Schneider: "Aus der Krise richtige Schlüsse ziehen"

Jochen Schneider. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Archivbild
© deutsche presse agentur

08. Mai 2020 - 18:20 Uhr

Nach Wochen des Hoffens und Bangens atmet Sportvorstand Jochen Schneider vom Fußball-Bundesligisten Schalke 04 erst einmal tief durch. Das düsterste Szenario - der Saison-Abbruch - mit all seinen, teils unabsehbaren Folgen ist zunächst vom Tisch. Nun soll sich der Fokus mehr und mehr auf die sportliche Vorbereitung auf das am 16. Mai (15.30 Uhr) anstehende Revierderby bei Borussia Dortmund richten. "Es ist ja das Spiel schlechthin. Erstmal sind wir alle froh, dass wir wieder trainieren und spielen dürfen. Dementsprechend freuen wir uns natürlich auch auf das Derby."

Dass es die von vielen befürchteten Fanansammlungen rund um das Nachbarduell geben wird, glaubt Schneider nicht: "Ich gehe guten Gewissens davon aus, dass das nicht geschehen wird. Gerade in dieser Krise hat sich der Zusammenhalt, gerade mit unseren Fans, noch mal extrem gezeigt. Da wird beim Derby nichts passieren." Zuletzt hatte unter anderen die Polizeigewerkschaft NRW (GdP) vor den verbotenen Fanansammlungen mit Blick auf die Geisterspiele gewarnt.

Schneider gab zu, dass Schalke "vielleicht ein bisschen mehr als andere Vereine" wirtschaftlich von der Corona-Krise betroffen sei. "Aber man kann es nicht auf Schalke 04 beschränken, die ganze Bundesliga ist betroffen, wie auch viele andere Industriezweige", sagte der 49-Jährige zu den Konsequenzen des wochenlangen Stillstands. Es sei ja bekannt, "dass Schalke mit einigen Vorerkrankungen in die Krise gegangen" sei, so Schneider. Zuletzt hatte der Club in seiner Konzern-Jahresbilanz 2019 einen Fehlbetrag von mehr als 26 Millionen Euro ausgewiesen.

Sportlich sieht es vor dem Wiederbeginn beim Revierclub wesentlich besser aus. Einige vor der Einstellung des Spielbetriebs im März verletzte Profis wie Daniel Caligiuri, Suat Serdar, Ozan Kabak oder Salif Sané haben ihre Blessuren auskuriert. An diesem Samstag wird die Mannschaft von Trainer David Wagner, zu der auch vier Nachwuchsspieler gehören, nochmals in der Arena trainieren. Am Sonntag werden dann alle Spieler inklusive des gesamten Betreuerteams ihre Betten im obligatorischen, quarantäneähnlichen Trainingslager im "Courtyard"-Hotel auf dem eigenen Vereinsgelände beziehen.

Schneider betonte, dass jeder genau über das von der DFL-Taskforce entwickelte Konzept mit Hygiene- und Verhaltensmaßnahmen unterrichtet und auf mögliches Fehlverhalten hingewiesen worden sei. Zudem habe man jedem Spieler freigestellt, ob er am Trainings- und Spielbetrieb teilnehmen wolle oder nicht. "Alles geschieht auf freiwilliger Basis und wenn jemand Fragen hat oder reden will, kann er jederzeit zum Trainer, den Betreuern oder mir kommen." Bisher habe niemand signalisiert, nicht mitmachen zu wollen. Die Stimmung sei "sehr positiv: Alle freuen sich darauf, dass es bald wieder losgeht."

Wie zuvor schon DFL-Chef Christian Seifert und andere Protagonisten sieht Schneider die Chance, aus der Corona-Krise zu lernen. Die Branche müsse sich generell hinterfragen. "Den Wettbewerb immer mehr auf die Spitze zu treiben, ist sicher nicht gut. Vielleicht muss man den ein oder anderen Schritt zurückgehen. Es kommt darauf an, dass wir aus der Krise die richtigen Schlüsse ziehen." Deswegen stehe er der Idee von einer Taskforce "Zukunft Profifußball" offen gegenüber.

Quelle: DPA