Gipfeltreffen bei Angela Merkel

Schule wird Chefsache: Wie kommen die Schulen durch den Corona-Winter?

21. September 2020 - 13:17 Uhr

Flächendeckender Lockdown unbedingt verhindern!

Allein in NRW befinden sich derzeit 7.000 Schüler und rund 580 Lehrer in Quarantäne. Bei 238 Schülern und 46 Lehrkräften sei eine Infektion mit dem Virus bestätigt worden, berichtete die "Rheinische Post". Diese Zahlen zeigen deutlich: Die Schulen brauchen einen Plan, wie es im Corona-Winter weitergehen soll. Einen flächendeckenden Lockdown wie im Frühjahr heißt es um jeden Preis zu verhindern – und auch deswegen hat Kanzlerin Angela Merkel das Thema Schulen zur Chefsache erklärt.

Bildungsminister aus Bund und Ländern, SPD-Chefin Saskia Esken und Merkel treffen sich am Montagabend zum Schulgipfel. Dort soll über weitere Schritte bei der Schuldigitalisierung gesprochen werden. Die Schulschließungen im Frühjahr haben schließlich mehr als deutlich gezeigt, wo es in unseren Schulen hakt.

Merkel: "Gemeinsam alles dafür zu tun, dass Kinder nicht die Verlierer der Pandemie sind"

Anja Karlicek
Bundesbildungsministerin Anja Karliczek appelliert an alle, die Hygieneregeln einzuhalten. Nur so könne der Schulbetrieb beibehalten werden.
© deutsche presse agentur

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek appelliert an alle, die Hygieneregeln einzuhalten. Nur so könne der Schulbetrieb beibehalten werden. Schule sei keine isolierte Veranstaltung. "Die Gesellschaft hat es durch ihr Verhalten insgesamt stark in der Hand, wie der Schulbetrieb in den nächsten Monaten laufen wird", sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur.

Merkel nannte den Termin in ihrem Videopodcast am Wochenende "ein wichtiges Treffen". Zwar liege die Zuständigkeit für die Schulen bei den Ländern, aber es gehe jetzt darum, "gemeinsam alles dafür zu tun, dass Kinder und Jugendliche nicht die Verlierer der Pandemie sind. Dies ist mir auch persönlich ein ganz wichtiges Anliegen".

Vertreter von Bund und Ländern betonten, dass flächendeckende Schulschließungen, wie im Frühjahr, vermieden werden sollen. Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) sagte: "Die gesamte Schulfamilie ist sich einig, dass wir den Präsenzunterricht aufrechterhalten und keine Schulschließungen mehr wollen."

Darum geht es beim Schulgipfel

Das Treffen knüpft an ein Gespräch Merkels, Eskens und mehrerer Ländervertreter im August an. Hier wurde über eine günstige mobile Internetflatrate für Schüler und Dienstlaptops für Lehrer gesprochen. Die 500 Millionen Euro für die Dienstgeräte sollen aus dem Corona-Aufbauprogramm der EU finanziert werden. Das gibt es allerdings noch gar nicht. Nach dpa-Informationen könnte es darum gehen, dass Bund und Länder das Geld vorstrecken, damit es schneller geht.

Weitere Themen sind:

  • Anschluss der Schulen an schnelles Internet
  • die Fort- und Ausbildung von Lehrern
  • Aufbau bundesweiter Online-Bildungsinhalte
  • Esken brachte am Wochenende auch kostenlose Nachhilfe für benachteiligte Schüler ins Gespräch

Das wurde bereits auf den Weg gebracht:

  • Der "Digitalpakt Schule" (5,5 Milliarden Euro) für den Aufbau der Infrastruktur an den Schulen war im Zuge der Corona-Krise um 500 Millionen Euro vom Bund aufgestockt worden.
  • Mit dem Geld können die Schulen Leihgeräte für bedürftige Schüler anschaffen für den Fall erneuten Fernunterrichts.
  • Außerdem sollen die Ausbildung und Finanzierung von IT-Administratoren in den Förderkatalog des Digitalpakts aufgenommen werden, damit die Technik an den Schulen professionell betreut wird.
  • Eine entsprechende Vereinbarung zwischen Bund und Ländern ist nach Angaben Karliczeks "fast unterschriftsreif".

Lehrer sehen Fortschritte, aber...

Der Deutsche Lehrerverband und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hatten zuletzt von Fortschritten bei der Schuldigitalisierung gesprochen. Allerdings sei noch viel Luft nach oben. Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sagte: "Unser Problem ist im Moment nicht das Geld. Unser Problem ist tatsächlich die Umsetzung." Angesichts von 30 bis 40.000 Schulen und 800.000 Lehrkräften in Deutschland, sei da ein "dickes Brett" zu bohren. 

Auch beim Thema Lüften schlägt der Lehrerverband Alarm: "Lüften geht nur, wenn Fenster ganz zu öffnen sind. Und mir schwant auch, dass wenn draußen wieder Minusgrade herrschen, dass das dann nicht so einfach wird, mit dem Lüften", mahnt der Präsident des deutschen Lehrerverband Heinz Peter Meidinger im RTL-Interview.

Über Schulen und digitale Ausstattung zu reden könne nur ein erster Schritt sein, sagte die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Elke Hannack: "Wir brauchen noch in diesem Herbst einen echten Corona-Bildungsgipfel, denn die Corona-Krise trifft Kitas, Schulen, berufliche Bildung, Weiterbildung und Hochschulen gleichermaßen." Dabei müssten auch die Beschäftigten im Bildungssystem, Eltern, Schüler, Studenten und Azubis zu Wort kommen.

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