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Schokolade gegen Depressionen? Umfrage zeigt: So wenig wissen wir über die Krankheit

Schokolade gegen Depressionen? Umfrage zeigt: So wenig wissen wir über die Krankheit

Von wegen selbst Schuld: So groß sind die Wissenslücken beim Thema Depressionen

Für Betroffene wie Kristina Wilms dürften die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage zum Thema Depression ein Schlag ins Gesicht sein. Denn viele der Befragten glauben nicht nur, die Krankheit sei eine Form der Charakterschwäche, ein knappes Fünftel hält sogar Schokolade für ein geeignetes Heilmittel. Kaum einer wusste, dass Depressionen auch biologische Ursachen haben.

Depression: 5,3 Millionen Neuerkrankungen im Jahr

ARCHIV - ILLUSTRATION - Eine Frau steht am 09.02.2012 in Hannover (Niedersachsen) neben einem Baum.    (zu dpa "Rausch auf Rezept: Mit Ketamin Depressionen knacken" vom 19.11.2017) Foto: Julian Stratenschulte/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Die Depression rückt alles Negative ins Zentrum des Erlebens und vergrößert es riesenhaft.
jst pzi nie vbm chc kde tba, dpa, Julian Stratenschulte

Fast jeder Fünfte ist der Ansicht, wer an einer Depression leidet, solle sich einfach mal zusammenreißen. Eine repräsentative Umfrage der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und der Stiftung Deutsche Bahn zeigt, wie unbekannt die Krankheit ist. Und das obwohl in Deutschland insgesamt rund 5,3 Millionen Menschen jedes Jahr an einer behandlungsbedürftigen Depression erkranken. Eine von ihnen ist die Unternehmerin Kristina Wilms. Auch ihr Umfeld reagierte oft mit Unverständnis. Im Video erzählt die junge Frau, was das für sie bedeutet hat.

Depressionen haben immer auch biologische Ursachen

Ein junges Mädchen alleine am Strand von Dragfjärd, Finnland, aufgenommen am 21.07.2005. Foto: Marja Airio MODEL RELEASED +++(c) dpa - Report+++
Nur knapp zwei Drittel der Befragten kennen die große Bedeutung der erblichen Komponente und wissen, dass während einer Depression der Stoffwechsel im Gehirn gestört ist.
picture-alliance/ dpa/dpaweb, Lehtikuva Marja Airio

Mehr als 90 Prozent der Befragten glaubten, dass Depressionen durch Schicksalsschläge und Stress verursacht werden. Dabei habe die Krankheit immer auch biologische Ursachen , betont Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Nach dem heutigen Stand der Forschung führt die Veranlagung zu Depressionen zu veränderten Hirnfunktionen, zum Beispiel zu stärkeren Reaktionen auf Stress unterschiedlichster Art.

Doch nahezu alle Interviewten sahen die Ursache in Schicksalsschlägen (96 Prozent) und Belastungen am Arbeitsplatz (94 Prozent). Die Hälfte glaubte an eine falsche Lebensführung, ein Drittel an Charakterschwäche. Ganz ähnlich gewichteten Betroffene die Hauptursachen - nur Charakterschwäche steht bei ihnen mit 18 Prozent auf dem letzten Platz. Damit würden belastende Lebensereignisse für die Entstehung von depressiven Erkrankungen überschätzt, sagte Hegerl.

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Wann sollte eine Depression behandelt werden?

Nicht nur Depressionen: Wer als Kind misshandelt wurde, hat auch ein höheres Risiko, körperlich zu erkranken. Foto: Marijan Murat
Eine deutliche Mehrheit - über 90 Prozent der Befragten - hielt in der Umfrage den Gang zum Arzt oder Psychotherapeuten für den besten Weg, um sich bei einer Depression helfen zu lassen
DPA

Als behandlungsbedürftig gilt eine Depression, wenn Menschen sich gravierend und über einen langen Zeitraum verändern. Ärzte behandeln die Krankheit in der Regel mit Psychotherapien und - je nach Schweregrad - auch mit Medikamenten. Jeden Tag begingen durchschnittlich 28 Menschen Suizid. Bei vielen Fällen geht die Stiftung von einer schweren Depression als Ursache aus.

Sind Sie auch gefährdet? Hier können Sie testen, wie hoch ihr Risiko ist, an einer Depression zu erkranken.

Frauen sind häufiger von Depressionen betroffen

Desperation young man with hand in hair on the edge of a dock
Fast ein Viertel (23 Prozent) gab an, dass bei ihnen bereits einmal die Diagnose Depression gestellt worden sei.
Getty Images/iStockphoto, Aitormmfoto

Nach einer Analyse des Robert Koch-Instituts zählen Depressionen inzwischen zu den häufigsten psychischen Leiden in Deutschland. Die Krankheit wird aber auch häufiger als früher erkannt. So stieg in den vergangenen Jahren nicht die Häufigkeit der Krankheit an sich, sondern die Zahl der Diagnosen. Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens an einer Depression zu erkranken, wird auf 11 bis 15 Prozent geschätzt. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, suchen aber in der Regel auch schneller Hilfe.

So unterschiedlich die Erscheinungsformen einer Depression sein können, so verschieden sind auch ihre Symptome. Welche die häufigsten sind, können Sie hier nachlesen.