Orte abgeschnitten +++ Erdrutsche +++ Zug entgleist +++ Ein Toter

Schneechaos in Österreich: Dreijähriger wegen Blinddarmdurchbruch ausgeflogen

19. November 2019 - 14:00 Uhr

Kind mit Hubschrauber gerettet

Ein Dreijähriger mit Blinddarmdurchbruch ist aus einem völlig verschneiten Ort in Österreich ausgeflogen worden. Wie die "Kleine Zeitung" und der Sender ORF am Dienstag berichteten, gelang der Hubschrauber-Crew mit Nachtsichtbrillen die Landung in Heiligenblut am Großglockner.

Zuvor hätten die Dorfbewohner dabei geholfen, einen Landeplatz vorzubereiten, berichtete der ORF-Sender "Ö3". Der Junge wurde ins Klinikum Klagenfurt gebracht.  "Der Zustand des Burschen ist stabil und er wird kinderchirurgisch versorgt", sagte Klinikum-Sprecherin Nathalie Trost am Dienstagmorgen.

Heiligenblut ist bereits seit Tagen von der Außenwelt abgeschnitten, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtete. "Die Regale sind schon ziemlich leer, wenn man einkaufen geht", sagte der Amtsleiter von Heiligenblut, Franz-Josef Bernhard, der APA. Auch in anderen Gemeinden verschärft sich die Niederschlagssituation weiter.

Orte abgeschnitten +++ Erdrutsche +++ Zug entgleist +++ erster Toter

Wegen heftiger Schnee- und Regenfälle spitzt sich die Lage in den österreichischen Bundesländern Kärnten, Salzburg und Tirol zu. Einige Orte sind von der Außenwelt abgeschnitten, unter anderem in Kärnten das Lesachtal, das Mölltal und die Gemeinde Heiligenblut. Die Einwohner wurden aufgerufen, ihre Häuser nicht zu verlassen. Mehrere Gebäude wurden evakuiert. In Osttirol bleiben die Schulen wegen der höchsten Lawinen- und Wetterwarnstufe geschlossen.

RTL-Reporterin in Matrei eingeschlossen - so fühlt es sich an

Erdrutsch in Bad Kleinkirchheim

18.11.2019, Österreich, Bad Kleinkirchheim: Einsatzkräfte befinden sich am Unglücksort im Einsatz, nachdem ein Wohnhaus von einem Erdrutsch getroffen und teilweise zerstört worden ist. Eine Person wird aktuell vermisst. Foto: Gert Eggenberger/APA/dpa
Ein Murenabgang im österreichischen Kärnten forderte ein Todesopfer.
© dpa, Gert Eggenberger, hef hen jai

Ein Erdrutsch hat ein Haus in Bad Kleinkirchheim im österreichischen Bundesland Kärnten teilweise zerstört. Eine Person ist tot. Die Häuser rundherum mussten evakuiert werden. Insgesamt wurden drei Familien in Sicherheit gebracht werden.

"Die hintere Seite des Hauses ist total eingedrückt, es steht nur noch die Vorderfront", sagte Bürgermeister Matthias Krenn.  Die Situation im Ort ist dramatisch, weil immer wieder kleinere Hänge abrutschten.

Diese Gefahren sind jetzt in Österreich noch akut!

Mehrere Murenabgänge und Schlammlawinen

In der Gemeinde Bad Gastein im Bundesland Salzburg ging in der Nacht zu Montag eine Schlammlawine auf zwei Wohnhäuser nieder. Zwei Menschen konnten gerettet werden.

Schwere Murenabgänge auch im Mölltal in Oberkärnten. Am Sonntagabend schossen gleich mehrere Muren durch die Ortschaft und richteten schwere Schäden an. Besonders dramatisch war die Situation am Ortseingang Reißeck. In Höhe des Möllstausee, direkt neben einem Kraftwerk, schoss eine 500 Meter breite Mure Richtung Tal. Sie riss eine Brücke mit sich und verfehlte zwei Wohnhäuser nur knapp.

Starkregen und Schnee hatten in Österreich am Wochenende zu zahlreichen Muren- und Lawinenabgängen sowie zu Stromausfällen geführt. Aus Sicherheitsgründen mussten zahlreiche Straßen gesperrt werden.

In Kärnten traten darüber hinaus mehrere Seen über die Ufer. Der bei Villach gelegene Faaker See führte am späten Sonntagabend ein Hochwasser, wie es statistisch nur alle 100 Jahre vorkommt. Seit der Nacht auf Samstag war der Pegel um rund 40 Zentimeter auf nun 140 Zentimeter angestiegen.

Video: Strommast wird von Schneemassen getroffen, Lawine schlengelt sich durch Matrei

Die Wetterlage: "Vb Tiefs: Niederschläge in Österreich teils so hoch wie nur alle 50 Jahre

Luft aus polaren Breiten strömt weiterhin in den Mittelmeerraum und verstärkt dort über dem 18 bis 22 Grad warmen Wasser immer wieder die Tiefdruckgebiete oder lässt neue entstehen. Von dort ziehen sie langsam nordwärts, die Tiefs werden aufgrund ihrer spezifischen Zugbahn auch "Vb Tiefs" genannt. Auf dem Weg nach Norden werden sie regelrecht an der Alpensüdseite ausgepresst und es kommt zu Starkregen oder Starkschneefällen.

In Teilen Österreichs hat es im laufenden Monat bereits viermal so viel geregnet und geschneit wie sonst im gesamten November.

Neue Niederschläge in Sicht!

In der Nacht auf Dienstag gibt es jedoch am Alpen-Hauptkamm in Tirol, in Osttirol und Kärnten wieder Niederschlag. Die Schnellfallgrenze liegt dabei zwischen 900 und 1.600 Metern. In den betroffenen Gebieten ist die Gefahr von Lawinen- und Murenabgängen bzw. von Hochwasser weiter sehr hoch.

Weitere Länder in den Alpen betroffen: Zug entgleist in Südtirol

Nach dem heftigen Wintereinbruch sind in Südtirol weiterhin zahlreiche Straßen gesperrt.Ein Erdrutsch hat einen Zug entgleisen lassen. Verletzt wurde bei dem Vorfall am Montag im Pustertal niemand. Es seien nur zwei Personen in dem Zug auf dem Weg nach Bruneck gewesen.

Der am Sonntag durch eine Lawine abgeschnittene Ort Martell im Westen Südtirols war am Montag wieder erreichbar. 40 bis 50 höher gelegene Häuser mit 200 bis 250 Bewohnern sind aber weiter eingeschlossen. Auch das hintere Martelltal ist noch abgeschnitten. Laut Landesverwaltung am Sonntagabend sind noch 2400 Haushalte ohne Strom. 

In der Schweiz verstärkt weiterer Schneefall die Lawinengefahr (v.a. Graubünden, Lawinengefahr hier ebenfalls bis Warnstufe 4). Auch in Frankreich gab es starke Schneefälle.

Entspannung für betroffene Gebiete in Österreich erst ab Mittwoch

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