Lehrer bemängeln große Wissenslücken

Umfrage zeigt: Corona lässt Schüler erheblich zurückfallen

Kinder haben Lerndefizite durch Homeschooling und Wechselunterricht .
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14. Januar 2021 - 9:12 Uhr

Fern- und Wechselunterricht hat bei Schülern Spuren hinterlassen

Seit Monaten findet Schule nicht regulär statt, sondern in den eigenen vier Wänden per Fernunterricht oder im Wechselmodus zwischen Klassenraum oder Kinderzimmer. Während der digitale Unterricht bei manchen Lehrern mittlerweile besser funktioniert, haben andere teilweise kaum Kontakt zu ihren Schülern oder erreichen sie nur sporadisch. Auch der Unterricht von zuhause aus und das Lernen vor dem Pc ist nicht zu vergleichen mit dem, wie Schule sonst funktioniert. Das hat bei den meisten Schülern Spuren hinterlassen. Gravierende Lernrückstände sind das Ergebnis – das zeigen jetzt Ergebnisse einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der Robert-Bosch-Stiftung in Stuttgart.

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Schule im Lockdown: Besonders Förderschüler leiden unter der Situation

Knapp jeder dritte Lehrer bemängelt bei mehr als der Hälfte der Schüler messbare Defizite. Rund jeder Zehnte befragte Pädagoge gibt dazu an, dass die Pandemie zu Lernrückständen bei fast allen Schülern geführt habe. Rund 30 Prozent gehen davon aus, dass weniger als die Hälfte der Schüler Lernrückstände aufweisen. Besonders Förderschüler leiden der Umfrage zufolge unter den Corona-Bedingungen. Hier bestätigt jede zweite Lehrkraft (54 Prozent) bei mehr als der Hälfte der Schülerschaft messbare Lernrückstände.

Diese Regeln gelten für Schulen und Kitas in Ihrem Bundesland.

Digitale Ausstattung in Deutschland kaum vorangekommen - Lehrer nutzen mehr Software für Erklärvideos

Bei der digitalen Ausstattung sind die Schulen in Deutschland nach Auffassung der Lehrer trotz Corona-Krise kaum vorangekommen. Mehr als 60 Prozent der befragten Lehrkräfte gaben an, dass sie weniger gut oder schlecht auf den Fernunterricht vorbereitet seien. Dieser Wert ist im Vergleich zum April (66 Prozent) nur wenig gesunken.

Trotzdem haben die Lehrer nach eigenen Angaben beim Einsatz von Geräten und Software dazugelernt. So berichteten 62 Prozent der Befragten, digitale Technik zur Vermittlung und Aneignung neuer Lerninhalte zu nutzen - zum Beispiel für die Erstellung eigener Erklärvideos. Zu Beginn der Pandemie im Frühjahr machten dies nur 36 Prozent.

Wie sehr Home-Schooling ärmere Kinder trifft, lesen Sie hier.

KMK-Präsidentin: "Deutschland hängt bei der Digitalisierung der Schulen fünf bis acht Jahre zurück"

Der Digitalpakt hätte früher kommen müssen, das wäre besser gewesen, sagte die neue Präsidentin der Kultusministerkonferenz und brandenburgische Schulministerin Britta Ernst (SPD) im Interview mit der Zeit. "Deutschland hängt bei der Digitalisierung der Schulen fünf bis acht Jahre zurück". Das könne man nicht in neun Monaten aufholen.

Es gelte deshalb jetzt im zweiten Lockdown nochmal ordentlich nachzurüsten, sagte der Präsident des Lehrerverbandes Heinz-Peter Meidinger im RTL-Interview. "Die Lernplattformen laufen noch nicht rund. Wir haben immer noch an der Hälfte der Schulen kein schnelles Internet. Das sollte dringen nachgebessert werden und wir brauchen ein Gesamtkonzept, wie wir mit den Lernrückständen umgehen." Das Ziel Lernrückstände aus diesem und aus dem letzten Schuljahr aufzuholen, könne nicht erreicht werden. Ein Langfristplan sei deshalb notwendig, sagte Meidinger.

Hier finden Sie alles zum Thema rund um Home-Schooling.