So soll es nach dem Lockdown weitergehen

Schulöffnungen: Kultusminister der Länder erarbeiten Drei-Stufen-Plan

05. Januar 2021 - 8:52 Uhr

Kultusminister: Wenn Lockerungen, dann die Schulen zuerst!

Die 16 Bundesländer sollen nach dem Willen der Kultusminister selbst entscheiden können, wann sie mit einer Teilöffnung der Schulen beginnen. Das geht aus einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Beschlussentwurf der Kultusministerkonferenz hervor, der ein dreistufiges Verfahren vorsieht. "Sollte es zu Lockerungen der im Dezember 2020 beschlossenen Maßnahmen kommen, müssen die Schulen von Anfang an dabei sein", fordern die Kultusminister.

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So sieht der Drei-Stufen-Plan aus

Die Kultusminister kamen in ihren Beratungen zu dem Ergebnis, dass die im Dezember beschlossenen Lockdown-Maßnahmen "in Deutschland oder in einzelnen Ländern" fortgeführt werden müssten.

"Sollten es die Situationen in den einzelnen Ländern zulassen", könne man aber wie folgt vorgehen:

  1. In einer Stufe eins sollten zunächst die Schüler der Klassen 1 bis 6 wieder in die Schulen gehen.
  2. In Stufe zwei soll es dann ergänzenden Wechselunterricht an den allgemeinbildenden und beruflichen weiterführenden Schulen ab Jahrgangsstufe 7 geben.
  3. Erst eine dritte Stufe sieht die vollständige Rückkehr eines Präsenzunterrichts für alle Schüler vor. Ausnahmen soll es weiterhin für Abschlussklassen geben, damit deren Vorbereitung auf Prüfungen "angemessen" begleitet werden könne.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und die 16 Ministerpräsidenten wollen am Dienstag über die Fortführung der Corona-Maßnahmen entscheiden.

Lesetipp: Sind Schulen Corona-Hotspots?

Sind Schulen laut aktueller Erkenntnisse Hotspots, in denen viele Corona-Ansteckungen passieren? Wir haben darüber mit Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor Hygienezentrum Bioscientia, gesprochen.

Diese Länder stellen die ersten Weichen für Homeschooling

In einzelnen Ländern stellten die Behörden bereits die Weichen für den Schulbeginn nach den Ferien.

Baden-Württemberg

Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) bekräftigte ihre Forderung, Kindergärten und Grundschulen auf jeden Fall schon ab dem 11. Januar wieder zu öffnen. "Es gibt viele Kinder- vor allem aus sozial schwächeren Verhältnissen -, die beim Lernen leider keine Unterstützung ihrer Eltern erhalten", sagte die CDU-Politikerin der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten". Kinder benötigten die Struktur und Stabilität durch Schulalltag und Präsenzunterricht.

Hamburg

In Hamburg sollen wegen der weiter zahlreichen Corona-Neuinfektionen viele Schüler noch bis voraussichtlich Ende Januar zu Hause lernen. Der Senat der Hansestadt hatte die Anwesenheitspflicht für eine weitere Woche ausgesetzt und nicht ausgeschlossen, dass es auch in den letzten beiden Januarwochen keinen regulären Präsenzunterricht geben wird.

Hessen

Die hessische Landesregierung spricht sich dafür aus, den Kindern und Jugendlichen in der Corona-Pandemie so bald wie möglich wieder Unterricht in der Schule zu erlauben. Hessen setze sich natürlich für so viel Präsenzunterricht wie infektiologisch vertretbar ein, erklärte ein Sprecher von Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Das gelte aber nicht um jeden Preis und in einem ersten Schritt vor allem für jüngere Jahrgängen sowie für die älteren im Wechselmodell.

Rheinland-Pfalz

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sagte bei SWR Aktuell, der Fernunterricht an den Schulen in Rheinland-Pfalz solle auf jeden Fall mindestens bis zum 15. Januar weiterlaufen. "Wir hoffen, dass wir dann aber auch Stück für Stück wieder mehr Schule in der Schule machen können." Auch das sei allerdings abhängig von den Corona-Zahlen. Möglich sei Wechselunterricht. Wichtig sei, dass die Abschlussklassen ihre Prüfungen ablegen könnten. "Deswegen beginnt bei uns am 7. Januar ja auch das Abitur regelhaft."

Schleswig-Holstein

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) will die Schulen in ihrem Land zunächst weiter geschlossen lassen. "Angesichts des Infektionsgeschehens und der unsicheren Datenlage bin ich Schulöffnungen im Präsenzunterricht zum 11. Januar gegenüber sehr skeptisch", sagte sie der "Bild"-Zeitung. "Jetzt kommt es darauf an, die Fortschritte des digitalen Lernens auszuschöpfen."

Bildungsministerin Karliczek: Präsenzunterricht "nicht vorstellbar"

Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, eine vollständige Rückkehr zum Präsenzunterricht in allen Jahrgängen sei aufgrund der derzeitigen Infektionslage "nicht vorstellbar". Weniger eindeutig scheint die Lage bei Grundschulen und Kitas, über deren Wiederöffnung die Meinungen stärker auseinander gehen als bei weiterführenden Schulen.

Schon am Wochenende zeichnete sich ab, dass der zunächst bis zum 10. Januar geltende Lockdown verlängert wird. Die Ministerpräsidenten, deren Länder besonders stark von der zweiten Infektionswelle betroffen sind, forderten eine Lockdown-Verlängerung um weitere drei Wochen bis Ende Januar.

SPD-Chefin Saskia Esken bezeichnete eine schnelle Rückkehr der Schulen zum Regelbetrieb nach dem 10. Januar als "illusorisch". Sie sagte der "Rheinischen Post" "Die weiterführenden Schulen sollten ihre Schüler und Schülerinnen in den nächsten Wochen weiter in Distanz unterrichten." Auch wenn die Infektionszahlen Ende Januar erste Lockerungen möglich machten, werde volle Präsenz nur in den Grundschulen möglich sein.

Kevin Kühnert, stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD sagte: "Wir stehen zu dem, was die Kultusministerkonferenz beschlossen hat. Bildung hat Priorität, wo immer möglich, auch in Präsenz, mit den beschlossenen Schutzmaßnahmen", so Kühnert im "Frühstart" von RTL/ntv. Kühnert plädiert zudem für Unterricht in klar abgegrenzten Gruppen. Als Regel müsse gelten: "Je jünger, desto mehr Präsenz."

Digitalunterrricht: Heftige Kritik vom Lehrerverband

Der Deutsche Lehrerverband kritisiert die Politik: Alle Schulministerien hätten zu Beginn des Schuljahres einen großen Fehler gemacht, so Meidinger: "Sie haben sich ausschließlich auf das Szenario des Präsenzunterrichts konzentriert und den Eindruck erweckt, dass es keinen neuerlichen Lockdown mit Auswirkungen auf die Schulen geben werde," sagte er im Interview mit ntv.de

Gleichzeitig sei versäumt worden, die Schulen ausreichend auf Digitalunterricht und eine neue Phase des Distanzlernens vorzubereiten. "Die Kultusministerinnen und -minister haben schlicht ihre Hausaufgaben im Sommer und Herbst nicht ordentlich erledigt."

"Wechselunterricht ist das Gebot der Stunde“

Auch die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe, plädiert im RTL-Interview angesichts der aktuellen Corona-Lage für ein Wechsel-Schul-Modell: "Die Zahlen sind noch nicht zu bewerten und so lange muss es noch einen Shutdown der Schulen geben. Und dann kann entschieden werden über Wechselunterricht. Wechselunterricht ist, denke ich, das Gebot der Stunde." Was sie darüber hinaus noch zum Thema digitaler Ausstattung an Schulen sagt – das ganze Interview sehen Sie im Video.