Schürrle ein eiskalter Engel - Kroos kann auch unpräzise

© Bongarts/Getty Images, Bongarts, sf

27. März 2017 - 17:33 Uhr

Mit einem unaufgeregten 4:1-Sieg in Aserbaidschan hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am 5. Spieltag der WM-Quali ihre Hausaufgaben gemacht und bleibt mit der Maximalausbeute von 15 Punkten Spitzenreiter der Gruppe C. Während Doppeltorschütze Andre Schürrle herausragte, blieben viele DFB-Spieler unter ihren Möglichkeiten. Die Spieler in der Einzelkritik:

Hector sackstark - Kimmich nachlässig

Bernd Leno: Dass der erste Schuss  direkt im Netz zappelte, ist wohl das undankbare Schicksal im Duell mit Underdogs. Hatte ansonsten keine Möglichkeiten, im Kampf um die Nummer 2 nach Neuer nachhaltig auf sich aufmerksam zu machen, da die wuchtigen Angriffsversuche der Azeris meist um den Sechzehner herum ihr jähes Ende fanden. Note: 3

Joshua Kimmich: Die mangelnde Spielpraxis bei den Bayern merkte man dem designierten Lahm-Nachfolger an. Im Spiel nach vorne nicht ganz so auffällig wie sonst, hinten teils frappierend nachlässig. Ließ Nazarov bei dessen Ausgleich ziehen und kam auch sonst oft einen Schritt zu spät. Dass er aber einen besonders feinen Fuß besitzt, bewies der Youngster mit seiner fluffigen Flanke auf Gomez vor dem 1:3. Note: 4

Benedikt Höwedes: Ungenaue Abspiele schmälerten den Auftritt des Dauerbrenners. Ließ sich von der Hektik der Gastgeber anstecken, wenn sie Alarm machten. Note: 4

Mats Hummels: Ordnende Hand in der Viererkette. Hatte aber kaum Szenen, in denen er besonders in Erscheinung treten konnte. Jenseits der Mittellinie oftmals ratlos. Note: 3

Jonas Hector: Offensiv geistreich, defensiv solide. Dem Kölner gehörte die erste Chance des Spiels (15.), sein Schlenzer ging nur knapp am Gehäuse vorbei. Legte Schürrle zweimal perfekt auf. Auch heute wieder eine sackstarke Leistung des linken Verteidigers. Note: 2

Schürrle überragend - Khedira kommt nach der Pause

Sami Khedira: Zwar auf dem Zenit seiner Karriere, mit der Kapitänsbinde am Arm aber nicht immer voll auf der Höhe. Steigerte sich nach der Pause. Schaltete und waltete fortan mit gewohnter Stabilität und Übersicht. Note: 3

Toni Kroos: Nicht ganz fehlerfrei als Ballverteiler, was für seine Verhältnisse schon fast skandalös ist. Wirkte darüber hinaus latent unsortiert. Auch beim ruhenden Ball agierte der Real-Star nicht mit der ihm innewohnenden Präzision. Note: 4

Andre Schürrle: Mehr als würdiger Özil-Ersatz, wenngleich vom Spielertyp komplett anders. Bot sich viel an, ackerte und krönte schon früh seinen starken Auftritt mit dem Führungstreffer. Bereitete mit einem Zucker-Zuspiel auf Müller zudem den zweiten DFB-Treffer vor und setzte wie ein eiskalter Engel den Schlusspunkt. Nicht nur als Doppeltorschütze Spieler des Spiels. Note: 1

Auf Müller und Gomez ist Verlass

Thomas Müller: Fand zunächst überhaupt nicht in die Partie. Verhängnisvoller Ballverlust vor dem Ausgleich und damit Mitinitiator des ersten deutschen Gegentreffers seit 678 Minuten. Bügelte seinen Fehler danach aber in bester Torjäger-Manier aus - sein fünfter Treffer in der laufenden WM-Quali. Note: 3

Julian Draxler: Bei Paris St. Germain aufgeblüht, im DFB-Dress eher abgedreht. Servierte Hector zwar dessen Assist zur Führung. Blieb aber trotz aller Dynamik ohne große Durchschlagskraft und verlor sich immer wieder in substanzlosen Pirouetten oder flapsigen Zuspielen. Dass sein Hang zur Selbstverliebtheit auch in Baku phasenweise zutage trat, bringt ihm die obligatorischen Abzüge in der B-Note ein. Note: 5

Mario Gomez: Tauchte in Hälfte 1 unter, tat dann aber das, was ein Top-Stürmer tun muss: Einnetzen. Sein gefühlvoller Kopfball zum 1:3 kurz vor dem Pausentee war zudem ästhetisch wertvoll. Durfte bei seiner Auswechslung nach einer Stunde die Gewissheit mit unter die Dusche nehmen, aus mannschaftsdienlicher Sicht alles gegeben zu haben. Note: 3

Mesut Özil (ab 61.): Kam für Gomez in die Partie und zeigte zumindest, dass er seine Rückenbeschwerden überstanden hat. Fügte sich ein, ohne aber in Szene zu treten. Note: 4

Leroy Sane (ab 84.): Ersetzte Draxler und schaffte es gerade noch anzuschwitzen. Note: -

Sebastian Rudy (ab 89.): Kam für Kroos in die Paertie und durfte ein bisschen Stadion-Luft schnuppern. Note: -