Millionen Schüler müssen Versäumnisse in der Schulpolitik ausbaden

Schuljahr startet mit großen Problemen - Angela Merkel lädt zum Bildungsgipfel ins Kanzleramt

Coronavirus - Schule in Baden-Württemberg
© dpa, Felix Kästle, lix dul bwe

13. August 2020 - 16:24 Uhr

von Heike Boese

Wer jemals einen Elternabend erlebt hat, weiß, dass Lehrer nichts so sehr fürchten wie verärgerte Eltern. So ähnlich mag es gerade der Bundeskanzlerin angesichts der Wut und Verzweiflung vieler Eltern gehen. Groß waren die Hoffnungen, dass nach Shutdown und Sommerferien wieder etwas mehr Alltag ins Leben von Eltern und Schülern einzieht. Aber offenbar haben nicht alle Schulen und Lehrer die vergangenen Monate genutzt, um ihre Hausaufgaben zu machen.

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Schulen und Lehrer haben den Sommer nicht genutzt, um ihre "Hausaufgaben" zu machen

Immer noch sind bundesweit die Schulen nicht ausreichend mit PCs ausgestattet, das Internet ist zu langsam, viele Schüler haben kein eigenes Tablets, mehrere Geschwister teilen sich ein Gerät – da sind Konflikte programmiert und ein gutes Lernen beinahe unmöglich. Auch haben längst nicht alle Lehrer Dienstgeräte, arbeiten auf ihren privaten zum Teil veralteten Laptops.

Eltern berichten, dass die Aufgaben, die die Kinder bekommen, oft unmodern und langweilig seien und einige Lehrer offenbar weit hinter den digitalen Fähigkeiten ihrer Schüler zurückliegen. Weil diese Probleme nicht neu sind, hatte der Bund schon vor Monaten einen milliardenschweren Digitalpakt für Bildung auf die Beine gestellt. Das Geld wird allerdings nur spärlich abgerufen.

Hygienevorschriften bei brütender Hitze - eine echte Herausforderung

Auch die Corona-bedingten Hygienevorschriften machen vielen Schülern und Lehrern zu schaffen. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen hat am Mittwoch die Schule wieder begonnen – bei brütender Hitze und unter besonders strengen Vorgaben. Schüler ab der fünften Klasse müssen auch im Unterricht Maske tragen. Diese Regelung gilt flächendeckend bisher nur in NRW. Dass das bei der derzeitigen Hitze kein Vergnügen ist, kann sich jeder vorstellen. Erste Eltern klagen schon gegen diese Vorschrift. Anderswo mussten Schulen kurz nach dem Start wieder schließen, weil Schüler an Corona erkrankt waren – zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Große Koalition in Berlin will die Versäumnisse in der Schulpolitik nicht länger hinnehmen

Grundsätzlich ist Bildung in Deutschland in der Verantwortung der Bundesländer, aber so einfach ist es nicht. Für die Bekämpfung der Folgen der Corona-Pandemie ist die Bundesregierung auf jeden Fall mitverantwortlich. Und so haben die Bundeskanzlerin und die Vorsitzende des Koalitionspartners SPD, Saskia Esken, zu einem informellen Schulgipfel nach Berlin eingeladen. Außerdem dabei: Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) und jeweils drei Kultusminister aus SPD- und CDU-geführten Bundesländern.

Die Probleme, die hier beraten werden, gab es schon vor den Sommerferien – der Gipfel also deutlich zu spät. Und Beschlüsse wird es auch nicht geben. Am Ende werden die Versäumnisse in der Bildungspolitik die Schüler tragen müssen. Für die Bildungspolitiker heißt das: Nachsitzen! 

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