Schleswig-Holstein: Hohes Tempo bei Auffrischungsimpfung

FFP2-Masken mit CE-Zertifizierung liegen auf einem Tisch. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Illustration
FFP2-Masken mit CE-Zertifizierung liegen auf einem Tisch. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Illustration
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14. Januar 2022 - 18:39 Uhr

Kiel (dpa/lno) - Von Samstag an gelten in Schleswig-Holstein angesichts der drohenden Gefahr für die kritische Infrastruktur durch die immense Zahl an Corona-Neuinfektionen gelockerte Quarantäneregeln. "Es geht in dieser Phase der Pandemie insbesondere darum, die Handlungsfähigkeit der Gesundheitsämter sicherzustellen, damit die vorhandenen Ressourcen auf den Schutz vulnerabler Gruppen fokussiert werden können", sagte Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) am Freitag. Dies setze ein hohes Maß an Eigenverantwortung von allen Bürgerinnen und Bürgern voraus.

Das Gesundheitsministerium hat am Freitag einen entsprechenden Erlass herausgegeben. Auf dessen Basis können Kreise und kreisfreie Städte rechtlich maßgebliche Allgemeinverfügungen erlassen.

Zuvor hatten Bundestag und Bundesrat eine entsprechende Verordnung gebilligt. Die neuen Regeln sehen vor, dass sich dreifach geimpfte Kontaktpersonen von Corona-Infizierten nicht mehr in Quarantäne begeben müssen. Das gilt auch für frisch doppelt Geimpfte oder frisch Genesene.

Außerdem werden kürzere Quarantänezeiten im Fall von Infektionen ermöglicht, um bei stark steigenden Infektionszahlen den personellen Zusammenbruch wichtiger Versorgungsbereiche zu verhindern. Künftig können sich Infizierte oder Kontaktpersonen, die die Vorgaben für eine Quarantäne-Befreiung nicht erfüllen, nach sieben Tagen durch einen PCR-Test oder einen zertifizierten Antigen-Schnelltest freitesten.

Unterdessen kommt die Corona-Impfkamagne im Norden voran. Inzwischen hat mehr als jeder Zweite eine Auffrischungsimpfung bekommen. Die Quote lag nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) am Freitag (8.00 Uhr) bei 50,7 Prozent, in der Altersgruppe 60 und älter bei 76,5 Prozent. Bei den 18- bis 59-Jährigen haben 50,4 Prozent eine Auffrischungsimpfung erhalten und bei den 12- bis- 17-Jährigen sind es 10,5 Prozent.

Schleswig-Holstein verzeichnet aktuell den zweithöchsten Wert bei Auffrischungsimpfungen in Deutschland nach dem Saarland mit 54,8 Prozent. Bundesweit gibt das RKI einen Wert von 45,9 Prozent an. Vollständig geimpft sind nach RKI-Angaben im nördlichsten Bundesland 77,0 Prozent der Bevölkerung. Mindestens eine Impfung haben 78,6 Prozent erhalten.

Bildungsministerin Karin Prien (CDU) verteidigte zum Ende der ersten Schulwoche nach den Weihnachtsferien die Corona-Teststrategie und den Präsenzunterricht. "Unsere Kinder und Jugendlichen brauchen jetzt so viel Normalität wie möglich." In den ersten Tagen nach den Weihnachtsferien seien viele positive PCR-Tests gemeldet worden. Mittlerweile zeige sich aber, dass Schüler und Lehrkräfte in Schleswig-Holstein vergleichsweise geringer am Infektionsgeschehen beteiligt seien als die Gesamtbevölkerung. An drei Tests pro Woche wolle man festhalten.

Von Montag an gelten nach Priens Angaben neue Regeln für Kontaktpersonen und Infizierte. Trete in Schulen ein Corona-Infektionsfall auf, der durch einen PCR-Test bestätigt wird, bestehe für andere Personen keine Absonderungspflicht. Ausnahmen davon seien möglich, wenn die Schutzmaßnahmen nicht eingehalten worden seien. Wer eine Auffrischungsimpfung erhalten habe, frisch doppelt geimpft, geimpft und genesen oder frisch genesen sei, müsse auch dann nicht in Quarantäne, wenn der Kontakt zu einer infizierten Person außerhalb der Schule erfolgt sei.

Am Donnerstag war die Zahl der binnen eines Tages gemeldeten Corona-Neuinfektionen laut Landesmeldestelle auf den bisherigen Höchstwert 4317 Fälle gestiegen. Die Sieben-Tage-Inzidenz erreichte am Donnerstag den Wert von 664,3. Am Vortag hatte die Zahl neuer Infektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen 655,4 betragen, am Donnerstag vor einer Woche 458,0. Im Vergleich mit den übrigen Bundesländern liegt Schleswig-Holstein bei der Sieben-Tage-Inzidenz laut Robert Koch-Institut weiter an dritter Stelle hinter Bremen und Berlin.

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Quelle: DPA