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Schulen verbieten Kindern "beste Freunde" zu haben - was soll das denn bitte?!

Schulen verbieten Kindern "beste Freunde" zu haben
Beste Freunde - was wären wir ohne? © Christian Schwier - Fotolia, Christian Schwier

Ein Kommentar von Lars Vollmering

Über diesen Trend aus Großbritannien wird schon jetzt sehr kontrovers diskutiert: Dort, aber auch in einigen anderen europäischen Ländern und US-Bundesstaaten, verbieten immer mehr Schulen Kindern andere Mädchen oder Jungen zu ihren engsten Freunden zu erklären. Bekannt wurde das Phänomen durch die Schule von England-Prinz George. Der Thronfolger und der Rest der Schülerschaft dürften keinen "besten Freund haben", um keine Schüler auszuschließen, hieß es.

Zur Geburtstagsfeier darf jeder kommen

Der Hintergrund ist denkbar simpel: Keines der Kinder solle bevorzugt oder benachteiligt werden. Nach dem Modell wären also alle gleichgestellt. Das bedeutet zum Beispiel auch: Bei Geburtstagsfeiern müssen grundsätzlich alle Schüler einer Klasse eingeladen werden. Alle sind dabei, keiner fühlt sich ausgegrenzt. Denn das, so berichten Kinder-Psychologen, sei ein immer größeres Problem. Viele Kinder fühlten sich ausgeschlossen, wenn niemand sie zum "besten Freund" haben wolle. Im Grunde gehe es aber darum Freunschaften zu fördern und nicht zu verhindern oder zu beenden.Wir möchten dazu gern Ihre Meinung wissen: Keine besten Freunde mehr - ist das pädagogisch sinnvoll oder Blödsinn? Stimmen Sie jetzt ab!

Natürlich gibt es Unterschiede

Es ist ja vielleicht nett gemeint: Kinder krönen niemanden zu ihrem "besten Freund", damit die anderen sich nicht ausgegrenzt fühlen. Damit werden dann womöglich Mobbing, Minderwertigkeitskomplexe und emotionale Enttäuschungen reduziert. Doch es ist blauäugig zu denken, man könnte Freundschaften oder Nicht-Freundschaften verordnen. Als zweifacher Vater weiß ich genau, dass Kinder ein sehr gutes Gespür haben, mit wem sie sich umgeben möchten. Das passiert wie bei Erwachsenen auch: nach Sympathie, Interesse, Chemie. Und natürlich gibt es Unterschiede, mit wem man klar kommt oder den besten Draht hat. Das ist nicht negativ zu bewerten, nein, es ist menschlich.

Ich selbst habe Freunde, beste Freunde, die ich schon im Kindergarten kannte. Freundschaften, die sich aus dem Sandkasten über die Jahre auch entwickelt und gefestigt haben. Beziehungen, die einem Sicherheit gaben. Mit denen man sich auch bewusst von anderen abgegrenzt hat, zu denen man eben nicht den Draht hatte. Wer sagt, er mag alle Menschen, ist, überspitzt ausgedrückt, entweder Papst oder unehrlich. Das heißt nicht, dass wir in der Erziehung unserer Kinder keinen Wert auf Offenheit, Toleranz sowie gegenseitige Wertschätzung und Empathie Wert legen sollten. Im Gegenteil. Das geschieht aber nicht mit der Order, dass man keinen "besten Freund" haben dürfte. Mir hätte ohne einen definitiv etwas im Leben später gefehlt.

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