Schnellere Asylverfahren: Umstrittene Ankerzentren starten in Bayern

01. August 2018 - 19:04 Uhr

Bald schnellere Asylentscheidungen?

Abschiebelager oder erster Schritt in Richtung einer geordneten und schnelleren Asylpolitik? Darüber scheiden sich die Geister. Dennoch: Am Mittwoch nahmen die ersten sogenannten Ankerzentren in Bayern ihren Betrieb auf. Sie sollen schnellere Asylentscheidungen ermöglichen.

CSU will im Bayern-Wahlkampf punkten

Die Einrichtung der Ankerzentren ist im schwarz-roten Koalitionsvertrag festgeschrieben. Trotzdem kommt das Vorhaben nur schleppend voran – denn die Umsetzung liegt bei den Ländern. Und die sträuben sich mehrheitlich gegen den Plan. Anders sieht das in Bayern aus: Am 1. August eröffneten hier die bundesweit ersten Ankerzentren. Insgesamt sind es sieben Stück, in jedem Regierungsbezirk eines. Damit will die regierende CSU auch ein Zeichen im Landtagswahlkampf setzen.

Die Flüchtlingszentren sind Teil des "Masterplans Migration" von Bundesinnenminister Horst Seehofer. Der CSU-Chef erhofft sich durch die Zentren schnellere Asylentscheidungen. Durch ein geordnetes und beschleunigtes Verfahren sollen jene Asylbewerber schneller abgeschoben werden, die kein Bleiberecht haben. Für einen besseren Ablauf und kürzere Wege sind in den Einrichtungen alle wichtigen Behörden vertreten: das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), die Bundesagentur für Arbeit, Jugendämter und Justiz- und Ausländerbehörden. Die Zentren wurden nicht neu errichtet, sondern waren vormals Erstaufnahmeeinrichtungen, die jetzt umgewidmet und umgewandelt wurden.

Kritik von Opposition und Hilfsorganisationen

Zwischen 1.000 und 1.500 Menschen sind in den sieben bayerischen Ankerzentren untergebracht. Flüchtlingshelfer und Opposition sehen das Konzept skeptisch: Hunderte Menschen, darunter auch kleine Kinder, zusammengepfercht in lagerähnlichen Einrichtungen, das sei menschenunwürdig, argumentieren sie und sprechen von "Abschiebelagern", die zu einer Ghettoisierung führen könnten.

Auch die Kinderrechtsorganisation "Save the Children" kritisiert die neuen Einrichtungen: "Ankerzentren sind kein Ort für Kinder und Familien. Solche großen Sammelunterkünfte bieten gerade für die Heranwachsenden keine geschützten und sicheren Räume", sagt Susanna Krüger, die Geschäftsführerin der Organisation. Spannungen und Aggressionen seien in den Zentren programmiert, ein kindgerechtes Aufwachsen damit nicht möglich. "Die Weichen, die direkt bei der Ankunft gestellt werden, sind essentiell für ein gelungenes Ankommen. Wir dürfen die Bedürfnisse dieser Kinder nicht ignorieren oder vernachlässigen."