Schockierende Bilder: Das jährliche Delfinschlachten in Japan

Weltweite Proteste gegen Delfinjagd

Alljährlich machen Fischer in Japan brutal Jagd auf Tausende Delfine. Einzelne Exemplare verkaufen sie für viel Geld an Delfinarien in Japan und anderen Ländern. Den Rest schlachten sie ab. Tierschützer laufen Sturm. Auch viele 'RTLaktuell.de'-User haben uns auf das brutale Delfinschlachten in diesen Tagen aufmerksam gemacht.

Delfinjagd Japan
Aufnahmen der Umweltorganisation Sea Shepherd zeigen das brutale Delfinschlachten in Japan.
dpa bildfunk

Es ist ein erschütternder Anblick. In hektischen Stößen spritzt Wasser aus den Atemlöchern der Delfine, viele versuchen vergeblich, durch die Absperrnetze der Fischer zu entkommen. Durch Hämmern auf ins Meer gehaltene Metallstangen hatten die Jäger zuvor bei Sonnenaufgang den Orientierungssinn der Tiere lahmgelegt und sie in die Bucht getrieben.

In der malerischen Lagune nahe des kleinen Walfangstädtchens Taiji etwa 700 südlich von Tokio sortieren Tiertrainer die schönsten Exemplare im Auftrag von Delfinarien im In- und Ausland aus. Tierschützer nennen Preise von bis zu je 150.000 Dollar. Danach beginnt ein bestialisches Gemetzel.

Fischer zerren die wild zappelnden Tiere, die nicht für den Verkauf aussortiert wurden, zu dritt oder zu viert an der Seite von Motorbooten hängend in eine benachbarte Lagune - wobei sie bei Wendemanövern über die gefangenen Delfine fahren. Andere werden in der für die Öffentlichkeit gesperrten Bucht mit Speeren, Haken und Messern abgeschlachtet.

Diese grausigen Szenen wiederholen sich Jahr für Jahr zwischen September und März. Auch in diesen Tagen haben die Delfinjäger Augenzeugenberichten zufolge erneut mehr als 250 der Meeressäuger zusammengetrieben, darunter auch viele Jungtiere. "Dies ist nichts anderes als Genozid an einer anderen Spezies", beklagt ein Kritiker der Treibjagd auf Facebook. "Das brutale Treiben muss sofort und auf Dauer beendet werden", sagt Jürgen Ortmüller, Geschäftsführer des deutschen Wal- und Delfinschutz-Forums (WDSF).

Zahl der gejagten Delfine rückläufig

Delfinjagd Japan
Delfin-Trainer selektieren die Delfine, die bei der Treibjagd gefangen wurden, für Aquarien.
dpa, DB Lars Nicolaysen

Auch die neue US-Botschafterin in Tokio, Caroline Kennedy, übte deutliche Kritik: Sie sei "tief besorgt über die Unmenschlichkeit" der Delfintötungen, kritisierte sie im Kurznachrichtendienst Twitter. Die US-Regierung lehne Treibjagd-Fischerei ab, sagte Kennedy. Der Sprecher der japanischen Regierung, Yoshihide Suga, erklärte daraufhin, die Delfinjagd sei Teil von Japans "traditionellem Fischfang". Die Jagd werde "auf Grundlage des Gesetzes in geeigneter Weise" durchgeführt. Die kleinen Meeressäuger unterlägen nicht dem seit 1986 geltenden Walfangverbot, betonte er. Japan werde den USA den eigenen Standpunkt erläutern.

"Auf Japan lasten Hunderttausende von Delfinleben. Die Abschlachtungen sind völlig sinnlos, und jedes Jahr finden weitere 20.000 Delfine in Japan ihren Tod. Wir müssen gemeinsam aufstehen, um das zu stoppen", beklagt Ortmüller. Die Tierschutzorganisation forderte die Deutsche Botschaft in Tokio auf, bei der japanischen Regierung umgehend gegen die Treibjagd zu intervenieren. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast forderte im ZDF: "Das jährliche Gemetzel an Delfinen und Walen muss mal ein Ende haben. Die Bundesregierung muss sich gegenüber Japan klar äußern. Wale und Delfine sind keine Konkurrenz der Fischer, sondern eine zu schützende Spezies."

In seinem Oscar-gekrönten Dokumentarfilm 'Die Bucht' hatte der US-Taucher und Unterwasser-Fotograf Louie Psihoyos der Weltöffentlichkeit mit Hilfe versteckter Kameras das Gemetzel vor Augen geführt. Neben Taiji, etwa 700 Kilometer südlich von Tokio, wird auch an wenigen anderen Orten Japans Jagd auf Delfine gemacht. Die Regierung setzt dabei Fangquoten fest. Allerdings ist die Zahl der gejagten Delfine nach Erkenntnissen von Umweltschützern rückläufig.

In den vergangenen zehn Jahren sei die Zahl der gejagten Delfine und Kleinwale um 83 Prozent zurückgegangen, von 18.369 auf 3.104 Tiere, hatte die Organisation Pro Wildlife mitgeteilt. Auch Daten der Regierung bestätigen den Trend. Demnach waren im Jahr 2010 noch 6.577 Delfine und Kleinwale gejagt worden, ein Jahr später seien es noch 3.283 Tiere gewesen.

Das Fischereiministerium in Tokio nannte als einen Grund für den Rückgang die Tsunami-Katastrophe vom 11. März 2011, bei der viele Fischer ihre Boote verloren. Pro Wildlife vermutete dagegen als Grund für die rückläufigen Jagdzahlen, dass jüngere Japaner um die Belastung des Fleisches der Delfine mit Giftstoffen wüssten und es kaum noch verzehrten. Allerdings wird in Japan ohnehin generell kaum Wal- oder Delfinfleisch gegessen. Dies beschränkt sich meist auf Walfangorte. Laut Pro Wildlife werden allerdings immer mehr Tiere lebend gefangen und für hohe Summen an Delfinarien weltweit verkauft.