Schlammlawinen, umstürzende Bäume, Hochwasser: Mindestens zwölf Tote bei heftigen Unwettern in Italien

29. Oktober 2018 - 9:58 Uhr

Extreme Unwetter halten Italien in Atem, Touristen sitzen in den Alpen fest

Heftige Unwetter mit Starkregen und Sturmböen haben Italien von Nord bis Süd getroffen und das öffentliche Leben teils lahmgelegt. Die Zahl der Toten ist in Italien auf mindestens zwölf gestiegen. In der nordöstlichen Provinz Belluno wurde der Leichnam eines Handwerkers aus einem Wildbach geborgen. Weitere Todesfälle gab es unter anderem in Südtirol und in der angrenzenden Provinz Trient. Nahe dem Adria-Ort Rimini starb ein Kite-Surfer.

In den Alpen saßen laut der NAchrichtenagentur Ansa rund 180 Touristen und Saisonarbeiter fest, nachdem das Stilfser Joch von heftigem Schneefall blockiert worden war. Alle seien wohlauf, hieß es. "Weil sie sich nicht auf der Piste vergnügen können, entspannen sie sich beim Schwimmen im Pool oder in der Sauna", sagte ein Hotelier über seine Gäste. Das 2.757 Meter hohe Stilfser Joch ist der höchste Gebirgspass Italiens und verbindet Südtirol mit der Lombardei.

In Ligurien noch 20.000 Menschen ohne Strom

In Ligurien an der italienischen Riviera waren in der Nacht zum Mittwoch noch 20.000 Menschen ohne Stromversorgung. Regionalpräsident Giovanni Toti schätzte die Schäden auf mehrere Hundert Millionen Euro. Der Luxusbadeort Portofino ist von der Außenwelt abgeschnitten.

In der nordwestlichen Region Ligurien waren am Dienstag alle Häfen geschlossen worden. Ankommende Schiffe mussten vor der Küste auf ein Ende des Sturmes warten. Auch der internationale Flughafen Cristoforo Colombo in Genua war am Dienstagmorgen dicht. Alle Flüge sind gestrichen worden. Im Hafen von Savona westlich von Genua wurde das Auto-Terminal überflutet. Nach einem Kurzschluss in zwei Lagerhallen brach Feuer aus. Einige Hundert Autos - die meisten der Luxusmarke Maserati -, die für den Export in den Nahen Osten bestimmt waren, sind zerstört worden,

30.10.2018, Italien, Savona: Einige Hundert Autos - die meisten der Luxusmarke Maserati - stehen ausgebrannt im Hafen auf dem Auto-Terminal. Nach einem Kurzschluss in zwei Lagerhallen war Feuer ausgebrochen. In weiten Teilen wüteten schwere Unwetter.
Einige hundert Luxusfahrzeuge sind durch ein Feuer zerstört worden, das durch einen Kurzschluss durch Überflutung entstanden war.
© dpa, -, kde

Venedig unter Wasser

Venedig kämpft mit extremem Hochwasser. 70 Prozent des historischen Zentrums der italienischen Stadt waren am Montag überflutet, teilten die Behörden mit. Auf dem Markusplatz standen die Wassermassen meterhoch. Der Platz wurde evakuiert und gesperrt, erklärte Bürgermeister Luigi Brugnaro auf Twitter. Am Nachmittag wurden 156 Zentimeter über dem Meeresspiegel gemessen - so viel wie seit zehn Jahren nicht mehr. Hochwasser ist in der Lagunenstadt keine Seltenheit. Dieses Ausmaß nimmt es allerdings nur sehr selten an.

In Venedig wurde der weltberühmte Markusdom von den Überschwemmungen in Mitleidenschaft gezogen. Die rund 1000 Jahre alte Basilika ist nach den Worten von Verwaltungschef Carlo Alberto Tesserin an einem einzigen Tag um 20 Jahre gealtert.

Bahnverbindung von Österreich Richtung Italien unterbrochen

29.10.2018, Österreich, Huben: Nach einem Murenabgang wird eine Straße bei Huben gesperrt. ein Föhnsturm und heftige Regenfälle haben in Österreich zu erheblichen Problemen geführt. Foto: Expa/Johann Groder/APA/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Unwetter auch in Österreich. Nach einem Murenabgang wird eine Straße bei Huben gesperrt.
© dpa, Johann Groder, nwi

Auch in Österreich haben Föhnsturm und heftige Regenfälle zu erheblichen Problemen geführt. Viele Straßen vor allem im Süden des Landes waren wegen umgestürzter Bäume nicht passierbar. Mehrere Flüsse traten über die Ufer. Der Bahnverkehr auf einzelnen Strecken musste eingestellt werden. Teilweise ist die Verbindung Richtung Italien unterbrochen. In Kärnten waren rund 10.000 Haushalte ohne Strom. Auch im Stadtgebiet Salzburg stürzten Bäume und Kamine um.

Brenner in beiden Fahrtrichtungen gesperrt

Besonders stark getroffen wurde auch Südtirol. Der Zivilschutz rief die höchste Alarmstufe Rot aus - das bedeute, dass ein Katastrophenfall möglich sei. "Der Boden kann nur wenig mehr Wasser aufnehmen", erklärte die Feuerwehr. Damit steige die Gefahr für weitere Erdrutsche. Auch die Flüsse dürften weiter anschwellen. Auf der Autobahn zwischen Brenner und Sterzing hatte schon am Sonntag ein Erdrutsch mehrere Autos erfasst, es gab aber keine Schwerverletzten. Die wichtigste Verkehrsachse zwischen Österreich und Italien wurde gesperrt.

Unwetter in Italien mit Todesopfern
In Rom zerquetscht ein umgestürzter Baum ein Auto unter sich.
© dpa, Angelo Carconi, nwi

In Rom stürzten Bäumen mitten im Zentrum um, Antennen flogen von den Dächern, Straßen wurden gesperrt. Ein Feuerwehrmann wurde verletzt. Auch weiter im Süden blieben Schiffe im Hafen, so wurde zwischen Neapel und der Insel Ischia der Verkehr eingestellt. In Alghero auf Sardinien gab es Hagelkörner so groß wie Tischtennisbälle. Zwischenzeitlich wurden dort Sturmböen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometern in der Stunde gemessen.

Unwetter auch in Kroatien und in der Schweiz

Nicht nur Italien, auch Kroatien war betroffen. Die Autobahnen rund um die nördliche Hafenstadt Rijeka wurden wegen Starkregens vorerst für den Verkehr gesperrt. Wegen Sturms mit Orkanböen fielen zwischen Dubrovnik und Rijeka zahlreiche Fährverbindungen vom Festland zu den Inseln aus. Der staatliche Wetterdienst erließ am Montagmorgen für die gesamte kroatische Küstenregion höchste Warnstufe.

In der Schweiz wurden wegen starken Schneefalls mehrere Alpenpässe gesperrt. Darunter ist auch der Gotthardpass, der letztmals vor zehn Jahren bereits Ende Oktober nicht mehr passierbar war.

Extremes Wetter auch in Deutschland

Auch hierzulande merken wir die extreme Wetterlage: Föhnsturm bricht auch in die Täler Deutschlands hinein. An der Zugspitze werden Windgeschwindigkeiten von bis 200 Kilometern in der Stunde erwartet. Dabei wird es im Südosten und am Dienstag im Osten sehr mild mit Werten um 20 Grad. Im Westen dagegen sehr kühl mit einstelligen Werten und Schnee und Schneeregen bis in tiefe Lagen. Ab der Wochenmitte wird es dann auch im Westen deutlich milder.