Schmutziges Geschäft mit China-Böllern

23. Januar 2015 - 13:06 Uhr

RTL-Reporterin Pia Schrörs berichtet aus Liuyang (China)

Dank der Fingerfertigkeit vieler Chinesen leuchtet bei uns der Himmel an Silvester bunt und es knallt laut. Rund 80 Prozent der Böller, die in die Luft gejagt werden, kommen aus dem Reich der Mitte. Die Stadt Liuyang mit ihren Tausenden Feuerwerks-Fabriken dürfte der Traum jedes Pyromanen sein. Dort zu arbeiten ist allerdings alles andere als traumhaft - und trotzdem sind diese Jobs heiß begehrt.

Schmutziges Geschäft mit China-Böllern
Teils produzieren Familien ohne Lizenz in ihren eigenen vier Wänden Feuerwerks-Körper.

Die Umstände, unter denen die Böller produziert werden, sind widrig: Es ist eine Industrie der Armen, die Bezahlung ist kümmerlich, die Arbeitsbedingungen primitiv. Auch Kinder arbeiten in den Tausenden Feuerwerks-Fabriken, denn ihre kleinen Hände eignen sich besonders gut für die schmutzige Handarbeit. Die jüngsten stecken schon mit sechs Jahren zum ersten Mal Zündschnüre in Feuerwerkskörper. "Wir arbeiten an Wochenenden und in den Ferien in der Fabrik", erzählen sie. Die Firmen beuten sie aus, bezahlen knapp über einen Euro für einen Tag Arbeit.

"Es gibt hier keine anderen Jobs für uns"

Männer und Frauen füllen die Körper mit einem Gemisch von explosiven Stoffen von Hand, stecken die Zündschnüre mit bloßen Fingern hinein. "Unkonzentriertheit können wir mit unserem Leben bezahlen", erzählen Arbeiter.

Nach offiziellen Angaben gab es im vergangenen Jahr landesweit 13 Explosionen in Fabriken. Insider sprechen von weitaus mehr Unfällen und Hunderten Toten. Immer wieder sind auch Kinder unter den Opfern. Eine Frau, die solch eine Explosion überlebte, sagt: "Wir werden trotzdem weiter Feuerwerkskörper herstellen. Es gibt hier keine anderen Jobs für uns."

Die Produktionsstätten verlagern sich immer tiefer in die Provinz, wo das Bewusstsein für die Rechte der Arbeiter noch gering ist. Teils produzieren Familien ohne Lizenz in ihren eigenen vier Wänden. Die explosiven Zutaten verkaufen Läden in der Region. Die Regierung gibt vor, alle illegalen Produktionsstätten geschlossen zu haben, doch die Realität sieht anders aus. Ein Familienhaus ist erst vor wenigen Tagen explodiert, weil sich Schwarzpulver entzündet hatte. In den Überresten des Hauses befinden sich noch Produktionsmaterialien für Böller. "Die Familie hatte offensichtlich Feuerwerkskörper produziert", stellt Pia Schrörs fest. Drei Menschen sind ums Leben gekommen, darunter auch ein Kind.

Ein Nachbar erzählt, dass die gleiche Familie vor etwa zehn Jahren dasselbe Schicksal erlebt habe. Damals starben bei der Explosion noch mehr Familienmitglieder. "Sie haben ihr Leben damit finanziert", sagt er. Aller Ausbeutung und Gefahren zum Trotz sind viele Chinesen weiterhin auf das Geschäft mit den Knallkörpern angewiesen, denn ansonsten lässt sich kaum Geld verdienen.