10. April 2018 - 19:52 Uhr

Landwirtschaftsminister David Littleproud kündigt Untersuchung an

Die Aufnahmen, die das australische Nachrichtenmagazin '60 Minutes' jetzt ausgestrahlt hat, sind nichts für schwache Nerven. Heimlich gefilmte Bilder zeigen tausende, leidende Schafe auf einem Frachtschiff der Firma 'Emanuel Exports'. Man sieht, wie die Tiere auf qualvolle Art und Weise verenden; dabei stehen sie zusammengedrängt in engen Transportboxen und klettern über ihre sterbenden Artgenossen. Rund 2.400 Schafe sollen Tierschützern zufolge beim Transport nach Katar gestorben sein. Australiens Landwirtschaftsminister David Littleproud zeigte sich geschockt und hat eine Untersuchung eingeleitet.

Frachter 'Awassi Express' mit über 60.000 Tieren an Bord unterwegs

2.400 Schafe auf australischem Frachter verendet.
Zu Tausenden werden Schafe bei Lebendexporten aus Australien auf Frachter gepfercht.
© Animals Australia

Der Agrarminister erklärte, er sei angesichts der Aufnahmen entsetzt. Er verspricht vollständige Aufklärung und, dass die zuständigen Personen zur Rechenschaft gezogen werden. Die Bilder stammen von einem Whistleblower, Tierschützer hatten das Leiden der Schafe im August 2017 auf dem Frachter 'Awassi Express' heimlich gedreht. Erst jetzt wurde das Material vom Fernsehsender 'Nine Network' in der Nachrichtensendung "60 Minutes" ausgestrahlt. Das Schiff war auf einer Route von Fremantle in Westaustralien nach Doha in Katar unterwegs. An Bord befanden sich knapp 64.000 Tiere.

Das Landwirtschaftsministerium war bereits in der Vergangenheit über das Massensterben an Bord des 'Awassi Express' unterrichtet worden. Jede Fracht, bei der die Sterblichkeit über zwei Prozent liegt, wird von australischen Behörden untersucht. Ursache für das Sterben der Tiere ist meistens die Hitze auf dem Transport in den Mittleren Osten. Die Stellungnahme von Landwirtschaftsminister Littleproud werten australische Tierschützer als Teilerfolg. Sie wollen langfristig eine Abschaffung der Lebendexporte erreichen, und hoffen, den Transport der Tiere zumindest im Sommer einzuschränken.

Bundesstaat Western Australia abhängig von Schaf-Exporten

Das Exportunternehmen 'Emanuel Exports' muss bei einer geplanten Lieferung schärfere Auflagen beachten.
Zustände wie diese will Australiens Regierung nun verhindern. Das Exportunternehmen 'Emanuel Exports' muss bei einer geplanten Lieferung schärfere Auflagen beachten.
© Animals Australia

Ob der aktuelle Aufschrei der Öffentlichkeit langfristig Folgen für 'Emanuel Exports' hat, darf bezweifelt werden. Denn bereits 2016 waren bei einer Überfahrt nach Doha 3.000 Tiere verendet. Personelle Konsequenzen hatte der Zwischenfall damals trotz staatlicher Ermittlungen nicht. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Perth, der Hauptstadt des Bundesstaats Western Australia. Von dort werden jährlich rund 1,4 Millionen lebende Schafe exportiert. Das entspricht in etwa 75 Prozent aller australischen Lebendexporte. Die Schafzucht ist für die Region eine wichtige Einnahmequelle. Alannah MacTiernan, Landwirtschaftsministerin des Bundesstaats, will deshalb die regionale Fleischproduktion erhöhen und so die Abhängigkeit von Lebendexporten verringern. Dieser Vorschlag stößt weder bei Züchtern noch Umweltschützern auf Begeisterung.

Nicholas Daws, der Chef von 'Emanuel Exports' entschuldigte sich nach Ausstrahlung der Bilder bei den australischen Farmern und der Öffentlichkeit. In der 'New York Times' sprach er von einem "absolut inakzeptablen Fall". Eine für diese Woche geplante Lieferung des Unternehmens wurde verzögert und unterliegt bereits härteren staatlichen Auflagen. Hierzu gehört laut dem 'Guardian' eine Verringerung des Frachtvolumens um 17,5 Prozent. Außerdem schickt die australische Regierung Experten an Bord, die den Gesundheitszustand der Tiere überwachen sollen.