Lehrer eher gefährdet als Schüler

Schule als Infektionsherd? RKI-Untersuchung sieht Schüler "eher nicht" als Pandemiemotor

Schule als Infektionsherd? RKI sieht Schüler "eher nicht" als Pandemiemotor
Schule als Infektionsherd? RKI sieht Schüler "eher nicht" als Pandemiemotor
© dpa, Gregor Fischer, fis tba

25. Februar 2021 - 18:03 Uhr

Treiben Schulöffnungen die Pandemie oder nicht?

Das Robert Koch-Institut (RKI) ist der hoch umstrittenen Frage nach dem Beitrag von Schulen zur Pandemie in Deutschland nachgegangen. Eine Analyse von Meldedaten und Studien lege nahe, dass Schülerinnen und Schüler "eher nicht als "Motor" eine größere Rolle spielen".Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten RKI-Online-Publikation hervor. Allerdings analysierten die Forscher nur laborbestätigte Fälle. Wie viele Infektionen unentdeckt bleiben, ist unklar.

+++Alle Infos und Entwicklungen rund um die Corona-Pandemie auch in unserem Liveticker auf RTL.de+++

Untersuchung im Zeitraum zwischen Anfang August und Mitte Dezember

Lehrkräfte spielten "eine vielleicht wichtigere Rolle" als Schüler, heißt es. "Auftretende Ausbrüche sind im Regelfall im beobachteten Zeitraum klein und etwa die Hälfte beschränkt sich auf die Jahrgänge oder Klassen", stellten die Wissenschaftler fest. Größere Ausbrüche - in einem Fall mit 55 Fällen - kämen zwar vor, seien aber "insgesamt ein seltenes Ereignis".

Der Hauptfokus der Untersuchung lag auf Ausbrüchen, die zwischen Anfang August und Mitte Dezember ans RKI gemeldet wurden, also zwischen Ende der Sommerferien in ersten Bundesländern und dem Beginn des verschärften bundesweiten Lockdowns.

Lehrkräfte wohl eher gefährdet, sich in der Schule mit Corona anzustecken

Als auffällig beschreiben die Wissenschaftler einen weiteren linearen Anstieg der Schulausbrüche auch nach Beginn des Lockdown light Ende 2020. Diese gingen vor allem auf die jüngeren Altersgruppen zurück. "Dies deutet daraufhin, dass auch unter jüngeren Altersgruppen Transmissionen (Übertragungen) im Schulsetting stattfinden."

Grundsätzlich seien alle Altersgruppen und Lehrkräfte in Schulausbrüchen vertreten, hieß es weiter. Das höchste relative Risiko, darin involviert zu sein, hätten Lehrkräfte. Es sei anzunehmen, dass deren Kontaktmuster sich von dem der Schüler unterscheidet, etwa durch Begegnungen im Kollegium und mit Eltern.

RKI untersuchte nur bestätigte Fälle - gerade jüngere Kinder sind aber oft asymptomatisch

Bedenken muss man bei der Untersuchung, dass die Autoren vor allem auf Meldedaten blicken, die auf laborbestätigten Corona-Fällen beruhen. Sie weisen selbst auf eine Reihe von damit verbundenen Einschränkungen hin: Insbesondere Grundschüler wiesen relativ häufig keine Symptome auf oder der Beginn der Erkrankung lasse sich schwer zuordnen. Möglicherweise werde eine "größere Anzahl" asymptomatischer Infizierter verpasst und die Größe von Ausbrüchen unterschätzt. Anhand einer großen österreichischen Studie könne aber angenommen werden, "dass dieser Fehler vermutlich nicht substanziell groß ist".

Experten empfehlen, jüngere Klassenstufen zuerst wieder in die Schule zu schicken

Schulschließungen und Wiedereröffnungen sollten den Fachleuten zufolge "unbedingt" in den Kontext der Gesamtinzidenz in der Region gesetzt werden und in der Reihenfolge nach Altersgruppen priorisiert erfolgen. Für eine Öffnung wird empfohlen, bei den unteren Klassenstufen zu beginnen. Für ältere Schüler schienen Modelle wie Wechselunterricht eine gute Option zu sein, so die Autoren.

Quelle: dpa/RTL.de