2018 M09 14 - 14:42 Uhr

Angelika W. zeigt keine Reue

Der Prozess gegen das Horror-Pärchen von Höxter steht kurz vor dem Abschluss. Angelika W. hatte die Möglichkeit, ein letztes Wort vor dem Landgericht Paderborn zu sprechen – und das nutzte sie geschmacklos aus. Sie 49-Jährige sprach von Schmerzen und Angst, die sie während ihres Lebens mit Wilfried W. erlebt haben will und sieht sich selbst als Opfer. Einige Kläger hielten ihren Monolog nicht lange aus.

Angeklagte Angelika W. sieht sich als Opfer

Zusammen mit ihrem Partner Wilfried W. soll Angelika W. mehrere Frauen in ihr Haus gelockt und dort gequält haben, zwei von ihnen sogar bis zum Tod. Nun steht der Prozess gegen das Paar nach 55 Verhandlungstagen vor dem Abschluss. Am vorletzen Verhandlungstag nutzt sie die große Bühne für eine letzte ausführliche Schilderung der grausamen Taten. Einen ganzen Tag werde die 49-Jährige dafür brauchen, hatte sie zuvor schriftlich angekündigt.

In ihrem Monolog bezeichnete sie sich wiederholt als ein Opfer ihres Partners. So habe sie ihrem Mann die Frauen zum Quälen besorgt, damit sie selbst nicht gefoltert werde. Den Frauen habe sie nicht geholfen, weil sie Angst vor Wilfried gehabt habe. "Sie saßen in derselben Falle wie ich", sagte sie. Anschließend zählte sie zum wiederholten Male die Misshandlungen auf, die ihr Wilfried W. zugefügt haben soll.

Kaum jemand wollte ihr letztes Plädoyer lange ertragen

Das war zu viel für die Anwälte der Nebenkläger und die Mutter eines der toten Opfer. Sie verließen nach 90 Minuten den Gerichtssaal. "Das ist so unerträglich, dass man es nicht mehr hören kann", sagte die Mutter.

Angelika W. hatte bereits zuvor mehrere Verhandlungstage detailgenau über das Quälen der Frauen sowie die Zerstückelung und Verbrennung der Leichen berichtet. Eine Entschuldigung oder ein Wort des Bedauerns in Richtung der Opfer-Vertreter äußerte Angelika W. in den ersten Stunden ihres letzten Wortes nicht.

Die Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft

Die Staatsanwaltschaft hat lebenslange Haftstrafen für die beiden Angeklagten Wilfried W. und seine Ex-Frau Angelika W. sowie die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld gefordert. Für den Angeklagten beantragte die Staatsanwaltschaft zudem die Einweisung in eine Psychiatrie. Das Landgericht Paderborn will das Urteil am 5. Oktober verkünden.

Verteidiger fordert einen Freispruch für Angelika W.

Der Verteidiger von Angelika W. hat Freispruch für seine Mandantin gefordert. Für die Mordvorwürfe fehlten schlicht die Beweise, sagte Peter Wüller. Er habe zwar keinen Zweifel, dass die Angeklagten gemeinsam über Jahre Frauen aufs Übelste misshandelt hätten. Das Gericht dürfe aber nur über das urteilen, was angeklagt und auch nachgewiesen worden sei.

Die Verteidiger von Wilfried W. haben für ihren Mandanten eine Haftstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten und dessen Einweisung in die Psychiatrie beantragt.