Schulden: Griechenland kauft sich frei

Das Schuldenrückkaufprogramm für Griechenland hat begonnen.
© dpa, Patrick Pleul

04. Dezember 2012 - 12:50 Uhr

Fünf Tage Zeit

Fünf Tage hat Griechenland Zeit, sich von einem Teil seiner Schulden 'freizukaufen', beziehungsweise sie zurückzukaufen, um seinen Gesamtschuldenstand zu reduzieren. Dieses 'Schuldenrückkaufprogramm' war letzte Woche von der Troika aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) im Rahmen der Hilfen für Griechenland beschlossen worden.

Griechische Staatsanleihen mit langer Laufzeit haben seit dem Beginn der Schuldenkrise enorm an Wert verloren. Griechenland versucht nun bis Freitag, möglichst viele dieser Anleihen von seinen Gläubigern zurückzukaufen, zu einem wesentlich geringeren Preis, als die Gläubiger damals bezahlt haben.

Athen hat den Haltern der Papiere – je nach Art und Laufzeit – ein Angebot von 30,2 bis 40,1 Prozent des ursprünglichen Wertes gemacht. Die Gläubiger können sich nun entscheiden, ob sie auf dieses Verlustgeschäft eingehen, oder ob sie die Papiere weiter behalten bis sie im Wert wieder steigen. Dabei besteht allerdings auch das Risiko, dass die Anleihen weiter im Wert fallen oder irgendwann – im Falle einer Pleite Griechenlands – gar nichts mehr wert sind.

Zehn Milliarden Euro will Griechenland in das Rückkaufprogramm investieren, um so um die 30 Milliarden Euro Schulden zu tilgen, unter dem Strich käme Athen also auf eine Schuldenreduzierung von rund 20 Milliarden Euro. Die Aktion ist wichtiger Bestandteil des Milliarden-Hilfspakets, das die Troika letzte Woche beschlossen hat, und Bedingung dafür, dass die weiteren Hilfsmaßnahmen für das Land umgesetzt werden können.

Erste positive Reaktionen

Zuletzt hielten Privatanleger griechische Staatsanleihen im Volumen von etwa 62 Milliarden Euro. Etwas mehr als die Hälfte davon befindet sich in den Händen von Banken und Anlegern in Ausland. Es gilt als sicher, dass die griechischen Finanzinstitute, die rund 15 Milliarden Euro halten, an dem Rückkaufprogramm teilnehmen werden.

Befürchtet wird hingegen, dass ausländische Privatanleger wie Hedge-Fonds in Erwartung höherer Gewinne das Angebot nicht annehmen werden.

Nach Veröffentlichung der griechischen Angebote haben viele Investoren den Rückkauf positiv aufgenommen und so den Anleihen des Landes kräftigen Auftrieb gegeben. Der Kurs der zehnjährigen griechischen Bonds schoss um 4,31 Punkte auf ein 14-Monats-Hoch von 39,495 Zählern. Im Gegenzug sank die Rendite – die Zinsen, die die Griechen im Falle eines regulären Rückkaufs zahlen müssten, um fast zwei volle Punkte auf bis zu 14,56 Prozent.

Auch am Aktienmarkt waren die Reaktionen positiv: Der Leitindex der Athener Börse stieg um bis zu zwei Prozent. Der Index für die griechische Bankenbranche stieg in der Spitze sogar um 5,6 Prozent. Die Geldhäuser gehören zu den größten Gläubigern des griechischen Staates.

Börsianer hatten lediglich mit einer Offerte zwischen 20 und 30 Prozent des Nennwertes gerechnet. Offenbar versuche Griechenland alles, um den Schuldenrückkauf zu einem Erfolg zu machen, sagte Anlage-Stratege Ricardo Barbieri von der Mizuho Bank.

Bei einem Rückkauf der Anleihen zum Preis am Stichtag 23. November würde nach Daten der Nachrichtenagentur Reuters eine Teilnahme-Quote von 50 Prozent bereits ausreichen, um die Verschuldung im geplanten Ausmaß zu senken.