Psychotherapeutin erklärt

Schulbusunfall in Thüringen: Was Kinder brauchen, um so ein traumatisches Erlebnis zu verarbeiten

24. Januar 2020 - 11:03 Uhr

Nach Schulbusunfall in Thüringen: Wie man mit Kindern über den Tod spricht

Die Kinder waren kurz vor dem Ziel, als das Unglück passierte: In Thüringen ist ein Schulbus mit 23 Kindern an Bord auf eisglatter Straße ins Rutschen gekommen und hat sich überschlagen. Zwei Grundschüler starben, die anderen wurden verletzt. Was so ein traumatisches Erlebnis für Kinder in dem Alter bedeutet und wie die Schüler den Unfall jetzt verarbeiten können, beantwortet Kinderpsychotherapeutin Ariadne Sartorius im Video.

Psychotherapeutin: Betroffene Kinder brauchen Raum für Angst und Trauer

Die Grundschule in Berka ist klein – nur 85 Kinder werden dort unterrichtet. Knapp ein Viertel der Schülerschaft war also direkt von dem Unfall betroffen. Die Kinder, die das Unglück überlebt haben, aber wohl auch die, die die Unfallopfer kannten, brauchen jetzt professionelle Hilfe, erklärt die Psychotherapeutin.

"Man muss den Kindern Gesprächsangebote machen", erklärt Sartorius. Man dürfe ihnen nicht verschweigen, was passiert sei, um sie vermeintlich vor negativen Gefühlen zu bewahren. Im Gegenteil: Die betroffenen Kinder bräuchten jetzt Raum, um ihre Gefühle zulassen zu können und darüber zu sprechen. Wichtig sei, den Kindern klar zu machen: "Du darfst traurig sein. Du darfst weinen."

Schulpsychologen und zusätzlicher Lehrer sollen die Betroffenen unterstützen

Schulbusunfall in Thüringen
Bei dem Schulbusunfall in Thüringen kamen zwei Grundschüler ums Leben.
© dpa, Swen Pförtner, spf tba

Am Freitag soll die Grundschule in Berka vor dem Hainich normal geöffnet haben, wie der thüringische Bildungsminister Helmut Holter (Linke) mitteilte. Den Eltern ist es aber freigestellt, ob sie ihre Kinder schon wieder in die Schule schicken oder zu Hause zu betreuen möchten, sagte er. Vor Ort sollen Schulpsychologen bereitstehen, um Schüler, Lehrer und bei Bedarf auch Eltern zu betreuen. Außerdem sollen zusätzliche Lehrer im Einsatz sein, um die Pädagogen der Grundschule zu unterstützen.

Der Unfall hat das 800-Seelen-Dorf schwer erschüttert. "Der ganze Ort ist im Schockzustand", sagte Innenminister Georg Maier (SPD). Darum sollen auch alle anderen Schulleiter in Westthüringen über den Unfall informiert werden. Auch andere Schulen seien teils indirekt von dem Unfall betroffen, da diese von Geschwisterkindern besucht würden, erklärte Bildungsminister Holter.

Das Ministerium schaltete außerdem eine Hotline (0361 57 34 11 606) , bei der sich Angehörige und Betroffene Hilfe holen können.