Schule, Novemberhilfe, Corona-Warn-App

So peinlich ist Deutschlands Digital-Versagen

Bamberg, Deutschland 04. Januar 2021: Ein Kind sitzt an einem Tisch in einer Wohnung auf dem ein aufgeklappter Laptop m
© imago images/Fotostand, Fotostand / K. Schmitt via www.imago-images.de, www.imago-images.de

12. Januar 2021 - 15:05 Uhr

Kommentar von Frauke Holzmeier

Deutschland ist nicht nur das Land der Dichter und Denker, sondern auch der Ingenieure, Maschinen- und Autobauer. Nur das mit der Digitalisierung klappt ausgerechnet in der Krise nicht so richtig. Die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt scheitert an Software-Problemen, um dringend benötigte Hilfsgelder an Unternehmen auszuzahlen, bei vielen Schulen ist digitaler Unterricht noch immer "Neuland" und auch die Diskussionen um die Corona-Warn-App reißen nicht ab. Das ist einfach nur noch peinlich.

Software-Probleme einfach nur peinlich

Es läuft nicht alles schlecht. Wer in diesen Tagen mit Gastronomen oder Soloselbstständigen spricht, hört häufig diesen Satz: Eigentlich läuft es in Deutschland gut. Kein anderes Land der Welt ist bereit, so großzügige Hilfsgelder auszuzahlen. Doch 'eigentlich' ist hier das Zauberwort. Denn noch immer warten betroffene Betriebe auf die Auszahlung der November-Hilfen. Schuld sind seit Wochen andauernde Software-Probleme. Wie kann das sein? Schließlich geht es hier um die Existenz von tausenden Betrieben und damit auch um unser aller Wohlstand. Wollen wir wirklich riskieren, dass das Lieblingsrestaurant um die Ecke in die Insolvenz gehen muss, nur weil es mit einer Antrags-Software nicht klappt? Das darf einfach nicht sein.

Digitaler Unterricht darf nicht Neuland sein

Zumal es nicht das einzige Digital-Versagen der Politik ist. Seit dem Frühjahr vergangenen Jahres ist klar: Im Notfall muss Unterricht auch digital möglich sein. Dafür stehen sogar Milliarden Euro bereit. Doch das Geld aus dem Digitalpakt wird durch die Bundesländer zu zögerlich abgerufen. Das Ergebnis: Es fehlen Laptops und Tablets für Lehrer und Schüler, Schulserver brechen zusammen und das einzige, was vielen Schülern bleibt, sind Aufgabenblätter, die per E-Mail zu ihnen nach Hause kommen. Das reicht einfach nicht! Denn auch in der Pandemie haben sie ein Anrecht auf Bildung. Wäre das Digital-Problem im Sommer vernünftig angegangen worden, wäre die Debatte um die Schulschließungen auch nicht so eskaliert. Das Ziel muss sein, dass digitaler Unterricht genauso gut ist wie Präsenzunterricht. Und die Verteilung der Gelder nicht an unüberwindbaren bürokratischen Hürden scheitert. Zumindest für eine gewisse Zeit.

Corona-Warn-App zu teuer

Und dann wäre da ja auch noch die Corona-Warn-App. Zu Anfang hoch gelobt, doch hinter den Erwartungen bleibt sie zurück. Und das liegt nicht unbedingt daran, dass in Deutschland – wie in den vergangenen Wochen oft bemängelt – der Datenschutz im Wege steht. Ja, mit weniger Datenschutz hätte es so manches Gesundheitsamt leichter, Kontakte zurückzuverfolgen. Zumal in vielen Gesundheitsämtern noch Fax und Bleistift zum Einsatz kommen. Doch dann hätte die Corona-Warn-App von Anfang an anders gebaut und vielleicht auch professionell beworben werden müssen. Viel schlimmer ist, dass die mit rund 70 Millionen Euro ziemlich überteuerte App bei vielen Menschen kaum Vertrauen genießt, es Monate gedauert hat, bis die Mehrheit der Labore an das System angeschlossen wurden und auch das Betreiben der App – inklusive Call-Center und unterschiedlichen Meldewegen – ein ziemlich teures Unterfangen ist.

Deutschland muss bei der Digitalisierung aufholen. Das zeigt uns die Corona-Pandemie auf schmerzlichen Weg. Denn was derzeit schiefläuft, ist nicht nur peinlich, es bedroht Existenzen, die Zukunft von Schülern und damit unser aller Wohlstand.