Schmuggler zahlten ihm 15.000 Dollar – Kapitän der Blue Sky M berichtet

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5. Januar 2015 - 13:12 Uhr

Syrischer Flüchtling als Kapitän angeheuert

Am Dienstag vergangener Woche wurde das Flüchtlingsschiff 'Blue Sky M' vor der italienischen Küste aufgegriffen. An Bord des Frachters befanden sich fast 800 Menschen – unter ihnen Sarkas Rani. Der syrische Flüchtling war als Kapitän angeheuert worden und erklärt nach seiner Festnahme die Methoden der Schmuggler.

Führerlose Flüchtlingsschiffe hielten in der vergangenen Woche die italienische Küstenwache in Atem. Nach der Rettung der 768 Flüchtlinge, hatte die italienische Polizei den Kapitän der 'Blue Sky M' festgenommen. Der Mann erklärte im Verhör die Umstände der Überfahrt, wie die Zeitung 'La Repubblica' berichtet.

15.000 Dollar (12.450 Euro) sowie die Gelegenheit seine Familie mitzunehmen, hätten ihm die Menschenschmuggler geboten, sagt Sarkas Rani. Als Flüchtling im Libanon habe er das Angebot bekommen, die 'Blue Sky M' nach Italien zu navigieren. Mit drei weiteren Männern soll er das Kommando über das Schiff bekommen haben. Auf dem vor dem türkischen Hafen Mersin nahe der syrischen Grenze vor Anker gegangenen Frachter hätten die Männer abgewartet, bis nach wenigen Tagen fast 800 Menschen an Bord gewesen seien.

Sarkas Rani erklärte dem Bericht zufolge weiter, das Schiff sei weder vor Mersin von türkischen Behörden, noch während der Überfahrt von griechischen Behörden überprüft worden. Nach Medienberichten über hunderte Flüchtlinge an Bord der 'Blue Sky M' hatte die Hafenpolizei das Schiff zwar kontaktiert, doch man ließ den Frachter passieren.

Als sich das Schiff Italien näherte, habe er es auf Kurs zur Küste gesetzt und sich anschließend unter die anderen Flüchtlinge gemischt. Ohne den erfolgreichen Einsatz der italienischen Küstenwache wäre das Schiff wohl auf Land gelaufen. Den Mitgliedern der Küstenwache war es fünf Seemeilen (etwa neun Kilometer) vor der Küste gelungen, sich von einem Helikopter abzuseilen und das Schiff unter Kontrolle zu bringen.

Überfahrt für 4.000 bis 8.000 Dollar

Flüchtlinge an Deck der 'Blue Sky M'
Fast 800 Flüchtlinge befanden sich an Bord des veralteten Frachtschiffes.
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Wie die 'Repubblica' weiter berichtet, haben die Schmuggler durch eine Anzeige auf Facebook für die Überfahrt nach Italien geworben. Ein Platz an Bord der 'Blue Sky M' habe 5.500 Dollar (4.600 Euro) gekostet. Bei Gruppen ab 25 Personen sei ein Rabatt auf 4.500 Dollar ausgeschrieben gewesen.

Nur wenige Tage nach der 'Blue Sky M' entdeckte die italienische Küstenwache den ebenfalls führerlosen Frachter 'Ezadeen', der ohne Strom und Treibstoff im Mittelmeer trieb. Zwischen 4.000 und 8.000 Dollar hätten sie für die Überfahrt auf dem fast 50 Jahre alten Viehtransporter bezahlt, berichteten einige der 360 Flüchtlinge den italienischen Behörden. Die Flüchtlinge waren von den Schmugglern auf hoher See im Stich gelassen und von der Küstenwache gerettet worden.

"Die Frachter müssten eigentlich sicherer sein als die kleinen Boote", erklärte Carlotta Sami, die Sprecherin der UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR für Südeuropa, 'La Repubblica'. "Aber es handelt sich um alte Schiffe ohne elektronische Ausrüstung oder Radar. Das erhöht das Risiko von Tragödien", schätzt sie das Geschäft der Schmuggler ein. Auf den großen, veralteten Frachtschiffen werden hunderte Flüchtlinge auf offener See ihrem Schicksal überlassen.