Schleswig-Holstein

Streit über Präsenzunterricht für Abschlussklassen trotz Corona

Karin Prien (CDU), Bildungsministerin von Schleswig-Holstein. Foto: Christian Charisius/dpa/Archiv
Karin Prien (CDU), Bildungsministerin von Schleswig-Holstein. Foto: Christian Charisius/dpa/Archiv
© deutsche presse agentur

12. Januar 2021 - 8:39 Uhr

Bildungsministerin Karin Prien hält an Präsenzunterricht für Abschlussklassen fest

Wie viel Unterricht kann digital stattfinden und wann ist Präsenzunterricht notwendig? Über diese Frage ist in Schleswig-Holstein ein heftiger Streit ausgebrochen. Bildungsministerin Karin Prien (CDU) will, dass die Abschlussklassen in allen Fächern in der Schule unterrichtet werden – unter Einhaltung von Hygieneregeln. SPD, SSW und die Gewerkschaft GEW finden das unverantwortbar.

Unterricht in Kleingruppen mit Maskenpflicht

"Die Vorbereitung der Abschlussjahrgänge auf die Prüfungen ist von großer Bedeutung und kann nicht ohne Präsenzunterricht erfolgen", so Prien gegenüber der Deutschen Presseagentur. Dabei sollen die Schüler nicht nur in ihren Prüfungsfächern vor Ort unterrichtet werden, sondern in allen Fächern – als Blockunterricht im Wechsel oder mit allen Schülern gleichzeitig und auf mehrere Räume aufgeteilt. "Wichtig ist, dass es neben Anteilen im Lernen auf Distanz auch für alle Fächer einen Präsenzanteil gibt", so die Ministerin. Im Beschluss der Ministerpräsidenten und der Bundesregierung seien die Abschlussklassen explizit von den Schulschließungen ausgenommen, betonte Prien.

SPD und SSW: Nicht-Prüfungsfächer brauchen keinen Präsenzunterricht

Von der SPD bekommt Prien für ihr Vorgehen keine Unterstützung. Der Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Bildung in der SPD, Fabian Reichardt, fordert, dass Nicht-Prüfungsfächer nur im Fernunterricht stattfinden. "Es darf unter den hohen Coronazahlen auch in Schleswig-Holstein nicht sein, dass 150 bis 400 Schülerinnen und Schüler sowie 30 bis 100 Lehrkräfte aufeinandertreffen müssen", so Reichardt. Wenn Schulklassen zum Schutz ihrer Gesundheit nicht unterrichtet werden dürften, sei es unerklärlich, "warum ganze Abschlussklassen und ihre Lehrkräfte in die Schulen müssen."

Auch die SSW kritisiert die Entscheidung der Bildungsministerin. Die Schüler seien seit Frühjahr 2020 "im Alarmmodus", sagte Landtagsabgeordnete Jette Waldinger-Thiering. Die Familien seien angesichts der anhaltenden Pandemie mit all ihren Einschränkungen schon verunsichert und mürbe genug.

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Quelle: DPA / RTL.de