Fachverkäufer bei Ortloff in Köln, der gerade aus einer Ranzenberatung kommt: "Bonbonfarben bei den Mädchen, bei den Jungs eher schlicht und blau. Manchmal wünscht sich aber auch ein Junge einen Ranzen in knalligem Lila." Dank der Badges mit Klettverschluss kann man trotzdem einen Fußball oder einen Dino als Deckel-Deko wählen. "Weltraum ist bei Jungs aktuell ein Thema, Elon Musk und seine Rakete oder die Marssonde sind häufig in den Nachrichten. Bei den Mädchen sind Fische, Delphine oder Pferde hoch im Kurs", weiß Martin Voegels. Und Ballerinas oder Prinzessinnen.

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Ranzen statt Rucksack

"Der Trend geht definitiv wieder mehr zu den Ranzen", sagt Daniel Dickob-Berten. Das könne daran liegen, dass die Form der Ranzen robuster sei, als die der zuletzt sehr beliebten Schulrucksäcke – und "einfacher im Handling: Beim Rucksack muss man noch ein Band zuziehen, das dauert einfach länger". Den Ranzen hingegen könne man mit einer Hand schließen. "Ranzen finde ich besser", bekräftigt Orthopäde Dr. Peter Weih aus Mülheim/Ruhr. Er lobt die stabilere Bauart vieler Ranzenmodelle, die er für orthopädisch besser hält.

Das bestätigt auch Martin Voegels: "Ich habe mit meinen Kindern die Erfahrung gemacht, dass ein fester Ranzen den Vorteil einer klareren Innenstruktur hat." Auch in seinem Geschäft werden wieder eher festere Modelle gekauft. Beliebt sind bei Eltern und Kindern:

Kostenpunkt für diese Marken: Meist 200 Euro und mehr. Dafür ist alles dabei: ein komplett befülltes Mäppchen, zusätzlich ein Schlamperetui sowie Sporttasche oder -beutel. Da brauchen die Kids maximal noch Brotdose, Trinkflasche, Ranzen-Regenschutz und vielleicht einen Brustbeutel fürs Ausflugsgeld.

Sparpotenzial bieten Vorjahresmodelle, die viele Händler noch im Geschäft haben und rabattieren. Oft ist es die gleiche Bauart, nur die Optik ist eine andere.

Schulranzen: Vorjahres-Modelle sind oft rabattiert
Schulranzen-Spartipp: Modelle aus dem Vorjahr sind oft rabattiert
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Die Top-Tipps fürs Ranzen-Shoppen

Für beide Experten ist es der größte Eltern-Fehler überhaupt, dem Kind einen Ranzen aufzuzwingen. "Das Kind sollte den Ranzen aussuchen", findet Martin Voegels. So hat er es bei seinen eigenen drei Kindern auch gehandhabt. "Die Kinder laufen schließlich im Idealfall vier Jahre mit dem Ranzen herum."

Daniel Dickob-Berten erlebt es oft, dass Eltern fixiert sind auf eine Marke, etwa weil sie in den 1980ern selbst einen Scout hatten. Manchmal passe aber ein anderes Modell besser zum Kind. Seine drei Top-Tipps für Eltern:

  • Auf ein Produkt eines der führenden und nachgefragten Herstellers setzen
  • Der Ranzen sollte gut sichtbar sein im Verkehr
  • Auf die Ergonomie achten

Ergonomie beim Schulranzen oder -rucksack: So muss er sitzen

  • Martin Voegels empfiehlt, auf die Polsterung zu schauen: "Je näher am Rücken, desto besser. Bei vielen Herstellern wird der Ranzen mit einem Brust- und einem Hüftgurt fixiert, ähnlich wie bei Treckingrucksack." So sitzt er im Idealfall schön mittig auf dem Rücken und die Trägerriemen können nicht von den Schultern rutschen.
  • Orthopäde Dr. Peter Weih erklärt: "Die Oberkante des Schulranzens soll waagerecht verlaufen, etwa auf Schulterhöhe, und die Riemenbreite sollte ungefähr der Schulterbreite entsprechen, also ungefähr vier Zentimeter. Bei Trägergurte sollten beim Straffziehen auf die gleiche Länge eingestellt werden."
  • Es kursieren im Netz Formeln mit dem Maximalgewicht für den bepackten Schulranzen - 10 bis 12 % des Körpergewichts. Voegels hält davon wenig: Er würde eher einen etwas schwereren Ranzen wählen, der aber dafür gut sitzt und durch eine flexible Höhenverstellbarkeit "mitwächst", als nur das Gewicht des Ranzens zu betrachten. Schwerer heißt konkret 1.100 bis 1.200 Gramm Leergewicht.
  • Damit Eltern und Vorschulkind sich vorstellen können, wie sich ein beladener Ranzen im Schulalltag anfühlt, packen er und seine Mitarbeiter im Geschäft auch schon mal Gewichte rein. Das findet der Orthopäde goldrichtig: "Wir müssen Größe, Körperstatus und Trainingszustand des Kindes berücksichtigen."
  • "Die ganz leichten Ranzen mit 780 bis 850 Gramm nehmen wir bei sehr zarten Kindern, bei denen man auf jedes Gramm achten muss", weiß auch Ortloff-Verkäufer Dickob-Berten. Wichtig ist, dass die Kinder den Ranzen auch bepackt allein auf- und wieder absetzen können.

Was kann passieren, wenn der Schulranzen oder Schulucksack nicht gut sitzt?

"Im schlimmsten Fall geht das Kind ins Hohlkreuz, wenn der Ranzen überladen ist oder es beugt sich nach vorn", sagt Martin Voegels. Orthopäde Dr. Peter Weih zufolge ist das auch der Fall, wenn der Riemen des Rucksacks oder Ranzens zu lang ist – "ist er zu kurz, entwickelt sich ein Rundrücken." Die meisten Schulen haben zudem mittlerweile Fächer unter den Tischen oder Schließfächer, sodass die Kinder nicht immer alles auf dem Rücken mit sich herumtragen müssen. Viele Schüler erledigen ihre Hausaufgaben im Ganztag und lassen die Arbeitsmaterialien dann in der Schule.

Orthopäde Dr. Weih sieht in seiner Praxis mehr Schäden durch zu langes Sitzen vor Computer oder Mobiltelefon als durch schlecht sitzende oder zu schwere Schulranzen. Bei einem durchschnittlichen Schulweg von 15 Minuten kann der Schulranzen nicht so entscheidend Einfluss auf den kindlichen Bewegungsapparat nehmen wie etwa das mehrstündige Sitzen auf Stühlen in der falschen Größe im Klassenraum.

Der Mediziner rät vor allem von Ranzentrolleys ab, also von Roll-Gestellen, mit denen Kindern neuerdings auch schon mal Schulranzen hinter sich herziehen: "Da halte ich gar nichts von: Ob im Bus oder am Bordstein - die Kinder müssen die Trolleys an Kanten hochziehen oder sogar hochtragen – keine natürliche Körperhaltung. Da werden einseitig Muskelketten aktiviert. Die Belastung ist viel ungünstiger, als wenn sie den Ranzen auf dem Rücken tragen."

Sind Ranzen-Checks der Warentester eine gute Kaufhilfe?

Die Schulranzen-Checks von Ökotest und Stiftung Warentest halten beide Händler als alleinige Entscheidungshilfe für ungeeignet. "Ökotest legt sehr viel Wert auf die Schadstofffreiheit. Wenn der Ranzen aber leuchten soll wie die Westen der Müllmänner, ist es nicht möglich, eine solche Farbe ökologisch herzustellen, da muss man abwägen", gibt Martin Voegels zu bedenken und fügt hinzu: "Stiftung Warentest legt großen Wert darauf, dass der Ranzen gut sichtbar ist. Macht aber nicht so viel Sinn, wenn das Kind direkt neben der Schule wohnt."

Lese-Tipp: Der letzte Schulranzen-Check von Ökotest 2020

Orthopäde Dr. Peter Weih rät, darauf zu achten, ob der Ranzen das GS-Zeichen als Sicherheitsprüfsiegel trägt – und die DIN 51824 erfüllt. Er würde beim Kauf darauf achten, dass beim Imprägnieren keine gesundheitsschädlichen PFC-Stoffe verwendet werden und wie die Umweltbilanz des Ranzens aussieht: "Man sollte schon darauf achten, dass er klimaneutral gefertigt wurde – und unter fairen Arbeitsbedingungen. Oder man übernimmt den Ranzen eines älteren Geschwisterkinds."

Daniel Dickob-Berten weist darauf hin, dass sich bei manchen Ranzenmodellen Neon-Leuchtpads zukaufen lassen und so die Leuchtkraft erhöht wird. Aber natürlich können Tests oder Berichte Eltern Impulse liefern, worauf Eltern achten können beim Ranzenkauf oder wonach sie fragen sollten. Schließlich will die Entscheidung gut überlegt sein. Denn die künftigen Erstklässler sollen ihren ersten Ranzen ja möglichst tragen, bis sie auf der weiterführenden Schule auf einen lässigen Rucksack wechseln.

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