Viele Bundesländer fahren weiter ihren ganz eigenen Schulkurs

Kritik an Schulschließungen bis zum 15. Februar

Einige Bundesländer fahren ihren eigenen Schulkurs.
© dpa, Hauke-Christian Dittrich, hcd htf

22. Januar 2021 - 8:59 Uhr

Die Bundesregierung dringt auf Einhaltung der Corona-Schulbeschlüsse

Bund und Länder haben es gestern beschlossen: Neben einem verlängerten Lockdown, mehr Homeoffice und einer medizinischen Maskenpflicht sollen auch die Schulen in Deutschland bis Mitte Februar geschlossen bleiben. Für die Entscheidung gab es nach dem Bund-Länder-Treffen harsche Kritik. Akzeptieren wollen viele Bundesländer das nicht und fahren da wohl ihren eigenen Kurs. Gibt es Präsenzunterricht für viele Schüler doch noch vor dem 14. Februar? Die Bundesregierung mahnt dringend zur Einhaltung der Corona-Beschlüsse.

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Söder: Präsenzunterricht für Abschlussklassen ab dem ersten Februar wieder möglich

In Bayern sollen nach jetzigem Stand für Abschlussklassen für das Abitur und für Berufsabschlüsse ab dem ersten Februar wieder der sogenannte Wechselunterricht in den Schulen beginnen. "Ab dem ersten Februar bis zum 14. Februar beginnen wir mit einem ganz kleinen Bereich, nämlich mit den Abschlussklassen für Abitur und für die Berufsabschlüsse, weil dort stehen die Prüfungen relativ zeitnah an, sodass wir dort beginnen werden mit Wechselunterricht", sagte Markus Söder (CSU). Es hänge allerdings vom Infektionsgeschehen ab. Sollten die Zahlen wieder stark steigen, "dann wird es nicht gehen", sagte Söder. Gehe der Trend weiter wie derzeit, dann werde der Schritt umgesetzt. Es wären dann etwa 2,3 Prozent der Schülerinnen und Schüler im Präsenzunterricht.

Kultusministerin Eisenmann: Grundschüler ab dem ersten Februar zurück in die Klassen

Auch in Baden-Württemberg soll es für einen Teil der Schüler schon wieder früher zurück in die Schule gehen. Die dortige Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) will die Schüler im Februar schrittweise an die Schulen zurückholen. Die Grundschulen sollen ab ersten Februar wieder in den Präsenzunterricht einsteigen, betont Eisenmann in einem Brief an das Staatsministerium. In der ersten Februarwoche könnten zunächst die ersten und zweiten Klassen zurückkehren, während die dritten und vierten Klassen noch eine Woche länger zuhause lernen.

Kitas im Südwesten sollen nach Eisenmanns Vorstellung ab dem ersten Februar mit Betrieb in festen Gruppen wieder komplett öffnen. Für die Klassen 5. bis 7. soll es zunächst Wechselbetrieb geben. Spätestens ab dem 22. Februar sollen alle weiterführenden Schulen mit dem Wechselunterricht begonnen haben. Die Präsenzpflicht bleibe weiterhin ausgesetzt, schreibt sie. Die baden-württembergische Landesregierung will kommende Woche über ein Öffnungskonzept entscheiden.

So zufrieden sind Eltern mit dem Einsatz der Lehrerinnen und Lehrer ihrer Kinder.

Einige Bundesländer wollen Präsenzunterricht für Grundschüler vor dem 15. Februar möglich machen

Auch in anderen Bundesländern wird zum Teil überlegt, zumindest an den Grundschulen schon früher wieder in den Präsenzbetrieb einzusteigen. In Niedersachsen findet bereits eingeschränkt Präsenzunterricht für die Kleinsten statt. Und dort, wo Einrichtungen auch bisher gar nicht grundsätzlich geschlossen sind, sondern lediglich die Empfehlung an Eltern ausgesprochen wurde, Kinder nicht in die Betreuung zu geben, nutzen Familien das weiter bestehende Angebot auch.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) verwies am Mittwoch darauf, dass in seinem Bundesland nur acht Prozent der Schüler in den Grundschulen und 20 Prozent der Kinder aktuell in den Kitas seien. Bei den Nachbarn in Mecklenburg-Vorpommern sei dagegen jedes dritte Kind in der Grundschule und in Hamburg seien 50 Prozent der Kinder in den Kitas.

Baerbock fordert neue Lösungen: „Diese Kinder haben weiter ein Recht auf Bildung“

Nicht zufrieden mit den Beschlüssen für Schulen und Kitas ist die Bundesvorsitzende der Grünen, Annalena Baerbock. Sie fordert Lösungen für Schulkinder, die in der Corona-Pandemie nicht von zu Hause aus lernen können - sei es durch fehlende Endgeräte, nicht funktionierende Technik oder Lernplattformen, die zusammenbrechen. Es sei "fatal", dass bei den Bund-Länder-Beratungen am Dienstagabend nichts über die Schulschließungen hinaus beschlossen wurde. "Das wäre in so einem Beschluss auch nötig gewesen", sagte Baerbock im RTL-Interview.

Die Grünen-Politikerin schlägt vor, dass Kinder, die durch Homeschooling oder Fernunterricht nicht erreicht werden, in der Schule unterrichtet werden könnten. "Diese Kinder haben weiter ein Recht auf Bildung." Gleichzeitig begrüßt Baerbock den Beschluss von Bund und Ländern: "Wir müssen einen Schutz für alle schaffen." Die Infektionszahlen seien auch in Schulen und Kitas gestiegen, weshalb Maßnahmen nötig seien.

Giffey: Schulen und Kitas wieder als erstes öffnen

Auch Familienministern Giffey sieht die Corona-Beschlüsse zu Schul- und Kitaschließungen als dringend notwendige Maßnahme. Allerdings sollen Schulen die ersten Einrichtungen sein, die wieder öffnen. "Diese Entscheidungen sind notwendig, um zu vermeiden, dass wir noch über Monate in einer Situation wie jetzt bleiben müssen", sagte die Ministerin am Mittwoch in Berlin. Die Kinderbetreuung etwa in Schulen und Kitas müsste als erstes wieder starten, "sobald es das Infektionsgeschehen zulässt und sobald wir auch über konkrete Öffnungsstrategien sprechen können."

Braun: „Das ist uns nicht leicht gefallen, weil wir ganz genau wissen, was das für Eltern und Familien heißt"

Kanzleramtschef Helge Braun hat den Bund-Länder-Beschluss, bis Mitte Februar die Präsenzpflicht für Schulen und Kitas auszusetzen, verteidigt. "Wir müssen mit den Neuinfektionszahlen so schnell wie möglich runter, und deshalb müssen wir so viele Maßnahmen gleichzeitig durchhalten. Dazu gehört auch, dass die Schulen bis auf Weiteres geschlossen bleiben", sagte Braun im Interview mit den Sendern RTL und n-tv. Die Maßnahmen seien Bund und Ländern "nicht leicht gefallen". Es gebe aber ernstzunehmende Hinweise darauf, dass die mutierte Virus-Variante, die in Großbritannien entdeckt worden war, sich bei Kindern ähnlich ausbreite wie bei Erwachsenen, so der Kanzleramtschef.

Über das Thema Schulschließungen hätten die Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel(CDU) am Dienstagabend viel diskutiert. "Das ist uns nicht leicht gefallen, weil wir ganz genau wissen, was das für Eltern und Familien heißt. Aber wir müssen jetzt daran arbeiten, dass diese Virusmutation in Deutschland nicht Platz greift", sagte Braun.

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