Am Grenzfluss Evros

Schleuser an der türkisch-griechischen Grenze: „Jetzt sind alle Türen offen, wir schaffen die rüber und fertig“

02. März 2020 - 16:23 Uhr

Im Video: So ist die Lage wenige Kilometer vom Grenzübergang entfernt

Die griechische Grenzpolizei wehrt die Menschen, die aus der Türkei nach Europa wollen, mit Warnschüssen und Tränengasgranaten ab. Die Türkei hat nach eigenen Angaben mehr als 75.000 Migranten über die Grenze geschickt. Während Griechenland die Grenzübergänge geschlossen hat, sieht es wenige Kilometer davon entfernt anders aus. "Jetzt sind alle Türen offen, das ist überhaupt kein Thema. Wir schaffen die rüber und fertig", erklärt ein deutschsprachiger Schleuser im RTL-Interview. Wie unsere Reporter die Situation an der türkisch-griechischen Grenze beobachten, zeigen wir im Video.

RTL-Europakorrespondent Carsten Mierke: „EU fällt ihre Politik auf die Füße“

Die EU-Grenzschutzagentur Frontex hat wegen eines erhöhten Zustroms von Migranten die Alarmstufe für alle EU-Grenzen zur Türkei auf "hoch" gesetzt. Griechenland verstärkt die Zahl der Einheiten entlang der Grenze zur Türkei. Nach griechischen Angaben konnte bisher verhindert werden, dass Migranten die Grenze überqueren. Die Regierung in Athen wirft der Türkei vor, Migranten mit falschen Informationen dazu zu bewegen, nach Griechenland und damit in die EU zu kommen. Nach UN-Angaben harren rund 13.000 Migranten auf der türkischen Seite bei Kälte aus.

EU-Migrationskommissar Margaritis Schinas forderte eine baldige Sondersitzung der EU-Innenminister. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Samstag gesagt, die Grenzen zur EU seien für Migranten geöffnet. Nach Einschätzung von RTL-Europakorrespondent Carsten Mierke nutzt Erdogan den Flüchtlingsdeal zwischen der EU und der Türkei, um die Europäische Union zu erpressen. "Man muss leider sagen, dass der EU ihre verfehlte Politik jetzt auf die Füße fällt", erklärte Mierke bei RTL Aktuell.

Flüchtlingspakt der EU mit der Türkei

Die Türkei hat rund 3,6 Millionen Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen. In einem Flüchtlingspakt mit der EU von 2016 hat die Türkei eigentlich zugesagt, gegen illegale Migration vorzugehen. Das Abkommen sieht zudem vor, dass die EU alle Flüchtlinge und Migranten, die illegal über die Türkei auf die griechischen Inseln kommen, zurückschicken kann. Im Gegenzug nimmt die EU regulär Syrer aus der Türkei auf.

Ankara erhält zudem finanzielle Unterstützung für die Versorgung der Flüchtlinge im Land. Noch am Freitag hatte die EU deutlich gemacht, dass sie von der Türkei erwarte, dass sie die Vereinbarung einhalte.